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Luca Vitone und die P2-Loge in Italien

Die Arbeit „Souvenir d’Italie (Fondamenti della Seconda Repubblica)“ von Luca Vitone enthĂŒllt die Mitglieder der italienischen Geheimloge P2.

Wenn die gesamte Mitgliederliste einer Geheimgesellschaft erst einmal an die Öffentlichkeit gelangt, ist das oberste Ziel der Gruppierung verfehlt. Luca Vitones Arbeit „Souvenir d’Italie (Fondamenti della Seconda Repubblica)“ offenbart in einer wandfĂŒllende Liste die 962 Mitgliedsnamen der Geheimloge P2 in Italien. AufgefĂŒhrt werden Titel, Vor- und Nachname, Wohnort und die Nummer der Mitglieder dieser in Italien so bedeutenden Freimaurerloge. Die Arbeit des 1964 in Genua geborenen KĂŒnstlers Luca Vitone zĂ€hlt zu den politisch brisantesten Werken der Ausstellung „Geheimgesellschaften“.

Die Organisation „Propaganda Due“ (P2) ist aus einer Freimaurerloge mit dem Namen „Propaganda Massonica“ hervorgegangen, die in Italien bereits seit 1887 bestand. In den 1970er-Jahren wurde die Freimaurerloge zu der Geheimorganisation P2 umfunktioniert, die sich aus wichtigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und MilitĂ€r zusammensetzte. Auch enge Verbindungen zur italienischen Mafia wurden Mitgliedern der Organisation nachgewiesen.

Unter der Nummer 625 findet sich das wohl populĂ€rste Mitglied der Organisation: der mehrfache italienische MinisterprĂ€sident Silvio Berlusconi. Die in den 1980er-Jahren bei Ermittlungen von der Polizei sichergestellte Mitgliederliste sorgte fĂŒr einen der grĂ¶ĂŸten Skandale in der Nachkriegsgeschichte Italiens. Berlusconi wurde spĂ€ter wegen Meineids verurteilt, weil er seine Mitgliedschaft bestritten, man aber im Laufe der Ermittlungen doch die Quittung fĂŒr seine Aufnahme in die Loge P2 gefunden hatte. Eine parlamentarische Untersuchungskommission kam zu dem Ergebnis, die Geheimorganisation habe das Ziel gehabt, die Regierung zu unterwandern und die Politik des Landes in ihrem Sinne zu gestalten und zu lenken.

Die von Vitone monumental inszenierte Namensliste mit den beeindruckenden Maßen von 500 x 600 cm ist ein ironisches Spiel mit Erinnerungskultur. Die Liste erinnert an eine gebrĂ€uchliche Form der Heldenverehrung, einem Ehrenmal fĂŒr gefallene Soldaten nicht unĂ€hnlich. Vitone setzt mit diesem Werk den Menschen ein Denkmal, die die Loge in den 60er- und 70er-Jahren gegrĂŒndet haben, und damit das politische Programm des Landes nachhaltig geprĂ€gt haben. Die Tatsache, dass die Mitglieder dieser Geheimloge einer breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht wurden, steht natĂŒrlicher Weise dem Interesse der Loge diametral entgegen. Mit dem Bekanntwerden der Loge und ihrer Mitglieder begann der Zerfall der Organisation – auch wenn inzwischen bereits eine P3-Loge zerschlagen wurde und vermutet wird, dass eine P4-Loge ihre FĂ€den im Hintergrund der politischen Landschaft Italiens spinnt.