09. August 2017

Falls Sie gerade in der Gegend sind: Hier sind die Adressen von Künstlern vergangener, aktueller und kommender SCHIRN-Ausstellungen. Das SCHIRN MAG wünscht gute Reise!

Von Katharina Cichosch

GEORGIA O’KEEFFE

Wer Georgia O’Keeffes Anwesen in der Weite New Mexicos besichtigt, befindet sich in bester Gesellschaft: Zu ihren Lebzeiten wurde die amerikanische Malerin unter anderem von Beat-Poet Allen Ginsberg und Fotograf Ansel Adams, von der Sängerin Joni Mitchell und von den Lindberghs, den berühmten Flugpionieren, besucht. Als O’Keeffe aus der Enge von Ehe und damals so puritanischer Ostküste in die Wüste floh, war das weitläufige Grundstück im spanischen Kolonialstil komplett verfallen. Sie machte ein modernes Wohnhaus mit Atelier und Garten draus und ließ viel Licht und Luft herein. Die Ausblicke in die unendlich scheinende Landschaft mit ihren Fundstücken inspirierten manches Motiv. Jene Malereien aus der Letzte Bilder-Ausstellung in der SCHIRN allerdings haben ihren Ursprung ausgerechnet nicht in New Mexico: Sie zeigen Wolkenformationen beim Blick aus dem Flugzeugfenster auf Georgia O’Keeffes erster Weltreise – die Malerin war da gerade 80. Wer sich ohnehin in der Gegend befindet: 85 Kilometer südlich liegt Santa Fé, das der Malerin ein ganzes Museum gewidmet hat.

Abiquiú, New Mexico, Image: Google Maps, 2017

JOAN MIRÓ

Der große spanische Maler hat schon zu Lebzeiten geplant und gebaut: So war er aktiv an der Gestaltung der nach ihm benannten Stiftung beteiligt, die unter anderem eine große Gemäldesammlung auf einem Hügel des Parc de Montjuïc im katalanischen Barcelona umfasst. Joan Mirós Wahlheimat aber wurde Mallorca: Auf der Baleareninsel kann man bis heute seine ehemaligen Atelierräume besichtigen, die wiederum über mehrere Bauten verteilt liegen – im modernen Sert-Studio fällt heute wie damals das Licht auf die Staffeleien, und die Wände des mallorquinischen Bauernhauses Son Boter geben Zeichnungen und Kritzeleien des Malers preis.

Palma, Spanien, Image: Google Maps, 2017

JEAN-MICHEL BASQUIAT

Von 1983 bis zu seinem Tod im Jahr 1988 hat der amerikanische Maler in seinem Loft im New Yorker Stadtteil NoHo gelebt und gearbeitet – einem ehemaligen Stall, der einst Freund und Förderer Andy Warhol gehörte. Erst 2016 wurde eine Plakette eingeweiht, die Passanten auf den ehemaligen Bewohner hinweist: Neben der Greenwich Village Society for Historical Preservation sponserte auch das New Yorker Fast Food-Urgestein „Two Boots Pizza“ für die Bronzetafel. Atelier und Wohnung gibt es nicht mehr, aber der örtliche Wohnkomplex mit neuen Luxus-Apartments hat sich die Legende vom jungen Wilden (der 2018 mit einer großen Retrospektive in der SCHIRN gezeigt wird) gern als Marketingcoup zu Eigen gemacht: In einer Galerie im Obergeschoss der Anlage werden Bilder von Basquiat und Warhol aus jener Zeit gezeigt, in der sich auch Künstler noch die Gegend leisten konnten.

New York City, USA, Image: Google Maps, 2017

RENÉ MAGRITTE

Vom Wohnzimmer bis zum umfunktionierten Küchen-Atelier ist in dieser Wohnung alles so, als sei der Künstler nur eben gerade Milch holen gegangen. Marketing und PR spielen für das René Magritte Museum, ganz im Gegensatz zum sehr ähnlich lautenden Pendant in der Brüsseler Innenstadt, offenbar keine große Rolle – mit etwas Glück hat man das komplette Haus mit zugehöriger Ausstellung daher ganz für sich allein.

Brüssel, Belgien, Image: Google Maps, 2017

CLAUDE MONET

2013 zeigte die SCHIRN Claude Monets letzte Bilder. Das reale Pendant und mögliche Vorbild jener Motive, darunter die berühmten Seerosen, finden sich im französischen Giverny. Hier hat der impressionistische Maler 34 Jahre lang gelebt und gearbeitet: Ein Landhaus mit weiß-rosé getünchter Fassade, gesäumt von blühenden Pergolas, Blumen, Tümpel und Grün im Überfluss. Ein solch romantisches Refugium eines französischen Nationalstars muss man, naturgemäß, mit der ein oder anderen Besuchergruppe teilen.

Giverny, Frankreich, Image: Google Maps, 2017

GUSTAF NAGEL

Der Wanderprediger und je nach Gusto Lebens- oder Gartenbaukünstler hat seiner Vorstellung vom richtigen Leben einst in einem eklektisch zusammengestellten Anwesen aus Beton und Muschelkalk Ausdruck verliehen (der Kenner nennt das organische Kleinarchitektur). Nagels Kneippbad im Grünen vermengte das gerade aufkommende Gesundheitsbewusstsein seiner Zeit mit christlich angehauchter Esoterik und eigenwilligem Gestaltungswillen. Bis heute erhalten ist die sogenannte Kurhalle, die auf einer leichten Anhöhe durch eine Pforte erklommen wird. Die meisten Bauten sind allerdings gar nicht mehr oder nur noch in Überresten vorhanden. Zum ursprünglichen Areal gehörten außerdem eine Gedenknische für Nagels Mutter, der Seetempel mit der Tempelgrotte, Brausebad, Taubenschlag, allerlei Gerätschaft zur körperlichen Ertüchtigung und sogar ein Billardtisch.

Arendsee, Sachsen-Anhalt, Image: Google Maps, 2017

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