10. Juni 2016

Jan Buchczik ist Illustrator. Mit seinen so knallbunten wie geradlinigen Zeichnungen hat er es sogar schon in die „New York Times“ geschafft. Dabei hat der Frankfurter noch nicht einmal sein Studium beendet. Mit seinem Porträt starten wir eine neue Reihe über Kreative aus der Region.

Von Alexander Jürgs

Es geht nicht um den Stil, es geht nicht um ein Markenzeichen. Der Inhalt, die Geschichte, der Witz sind immer wichtiger als der Stil. Das sagt Jan Buchczik, Illustrator aus Frankfurt, Student an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung. Wie seine Illustrationen am Ende aussehen, soll zu den Gedanken passen, die er sich beim Anfertigen der Zeichnungen gemacht hat, zu seinem Humor, den er als trocken und absurd bezeichnet. Doch gefragt ist Buchczik wohl doch wegen dem Stil. Weil seine Illustrationen so unverwechselbar sind, aus der Reihe tanzen.

Die Vögel zwitschern, die Sonne fällt durchs weit geöffnete Fenster, Marvin Gaye singt, gegenüber liegt eine Kirche. Jan Buchczik, Jahrgang 1988, hat seinen Arbeitsplatz in der Ateliergemeinschaft Basis im Bahnhofsviertel, es ist eines der kleineren Studios, er teilt es sich mit einem Freund. Der Raum wirkt aufgeräumt („Ich wusste ja, dass du zu Besuch kommst“), in der Ecke hängt ein Stoffbeutel, auf der Fensterbank sind Kakteen aufgereiht, auf einem Holzbrett stehen Olivenöl und Essig. Gemütlich und beschaulich. „Ich mag es, an einem Ort zu arbeiten, der wie ein Wohnzimmer ist“, sagt Jan Buchczik. Nur sein Zuhause soll es nicht sein, die Trennung ist ihm wichtig. Er geht gerne in sein Atelier, sagt Buchczik, selbst wenn eigentlich gerade nichts zu tun ist.

Seine Auftraggeber: New York Times, Google und die NZZ

Er weiß nicht, wie die Art-Direktoren vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin „Bloomberg Businessweek“ auf ihn aufmerksam geworden sind, sie haben ihm einfach eine Mail geschickt. Weil die im Spam-Ordner landete, hat sich Jan Buchczik erst mit zwei Wochen Verspätung bei ihnen zurückgemeldet, einen Illustrationsauftrag hat er trotzdem noch von ihnen erhalten. Es kamen Folgeaufträge, es kamen neue Kunden dazu. Die Website „It’s nice that“ stellte seine Arbeiten vor, die nächsten Aufträge kamen dazu.

„Ohne das Internet wäre das nie so passiert“, sagt Buchczik. Er ist dankbar, dass es gerade gut läuft, er ist keiner, der damit prahlt. „Immer, wenn ich denke, jetzt müsste aber endlich mal wieder ein Auftrag kommen, passiert etwas“, sagt der Illustrator. Die Liste seiner bisherigen Kunden liest sich jedenfalls imposant: „New York Times“, „The Atlantic“, das Kunstmagazin „Monopol“, das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“, Google und die ehrwürdige NZZ haben schon Illustrationen bei Jan Buchczik bestellt. Für das Schirn Magazin hat er die Serie "ICH: Das grenzenlose Selbst" illustriert. Er hofft, dass das so bleibt, dass er vom Illustrieren leben kann. Er ist sich aber auch bewusst, dass das nicht unbedingt leicht wird. „Deutschland ist kein Illustrationenland, Deutschland ist Typo- und Fotoland“, sagt Jan Buchczik.

Satt, bunt und flächig

In einem Bücherregal entdecke ich „Maus“ von Art Spiegelman, die vermutlich stilbildendste Graphic Novel überhaupt, in der der New Yorker Zeichner die Geschichte seines Vaters, der den Holocaust überlebte, und seiner Mutter erzählte. Ja, Spiegelmans Comic habe ihn geprägt, sagt Buchczik. Aber er selbst könne sich nicht vorstellen, einmal eine Graphic Novel zu zeichnen, auch keinen Comic Strip. Seine Illustrationen beschränken sich meist auf ein Bild. Ein Buch würde er trotzdem gerne einmal machen. Er möchte kleine Geschichten schreiben, er experimentiert gerne mit Begriffen. „Ich mag Wörter“, sagt Jan Buchczik.

Dass auch die „ligne claire“ der belgischen und französischen Comic-Legenden, von Hergé oder Jacques Tardi etwa, eine Rolle spielt, sieht man den Illustrationen an. Buchcziks Strich ist geradlinig, seine Farben sind satt, bunt und flächig. Sein Zeichenstift ist das Programm Photoshop. „Wenn ich am Computer zeichne, habe ich weniger Angst vor dem weißen Blatt“, sagt er. Als er sich an der Offenbacher Hochschule beworben hat, da wollte er eigentlich Film studieren. Beim ersten Bewerbungsversuch wurde Buchczik abgelehnt, beim MDR begann er eine Ausbildung als Cutter, beim zweiten Versuch bestand er die Aufnahmeprüfung. Buchczik stürzte sich zunächst ins Filme machen, ins Grafikdesign, ins Programmieren, um schließlich zu merken, dass er am Zeichnen doch am meisten Spaß hat. Im kommenden Jahr will er sein Studium abschließen.

Mehr Austausch, weniger Einzelkämpfer

Er lebt seit einiger Zeit wieder dort, wo er aufgewachsen ist: in Frankfurt-Bockenheim. Seine Mutter wohnt nur ein paar Straßen entfernt. Jan Buchczik sagt, dass er Frankfurt mag, auch wenn die Stadt ihm manchmal auf den Kopf zu fallen droht. Er sagt, dass er gerne hier ist, dass sich in der Kulturszene in der Region gerade viel tut, auch und vor allem in Offenbach. „Dass Frankfurt das größte Dorf der Welt ist, dieser Satz ist wirklich sehr passend“, sagt er. Einen Wunsch hat er trotzdem: dass sich die Illustratoren, die es in der Stadt gibt, besser miteinander vernetzen, dass er mehr Austausch und weniger Einzelkämpfer gibt.