„Analoge Fotografie ist längst keine Nische mehr“
23.09.2026
6 min Lesezeit
Auf 220 Quadratmetern im Frankfurter Sandweg betreiben Sara Ellinger und Sebastian Schramm das On Film Lab. Fotograf*innen aus ganz Deutschland lassen hier ihre Filme entwickeln. Der Ort ist Labor, Kamerashop, Ausstellungsraum und Treffpunkt der Community in einem.
„Ich habe erst hier im Lab meine Freude und Leidenschaft für die Fotografie wiederentdeckt.“
Sebastian Schramm, On Film Lab
Adé Fremdbestimmung! Von ersten Kunden und Ausstellungen
Ellinger und Schramm haben Kommunikationsdesign studiert. Ellinger mit Schwerpunkt Typografie in Mainz. Schramm mit Schwerpunkt Fotografie in Darmstadt. Später gründete er eine Agentur für Fotografie und Markenkonzeption. „Dort habe ich eher fremdbestimmt fotografiert. Stil und Format waren von den Auftraggeber*innen vorgeschrieben. Das war ein nicht sehr inspirierendes Puzzlespiel. Ich habe erst hier im Lab meine Freude und Leidenschaft für die Fotografie wiederentdeckt.“ Ellinger arbeitete nach ihrem Studium als selbständige Grafikdesignerin für verschiedene Agenturen. „Nach der Geburt unserer ersten Tochter wollte ich beruflich nicht mehr dort weitermachen, wo ich aufgehört hatte. Ich war auf der Suche nach etwas Neuem.“
Während der Elternzeit begann sie zu recherchieren. „Ich habe unzählige Youtube-Videos geschaut, um zu sehen, wie andere Labore arbeiten“, erzählt sie. Ellinger entdeckte viele nützliche Geräte – zum Beispiel eine Dunkelbox, in der Mittelformatfilme unkompliziert in Kartuschen umgespult werden, bevor sie in die Entwicklungsmaschine kommen. Außerdem galt es, wichtige Fragen zu klären. Etwa: Wo entsorge ich die Altchemie? „Wenn ich zurückblicke, war das ein riesiger Aufwand. Zum Glück sind wir mit einer gewissen Naivität an die Sache gegangen. Das hat es leichter gemacht.“ Ellinger kann sich noch gut an ihren allerersten Kunden erinnern. Er hatte die Auftragsnummer 0001. „Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht, dass er bald wieder etwas bei uns bestellen könnte und dann womöglich die Nummer 0002 auf seiner Rechnung liest. Womit schwarz auf weiß bewiesen wäre, dass unser Laden überhaupt nicht gut läuft. Wir haben deshalb sogar überlegt, unser Rechnungssystem zu ändern.“ Ellingers Angst war unbegründet. Seit Gründung des Labs gingen weit über 35000 Aufträge über den Tresen.
Wir sitzen an einem großen Tisch in der Küche, der manchmal auch für Events genutzt wird. Hier trifft sich zum Beispiel der Fotobuchklub, um über Neuerscheinungen zu diskutieren. Hin und wieder finden Filmabende, Fotowalks und Workshops statt. Schramm hat in letzter Zeit viel mit Großbildkameras experimentiert. Zu diesem Thema soll es demnächst einen Workshop geben. Schramm und Ellinger fotografieren mit großer Begeisterung und bringen gelegentlich im Eigenverlag Bildbände heraus. Im On Film Lab wollen sie einmal pro Jahr eine Ausstellung auf die Beine stellen. Den Auftakt machte im Februar die Wiesbadener Fotografin Josefine Rauch. „Mit dem Kamerashop und den Workshops wollen wir in Zukunft noch etwas mehr Gas geben“, sagt Ellinger. „Das Geld, das wir damit verdienen, können wir dann in die Ausstellungen stecken.“
„Das Geld, das wir mit dem Kamerashop und den Workshops verdienen, können wir dann in die Ausstellungen stecken.“
Sara Ellinger, On Film Lab
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