Double Feature

Das Double Feature versteht sich als Plattform für verschiedene Strömungen und Ausdrucksformen der Film- und Videokunstproduktion. Seit mehr als acht Jahren lädt die SCHIRN nationale und internationale Film- und Videokünstlerinnen und -künstler ein, ein Werk aus ihrem eigenen Schaffen zu präsentieren, gefolgt von einem Film ihrer Wahl. In der SCHIRN wurden bereits Filme und Videoarbeiten von über 60 Künstlern und Künstlerinnen gezeigt. Die Videos und Gespräche mit den bisher beteiligten Künstlern sind über den YouTube-Kanal der SCHIRN unter dem Titel "Video Art" abrufbar. Auch das SCHIRN MAGAZIN liefert regelmäßig diskursive Beiträge mit redaktionellem Schwerpunkt Videokunst zur Double Feature-Reihe.

Philipp Gufler, Lana Kaiser, 2020, Filmstill © Philipp Gufler

Double Feature versteht sich als Plattform für ganz unterschiedliche Tendenzen und Ausdrucksformen der künstlerischen Filmproduktion

DEMNÄCHST:

JOVANA REISINGER

Die Autorin, Regisseurin und Künstlerin Jovana Reisinger hebt in ihren Arbeiten festgefahrene Verhaltensweisen, marktgesteuerte Entscheidungen und Identifikationen hervor, die durch Stereotype gebildet werden. Konsum, Geschlechterrollen und Schönheitsstandards in einer Leistungsgesellschaft nimmt die Künstlerin mit ihrer spezifischen Filmsprache sowohl kritisch als auch humorvoll in den Blick. In der SCHIRN präsentiert Reisinger ihren jüngsten Film "Unterwegs im Namen der Kaiserin. Prequel" (2022, 17 Min.), in dem sie drei hippe junge Menschen in die Berge schickt. Romy, Karlheinz und Magda-Gustav, benannt nach Schauspielerinnen und Schauspielern der bekannten Sissi-Triologie, begeben sich unter dem Motto „Forever young –egal wie!“ auf die Suche nach dem legendären Jungbrunnen, in dem bereits Kaiserin Sissi und König Ludwig II. gebadet haben sollen. Reisinger führt mit der Videoarbeit nicht nur die mit dem Heimatfilm verbundenen Klischees vor, sondern widmet sich auch dem Lebensgefühl einer Generation zwischen Jugendwahn, schicker Outdoor-Kleidungund Instagram

Jovana Reisinger, Unterwegs im Namen der Kaiserin. Prequel, 2022, Filmstill © Jovana Reisinger

PHILIPP GUFLER

Philipp Gufler hinterfragt in seinen multimedialen Arbeiten die Machtstrukturen von Heteronormativität. Immer wieder greift der Künstler dabei auf selbst-organisierte Archive zurück und rückt Persönlichkeiten der jüngsten Vergangenheit in das Zentrum seines Schaffens. Oft schlüpft er auch selbst in die Rolle dieser Personen und kreiert dadurch eine neue Narration. Im Double Feature stellt Gufler seine Videoarbeit "Lana Kaiser" (2020, 13 Min.) vor. Sie widmet sich dem als Daniel Küblböck populär gewordenen Medienstar der 00er-Jahre. Lana Kaiser, so der selbst gewählte Name Küblböcks, war als queere Person für ihre Fans eine essentielle Identifikationsfigur. Lana Kaiser verschwand 2018 auf einer Schiffsreise nach Nordamerika. Philipp Guflers Kurzfilm kann als Hommage verstanden werden, eröffnet aber zugleich einen komplexen Diskurs über den kontroversen Umgang der deutschen Medienlandschaft mit der Darstellung von Queerness als „Otherness“

Philipp Gufler, Lana Kaiser, 2020, Filmstill © Philipp Gufler

RÜCKBLICK:

JAMES GREGORY ATKINSON

James Gregory Atkinson reagiert mit seinen multimedialen Arbeiten auf die extreme Unvollständigkeit offizieller Archive in Bezug auf Schwarze Menschen, ihren Erzählungen und Kulturen. Dafür greift er auf die Geschichte von queeren und Schwarzen Menschen zurück und bringt diese in einen Dialog mit gegenwärtigen Verhältnissen. In der SCHIRN zeigt der Künstler zwei Videoarbeiten, die sich auf Detroit beziehen. Setting von "The Day I Stopped Kissing my Father" (2019, 3:54Min.) ist die Detroit Public Library und ihre große Halle, deren Wandbilder die amerikanische Geschichteunter Ausschluss Schwarzer Menschen zeigt. Atkinson lässt einen jungen schwarzen Hahn als Symbol für Sexualität, Begehren und Angst durch die Halle laufen. Seine Jugendlichkeit spielt auf Erkenntnisse über normative Vorstellungen von Männlichkeit und Patriarchat an. Mit dem fortlaufenden Projekt "Detroit Archive" (2019-heute) geht Atkinson der Idee des Körpers als Archiv nach. Mitglieder der Detroiter Ballroom-Szene stellen ihm Videos zur Verfügung, mit denen er ein Archiv für die Community aufbaut. Ihre Performances sind Form nonverbaler Kommunikation und gestischer Selbstdarstellung, deren Sichtbarkeit durch die Sammlung dokumentiert wird.

James Gregory Atkinson, Detroit Archive, 2019 (Film Still) © James Gregory Atkinson

BANI ABIDI

Bani Abidi ist bekannt für ihre unverwechselbare Filmästhetik, die von subtilem Humor und den dunklen Absurditäten des Alltags geprägt ist. Ihr Film "The Distance from Here" (2009) handelt von der Beantragung einer Reiseerlaubnis, dem bürokratischen Prozedere und dem nervösen Warten auf das Visum. Abidi inszeniert dafür eine anonyme Menschenmenge ähnlich einem absurden Theater an einem nicht definierten Ort. Scheinbar nur einer Formalie folgend erlangt das Warten für das Individuum eine existentielle Dimension, die über den Fortgang des Lebens entscheidet.

Bani Abidi, The Distance From Here, 2009 (Filmstill), © Bani Abidi