DJ Paul Mond: „Mir geht es nicht darum, mein Ego zu befriedigen“
15.01.2026
6 min Lesezeit
Hip-Hop-Beats, die auf akustische Gitarrenklänge treffen: Damit wurde der DJ und Produzent Paul Mond bekannt. Inzwischen hat er sich ein vielseitiges musikalisches Universum geschaffen. Ein Besuch in seinem Frankfurter Wohnzimmerstudio.
„Ich hatte das Bedürfnis, etwas völlig Neues zu schaffen und wollte Dinge kombinieren, die eigentlich nicht zusammenpassen“
Paul Mond
Erste Schritte und Debut-EP
Seinen ersten Auftritt bestritt er als Headliner in einem ausverkauften Club in Stuttgart. Inzwischen ist er als DJ international gefragt und hat schon in Städten wie London, Amsterdam, Los Angeles und Jakarta aufgelegt. Meist reist er mit leichten Gepäck, braucht keine schweren Plattenkisten zu schleppen. Seine Musik trägt er auf einem USB-Stick mit sich. „Meine DJ-Sets sind meist ein wilder Ritt. Ich mag es, verschiedene Genres miteinander zu kombinieren, das Tempo zu verändern und auf diese Weise Spannung zu erzeugen“, sagt er. „Manchmal will ich aber auch genau das Gegenteil, dann ist ein Abend mit mir eine kontinuierliche, atmosphärische Reise.“ Seine Auftritte bestreitet er zu etwa gleichen Anteilen aus eigenen Tracks und fremdem Material.
2023 erschien seine Debut-EP „My Own Journey“, die ganz ohne fremde Samples auskommt. Regelmäßig veröffentlicht Mond auch von lateinamerikanischen Klängen inspirierte Musik unter dem Pseudonym Paulinho Mondi. „So hat mich mein brasilianischer Freund Tom, mit dem ich zusammen Musik gemacht habe, immer genannt“, erklärt er. Vor einigen Jahren verwandelte Mond den Daft Punk-Song „Robot Rock“ in eine Baile-Funk-Nummer von fast kindlicher Fröhlichkeit – und landete damit einen Hit. Nachdem die Rechte an dem verwendeten Sample geklärt waren, lud er seinen „Robot Funk“ auf Spotify hoch. „Zwei Wochen lang war er auf der Plattform der meistgehörte Song in Brasilien“, freut sich Mond. Bis heute wurde er rund 60 Millionen Mal gestreamt.
„Ich liebe es, ein musikalisches Universum zu erschaffen, das aus unterschiedlichen Facetten besteht“, sagt Mond. Vor rund einem Jahr hat er sich ein zweites Pseudonym zugelegt. Unter dem Alias „Pauly“ widmet er sich nun den Genres House, Elektro und Techno. „Ich hatte Lust auf etwas härtere, digitale Klänge und wollte noch einmal in einem ganz neuen Bereich durchstarten“, erklärt er. „Ich bin sehr freiheitsliebend und mache bislang alles ziemlich independent. Ich habe keine Plattenfirma und kein Manager, bloß einen Booking-Agenten.“ Auch um das Artwork kümmert er sich selbst. Seine Musik veröffentlicht er auf Plattformen wie Soundcloud und Bandcamp.
„Ich bin sehr freiheitsliebend und mache bislang alles ziemlich independent. Ich habe keine Plattenfirma und kein Manager, bloß einen Booking-Agenten.“
Paul Mond
Unabhängig und zielstrebig
Aufgewachsen ist Mond in einem kleinen bayrischen Dorf in der Nähe von Landshut. Er stammt aus einer musikalischen Familie. Seine Mutter ist Flötenlehrerin, sein Vater unterrichtet Gitarre. In seiner Jugend spielte Paul gleich in mehreren in Heavy-Metal-Bands. „Ich habe das damals volle Pulle betrieben und konnte mir gar nicht anderes vorstellen“, erinnert er sich. „Als Band hat man ja immer den Struggle, dass man sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen muss. Irgendwann wollte ich lieber mein eigenes Ding machen.“
Vor rund acht Jahren zog er ins Rhein-Main-Gebiet, um in Dieburg Musikproduktion zu studieren. Anders als an den Hochschulen in seiner Umgebung war das Studium dort kostenlos. „Damals hielt ich Dieburg für einen Vorort von Frankfurt“, sagt Mond und lacht. Schon während des Studiums meldete er ein Gewerbe an. „Wenn es um meine Musik ging, war ich schon immer sehr ehrgeizig. Es war mir von Anfang an wichtig, irgendwann einmal Geld damit zu verdienen.“ Er sagt aber auch: „Mir geht es nicht darum, mein Ego zu befriedigen, sondern um die Freude am Spielen.“
Als Produzent arbeitet Mond auch für andere Künstler*innen. Im Song „Nirvana“ des Rappers Bas zum Beispiel ist seine Gitarre zu hören. An der R&B-Nummer „Right Track“ der kalifornischen Sängerin Syd hat er mitgewirkt. Meist beschränkt sich die Zusammenarbeit auf das Verschicken von Sounddateien. Bei der Aufnahme des Songs „Görlitzer Park“ der Deutschrapper K.I.Z. saß Mond an der Seite des Hauptproduzenten Johannes Gehring in einem Münchner Studio. „Wir haben zusammen herumgebastelt. Ihm gefiel eine musikalische Idee von mir und er bat mich um die einzelnen Tonspuren. Die waren allerdings auf meinem alten Laptop und der war kaputt. Also konnten wir nur mit dieser einzelnen Spur arbeiten“, erzählt Mond eine Anekdote. „Am Ende hat trotzdem alles geklappt.“
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