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Soundtrack: Summer Pride Parade

08.06.2022

7 min Lesezeit

Der PRIDE SOUNDTRACK zum Sommer von DJ barbecute björn!

Juni ist #PRIDE­MONTH: Der Monat steht exem­pla­risch fĂŒr die Gesell­schaft, die wir ganz­jĂ€h­rig fordern und leben wollen. Das heißt LGBTQIA+-Rechte, queere Visi­bi­li­tĂ€t und Akzep­tanz. DJ barbe­cute björn, auch bekannt als Resi­dent-DJ der quee­ren Parties „Atomic“ und „Club 78“ in Frank­furt, hat zu diesem Anlass eine Sommer-Play­list erstellt. HAPPY PRIDE!

Patrick Wolf „The Magic Position“

Der britische Singer-Songwriter eröffnet die Queer Parade 2021 mit einem schmissigen Barock-Pop-Knallbonbon „The Magic Position” – eine Hymne an die Liebe. Nachdem sich der Musiker lange nicht sicher war, ob er nun schwul oder bisexuell sei, entschloss er sich 2007 diese Kategorien einfach nicht mehr zu benutzen: „I like to have sex and fall in love – I don‘t like giving terminology for my sexuality“, sagte er in einem Interview. mit dem Star Observer in Sydney.

Shamir „Tryna survive“

Shamirs erster Erfolg war die poppige Electronummer „On the Regular“, aber so divers wie Shamir sich selbst empfindet (“to those who keep asking: I have no gender, no sexuality and no fucks to give”, wird Shamir in The Guardian zitiert), so divers ist auch der musikalische Output – strong!

[T]o those who keep asking: I have no gender, no sexua­lity and no fucks to give.

Shamir

Shamir, Image via www.elle.com

Le Roi et Moi „Rudie“

Das sympathische Hamburger Duo steht in der Tradition des handgemachten Indiepops. „Rudie“ erinnert an den sonnigen Soul von The Style Council, live werden Torsten Junge und Schneider vom Performance-Duo Jim Osthaarchic und Le Danse Russe unterstĂŒtzt; mit letzterem hat SĂ€nger Schneider auch als DJ-Team legendĂ€re queere Partyreihen in Hamburg bestritten.

The Knife „Pass this on“

Das schwedische Elektroduo ist sehr interessiert an „den Welten dazwischen“ und verhĂŒllt bei Live-Auftritten gerne seine IdentitĂ€t. Die Geschwister Karin und Olof Dreijer bezeichnen sich selbst als genderfluid. Mit dem Video zu ihrem 2003er Hit „Pass this on“ haben sie dem Song mit den markanten Steeldrums eine völlig neue Ebene gegeben.

The Hidden Cameras „Gay Goth Scene“

Das kanadische Queercore-Pop-Kombinat um den charismatischen SĂ€nger Joel Gibb ist bekannt fĂŒr ihre hymnenartigen Arrangements, die in „Gay Goth Scene“ mit bombastischen Streichersounds auf die Spitze getrieben werden. Der Song ist ein klares Statement gegen Queer*feindlichkeit.

Beth Ditto „Do you want me too?“

Power-Frau Beth Ditto steht fĂŒr 100% positive Energie und ist mit ihrer inzwischen aufgelösten Band „The Gossip“ wie auch als Solo-KĂŒnstlerin immer wieder als queer-feministische Aktivistin aufgetreten. Und sie beweist, dass echte StĂ€rke nichts mit AggressivitĂ€t zu tun hat. We like!

Austra „Utopia“

Katie Stelmanis, queer-feministische SĂ€ngerin der kanadischen Band Austra, verpasst ihren Electro-Songs gerne politische Botschaften. In „Utopia“ entwirft sie zum Beispiel eine neue, bessere Weltordung. Schubladen mag die SĂ€ngerin nicht: „Ich bin offen fĂŒr alles, deshalb wĂŒrde ich mich als ‚queer‘ bezeichnen“, sagte sie im Interview mit motor.de.

Beth Ditto, Image via www.textilwirtschaft.de

LĂ„psley „Operator (DJ Koze Disco Version)“

Die britische Musikerin wartete lange mit ihrem Outing – auch weil sie sich nie in den vorgegebenen Schemata wiederfand und sich lieber selbst definieren wollte – eben als „bisexual womxn”. Ihr „Operator” wird an DJ Kozes Mischpult zum Copacabana-Disco-Ohrwurm.

Khruangbin „Time (You and I)“

Apropos Ohrwurm: Die US-amerikanische Band hat mit „Time (You and I)“ den Sommerhit 2020 veröffentlicht. Und weil 2020 quasi ausgefallen ist, ist das auch im Sommer 2021 noch voll gĂŒltig. Funky Arschwackler.

Jessica 6 „White Horse“

Nomi Ruiz wurde als GastsĂ€ngerin der New Yorker House-Combo „Hercules & Love Affair“ berĂŒhmt und ĂŒberzeugte auch als SolokĂŒnstlerin – zum Beispiel mit ihrer Band Jessica 6 und verschiedenen Kollaborationen, unter anderem mit der wunderbaren House-Produzentin Honey Dijon. „White Horse“ atmet die flirrende Luft der New Yorker Underground Clubszene.

Alexis Blair Penney „Lonely Sea“

Musik ist nur ein Aktionsbereich der US-amerikanischen KĂŒnstler*in, Dragqueen und Autor*in: „artist / witch / Aquarius / mutant“ kann man auf der Website lesen, aber vor allem die stetige VerĂ€nderung und Weiterentwicklung der Kunst und Person stehen immer ganz oben auf der Liste. Die flamboyante Housenummer stammt aus dem Jahr 2011 und klingt immer noch frisch.

Tocotronic „Hey Du!“

Tocotronic-SĂ€nger Dirk von Lowtzow kommentiert in „Hey Du!“ seine Erfahrungen als nonkonformer Jugendlicher in der mittelbadischen Provinz: „Es geht um das GefĂŒhl, als junger Mensch sexuell ambivalent zu sein und sich – bis heute – nicht einem gĂ€ngigen MĂ€nnerbild entsprechend zu verhalten“, erklĂ€rte er dazu in einem Interview.

The B-52’s „Rock Lobster“

Die US-amerikanische Band surfte hart auf der New Wave Welle der frĂŒhen 80er – und war damals schon ein bisschen anders, ein bisschen schrĂ€ger und vor allem viel lustiger als viele ihrer Kolleg*innen der Rockbranche. Vier der fĂŒnf Bandmitglieder sind queer, in ihren Songs fĂ€llt das nur bei genauem Hinhören auf. In „Rock Lobster“ zum Beispiel mischt SĂ€nger Fred Schneider Genderrollen: „Boys in Bikinis, Girls on Surfboards“. Und diese PerĂŒcken von Kate Pierson und Cindy Wilson


Le Tigre „Deceptacon“

Le Tigre gehörten zur Post-Riot-Grrl-Bewegung feministischer Elektromusiker*innen, die offen ihre Wut ĂŒber Macho-AttitĂŒden und Diskriminierung formulieren und aussprechen und obendrauf in tanzbare Songs verpackten. „Deceptacon“ – ursprĂŒnglich ein Song ĂŒber eine Vergewaltigung – ist der Schlachtruf fĂŒr alle, die zu Recht meinen „Jetzt reicht’s“!

Hunx and his Punx „Hey Rocky!“

Queerer Rock’n’Roll aus San Francisco: In „Hey Rocky“ macht SĂ€nger Seth Bogart alias Hunx dem Highschool-Hunk Rocky eindeutige Angebote: „I don’t want you to be my man, I’m just looking for a one-night-stand, I don’t want to go to the junior prom, I don’t really want to meet your mom, I don’t care much about your dreams, I just want what’s in your jeans”. Word!

Fagget Fairies „Feed the Horse“

„I love my girls, I like them big on the top, Big on the bottom too” – MC Ena von den dĂ€nischen Fagget Fairies kommt ebenfalls gleich zum Punkt, wenn’s um Sex geht. Und ja: Dass Frauen ĂŒberhaupt so unverblĂŒmt ĂŒber Sex singen, gehört auch heute noch zur Ausnahme. Was „Feed the Horse“ bedeutet? Frag‘ am besten deine beste (lesbische) Freundin!

Peaches „Hannelore“

Als Botschafterin der sexuellen wie geschlechtlichen Befreiung covert Peaches hier einen Song von Claire Waldorff aus dem Jahr 1928 – und siehe da: Trotz der gut 90 Jahre, die zwischen den beiden Versionen des Songs liegen, scheinen beide KĂŒnstlerinnen wahre Soul-Sisters zu sein!

Hunx and his Punx, Image via www.byte.fm

Planningtorock „Transome“

Janine / Jam Ronstron alias Planningtorock verwischt seit ihrem ersten Album ganz bewusst die Gendergrenzen. Die heute omniprĂ€sente Auto-Tune-Technologie, die die meisten KĂŒnstler*innen benutzen, um auch ohne GesangsfĂ€higkeit den richtigen Ton zu treffen, setzt Planningtorock dazu ein, die Stimme möglichst genderneutral klingen zu lassen.

Lil Nas X „Montero (Call me by your name)“

Der schwule US-Rapper outete sich gleich nach Erscheinen seines ersten erfolgreichen Albums – ein Schritt, der vor allem in der Rap- und Hip Hop-Szene mit ihren ewig gestrigen Macho-AttitĂŒden extra Respekt verdient! Seinem Erfolg hat’s ĂŒbrigens keinen Abbruch getan.

Octo Octa „Who will I become?“

Maya Bouldry-Morrison war bereits vor ihrer Transition eine Ă€ußert erfolgreiche Breakbeat- und House-DJ und -Produzentin. Das Coming out als Trans* Person war fĂŒr die damals Ende ZwanzigjĂ€hrige trotzdem eine echte Befreiung; das spiegelt sich sogar in den Songs wieder, die in Titeln wie „Who will I become“ aus dem Album „Between Two Selfs“ noch stark von Verunsicherung geprĂ€gt waren. Ihre flockigen Tracks erscheinen heute unter anderem beim Label des queeren Honey Soundsystem Kollektivs aus San Francisco.

Planningtorock, Transome, Foto: Goodyn Green, Image via diffusmag.de

#PRIDEMONTH

Juni ist #PRIDEMONTH: Der Monat steht exemplarisch fĂŒr die Gesellschaft, die wir ganzjĂ€hrig fordern und leben wollen. Das heißt LGBTQIA+-Rechte, queere VisibilitĂ€t und Akzeptanz. Dies nehmen wir zum Anlass, aktuelle Debatten und Positionen der queeren Community auf dem SCHIRN MAG in den Fokus zu setzen.

CSD Frankfurt 2022