DJ Paul Mond: „Mir geht es nicht darum, mein Ego zu befriedigen“

15.01.2026

6 min Lesezeit

Autor*in:
Markus Wölfelschneider

Hip-Hop-Beats, die auf akustische Gitarrenklänge treffen: Damit wurde der DJ und Produzent Paul Mond bekannt. Inzwischen hat er sich ein vielseitiges musikalisches Universum geschaffen. Ein Besuch in seinem Frankfurter Wohnzimmerstudio.

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Sein Nachname wird mit langem Vokal ausgesprochen, so wie der Himmelskörper. Passend für einen DJ, der berufsbedingt oft nachts unterwegs ist. Paul Mond empfängt uns in seiner Einzimmerwohnung in Bockenheim. Auf dem Bett liegt eine Akustikgitarre, an der Wand hängen Backstagepässe, auf dem Highboard wartet Mark Ronsons aktuelle Autobiografie „Night People“ darauf, gelesen zu werden. Auf dem Tisch neben dem Fenster türmt sich Studio-Equipment. Zwischen Laptop, Synthesizer und Effektgeräten liegt ein Notizbuch für Songideen bereit. „Frosch, Funk, Quark“ steht auf einer der Seiten geschrieben. „Da hatte ich die Idee, einen Frosch zu sampeln und daraus einen Baile-Funk-Track zu machen.“ Willkommen in der Welt von Paul Mond.

„Ich hatte das Bedürfnis, etwas völlig Neues zu schaffen und wollte Dinge kombinieren, die eigentlich nicht zusammenpassen“, erzählt er von den Anfängen seiner Karriere. Er schnappte sich A-Cappella-Versionen von bekannten Songs im Internet und legte Hip-Hop-Beats darunter. Dazu spielte er mit der Akustikgitarre Melodien ein, die ganz andere Akkorde hatten als die ursprünglichen Songs. Auf diese Weise entstanden höchst eigenwillige Remixe, die Mond „Flips“ nannte. „Ich habe Musik für die Tanzfläche produziert und im Netz hochgeladen, lange bevor ich selbst in Clubs gegangen bin und aufgelegt habe. Irgendwann haben mich Leute angefragt: Bist du DJ? Dann würden wir dich gerne buchen. Da habe ich mir gedacht: Okay, dann muss ich das jetzt lernen!“

„Ich hatte das Bedürfnis, etwas völlig Neues zu schaffen und wollte Dinge kombinieren, die eigentlich nicht zusammenpassen“

Paul Mond

Ein Mann mit Schnurrbart sitzt in einem Musikstudio, trägt ein schwarzes T-Shirt und hält einen Becher, Equipment steht dahinter.
Foto: Neven Allgeier
Szene eines Schreibtischs mit einer schwarzen Tasse, einem silbernen Behälter und einem Blasenspielzeug.
Foto: Neven Allgeier
Zwei Musikinstrumente und brasilianische Trikots auf einer Bettdecke.
Foto: Neven Allgeier

Erste Schritte und Debut-EP

Seinen ersten Auftritt bestritt er als Headliner in einem ausverkauften Club in Stuttgart. Inzwischen ist er als DJ international gefragt und hat schon in Städten wie London, Amsterdam, Los Angeles und Jakarta aufgelegt. Meist reist er mit leichten Gepäck, braucht keine schweren Plattenkisten zu schleppen. Seine Musik trägt er auf einem USB-Stick mit sich. „Meine DJ-Sets sind meist ein wilder Ritt. Ich mag es, verschiedene Genres miteinander zu kombinieren, das Tempo zu verändern und auf diese Weise Spannung zu erzeugen“, sagt er. „Manchmal will ich aber auch genau das Gegenteil, dann ist ein Abend mit mir eine kontinuierliche, atmosphärische Reise.“ Seine Auftritte bestreitet er zu etwa gleichen Anteilen aus eigenen Tracks und fremdem Material.

2023 erschien seine Debut-EP „My Own Journey“, die ganz ohne fremde Samples auskommt. Regelmäßig veröffentlicht Mond auch von lateinamerikanischen Klängen inspirierte Musik unter dem Pseudonym Paulinho Mondi. „So hat mich mein brasilianischer Freund Tom, mit dem ich zusammen Musik gemacht habe, immer genannt“, erklärt er. Vor einigen Jahren verwandelte Mond den Daft Punk-Song „Robot Rock“ in eine Baile-Funk-Nummer von fast kindlicher Fröhlichkeit – und landete damit einen Hit. Nachdem die Rechte an dem verwendeten Sample geklärt waren, lud er seinen „Robot Funk“ auf Spotify hoch. „Zwei Wochen lang war er auf der Plattform der meistgehörte Song in Brasilien“, freut sich Mond. Bis heute wurde er rund 60 Millionen Mal gestreamt.

„Ich liebe es, ein musikalisches Universum zu erschaffen, das aus unterschiedlichen Facetten besteht“, sagt Mond. Vor rund einem Jahr hat er sich ein zweites Pseudonym zugelegt. Unter dem Alias „Pauly“ widmet er sich nun den Genres House, Elektro und Techno. „Ich hatte Lust auf etwas härtere, digitale Klänge und wollte noch einmal in einem ganz neuen Bereich durchstarten“, erklärt er. „Ich bin sehr freiheitsliebend und mache bislang alles ziemlich independent. Ich habe keine Plattenfirma und kein Manager, bloß einen Booking-Agenten.“ Auch um das Artwork kümmert er sich selbst. Seine Musik veröffentlicht er auf Plattformen wie Soundcloud und Bandcamp.

Kühlschrank mit bunten Magneten: Souvenirs, Figuren und ein Gruppenfoto.
Foto: Neven Allgeier
Traditionelles Musikinstrument mit dreieckigem Korpus, auf einem Tisch in Fensternähe platziert.
Nahaufnahme eines blauen E-Basses mit pinkem Gurt vor weißem Hintergrund.

„Ich bin sehr freiheitsliebend und mache bislang alles ziemlich independent. Ich habe keine Plattenfirma und kein Manager, bloß einen Booking-Agenten.“

Paul Mond

Unabhängig und zielstrebig

Aufgewachsen ist Mond in einem kleinen bayrischen Dorf in der Nähe von Landshut. Er stammt aus einer musikalischen Familie. Seine Mutter ist Flötenlehrerin, sein Vater unterrichtet Gitarre. In seiner Jugend spielte Paul gleich in mehreren in Heavy-Metal-Bands. „Ich habe das damals volle Pulle betrieben und konnte mir gar nicht anderes vorstellen“, erinnert er sich. „Als Band hat man ja immer den Struggle, dass man sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen muss. Irgendwann wollte ich lieber mein eigenes Ding machen.“

Vor rund acht Jahren zog er ins Rhein-Main-Gebiet, um in Dieburg Musikproduktion zu studieren. Anders als an den Hochschulen in seiner Umgebung war das Studium dort kostenlos. „Damals hielt ich Dieburg für einen Vorort von Frankfurt“, sagt Mond und lacht. Schon während des Studiums meldete er ein Gewerbe an. „Wenn es um meine Musik ging, war ich schon immer sehr ehrgeizig. Es war mir von Anfang an wichtig, irgendwann einmal Geld damit zu verdienen.“ Er sagt aber auch: „Mir geht es nicht darum, mein Ego zu befriedigen, sondern um die Freude am Spielen.“

Als Produzent arbeitet Mond auch für andere Künstler*innen. Im Song „Nirvana“ des Rappers Bas zum Beispiel ist seine Gitarre zu hören. An der R&B-Nummer „Right Track“ der kalifornischen Sängerin Syd hat er mitgewirkt. Meist beschränkt sich die Zusammenarbeit auf das Verschicken von Sounddateien. Bei der Aufnahme des Songs „Görlitzer Park“ der Deutschrapper K.I.Z. saß Mond an der Seite des Hauptproduzenten Johannes Gehring in einem Münchner Studio. „Wir haben zusammen herumgebastelt. Ihm gefiel eine musikalische Idee von mir und er bat mich um die einzelnen Tonspuren. Die waren allerdings auf meinem alten Laptop und der war kaputt. Also konnten wir nur mit dieser einzelnen Spur arbeiten“, erzählt Mond eine Anekdote. „Am Ende hat trotzdem alles geklappt.“

Dekorative Wand-Sonnenschale mit zwei weiteren Schalen auf einer hellen Fläche.
Foto: Neven Allgeier
Junger Mann mit Bart in großem T-Shirt und Kapuze sitzt entspannt auf der Couch, im Hintergrund sind Kunstwerke.
Foto: Neven Allgeier
Eine gebrauchte akustische Gitarre liegt auf einem braunen Sofa.
Foto: Neven Allgeier
Buntes Kunstwerk mit dem Schriftzug "FLIP SEASON" auf grünem Hintergrund.
Foto: Neven Allgeier

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