5 Gründe, THE WORLD THROUGH AI zu sehen
15.05.2026
4 min Lesezeit
Künstliche Intelligenz (KI) – Chancen-Bringer, Manipulator, Klimakiller? Mit diesen Fragen und noch viel mehr setzt sich die große Sommerausstellung „The World Through AI“ ab dem 10. Juni in der SCHIRN auseinander. Aus diesen 5 Gründen lohnt sich der Besuch.
1
Brandaktuell: Kunst in kritischer Beschäftigung mit KI
„The World Through AI“ versammelt 25 Künstler*innen, die sich in Form von Videoinstallationen, Grafiken, Skulpturen und Fotografien mit KI auseinandersetzen. Mit einem Fokus auf Kunstwerke aus den letzten zehn Jahren, künstlerischen Neuproduktionen und Ausstellungskapiteln, die sich mit den Verschränkungen von KI, politischer Propaganda und Macht befassen, bildet die Ausstellung ein umfassendes und hochaktuelles Bild des internationalen KI-Diskurses ab. Von Mikroarbeit, über die Etablierung alternativer Geschichtsschreibungen bis hin zu möglichen Zukunftsvisionen – das Themenspektrum ist breit!
2
Harte Realität statt weicher Cloud
Während digitale Anwendungen und Smartphones KI inzwischen standartmäßig implementiert haben, wissen wir von den riesigen Infrastrukturen und Datenzentren, dem Ressourcenverbrauch und den kleinteiligen Arbeitsprozessen dahinter meist wenig. Statt weicher, schwereloser Cloud, massive Materialität – die nicht nur auf unsere Umwelt einen erheblichen Einfluss hat. Die harte Realität, die sich hinter den vermeintlich körperlosen Clouds und KIs verbirgt, zeigen Arbeiten von Hito Steyerl, Kate Crawford & Vladan Joler, Julian Charrière, and Timo Arnall.
3
All Eyes on Slopaganda
Ein besonderer Fokus der Ausstellung gilt AI Slop und Slopaganda. KI verändert die visuelle Kultur und Politik rasant und tiefgreifend. Sogenannter AI Slop – billig massenproduzierter synthetischer Content – überschwemmt die sozialen Medien: KI-generierte Memes sind zu einer neuen Form politischer Propaganda geworden, die von offiziellen Regierungskonten verbreitet wird, und gefälschte historische Dokumente sind zunehmend kaum noch von authentischen Archivquellen zu unterscheiden. Eigens für die Ausstellung untersuchen Occitane Lacurie und Barnabé Sauvage in ihrer Multimedia-Installation „Holy Slop: A Generative Atlas of Slopaganda in Palestine“ (2025) diese Form der viralen Propaganda am Beispiel des KI-generierten Videos „Trump Gaza“.
Doch nicht nur künstlerische Neuproduktionen, auch das Symposium „AI POLITICS: SLOP AND SLOPAGANDA“ widmet sich am 11. Juni dem Thema: Welche Rolle können künstlerische Praxis und kritische Forschung in diesem neuen politischen Kontext spielen?
4
KI dekolonial gedacht
KI basiert auf menschlichen Daten, Vorurteilen und bestehenden Machtstrukturen. Sie reproduziert dadurch häufig soziale, rassistische oder genderbezogene Diskriminierung und ist nicht neutral, sondern ganz schön politisch!
Künstler*innen wie Nouf Aljowaysir und Nora Al-Badri zeigen in ihrer Arbeit, wie eng digitale Technologien mit Geschichte, Erinnerung und kultureller Verantwortung verbunden sind. So stellen westlich geprägte KI-Systeme andere Kulturen verzerrt dar oder machen sie gar unsichtbar. Gleichzeitig eröffnen sie neue Perspektiven darauf, wie KI dekolonial gedacht werden kann. Historische Kolonialarchive treffen auf aktuelle KI-Bilder und zeigen, wie sehr Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben sind.
5
Wahrheit oder Täuschung?
Gleich mehrere Werke, darunter „Cinéma vivant“ (Living Cinema) von Erik Bullot, zeigen, wie KI unsere Vorstellung von Wahrheit verändert – etwa durch fotorealistische Deepfakes oder gänzlich KI-generierte Bilder, die kaum noch von echten Fotografien zu unterscheiden sind. „The World Through AI“ ist damit eine Ausstellung über Technologie, und mehr noch eine Schau über die Zukunft menschlicher Wahrnehmung, Erinnerung und Intelligenz. Die perfekte Gelegenheit, seine eigene Beziehung zu Technologie zu hinterfragen.