Not your Doll
04.11.2026
7 min Lesezeit
Die Surrealistinnen definierten mit ihren Werken neue weibliche Rollen – und widersetzten sich damit aktiv dem Bild der Frau als Muse, Traumwesen und passives Objekt.
Leonor Fini stellt die Geschlechterrollen vollends auf den Kopf
Leonor Fini stellt die Geschlechterrollen vollends auf den Kopf. Die Künstlerin malte traumähnliche erotische Szenarien mit männlichen Akten. Fini zeigt diese in anmutigen, aber auch verletzlichen Posen, in denen wir sonst vor allem Frau sehen: schlafend, auf dem Rücken liegend, die Beine angewinkelt, so dass der Schritt entblößt, oder gerade eben bedeckt wird von weichen, Falten schlagenden Stoffen. Über die jungen, androgynen Körper wacht oft eine Frau. Mal ist es die Künstlerin selbst, mal ist es ein Mischwesen, halb Frau, halb Fabelwesen, wie in „Divinité Chtonienne guettant le sommeil d’un jeune homme“ (1946). In „Dans la tour“ (1952) weist eine der Künstlerin ähnelnde Frau einem jungen Mann den Weg. Während sie in ein schwarzes Kleid gehüllt ist, wird der Körper des Mannes nur teilweise von dem roten Stoff bedeckt, der ihm über die Schultern hängt. Durch eine Öffnung in der Wand fällt helles Licht, „Da entlang“, sagt der zeigende Finger und der entschlossene Blick der Frau. Ein symbolträchtiges Bild für Fini und ihre fantastischen Zeitgenossinnen.
(Dieser Text erschien erstmals am 03.03.2020 im Rahmen der Ausstellung „Fantastische Frauen. Surrealen Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo“)
