Im kleinen Ausstellungsraum Becker im idyllischen Frankfurter Stadtteil Oberrad ist derzeit die Ausstellung âCutting Back to look betterâ von Line Krom zu sehen. Die Frankfurter KĂŒnstlerin studierte am Wimbledon College of Art in London, an der UniversitĂ€t der KĂŒnste in Berlin und an der Frankfurter Goethe-UniversitĂ€t, ihre Arbeiten wurden bereits in New York, London und Los Angeles gezeigt.
Ausgangs- und Angelpunkt ihrer Ausstellung âCutting Back to look betterâ sind Ăberlegungen zum Sparen im Kunstbetrieb: âMich interessiert, welche Auswirkungen gegenwĂ€rtige soziale und wirtschaftliche Bedingungen auf die Ăsthetik haben, beziehungsweise wie sie sich Ă€sthetisch manifestieren.â Die Ausstellung in Frankfurt ist Auftakt fĂŒr eine Ă€sthetische Forschung mit dem Arbeitstitel âMetric as Souvereignâ, die in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen ProjektrĂ€umen stattfinden wird.
BeflĂŒgelt Sparen etwa die KreativitĂ€t?
Line Krom untersucht, welche Auswirkungen budgetĂ€re SparmaĂnahmen auf die TrĂ€gerstrukturen von Kunst haben. Experimentell sollen verschiedene Fragen durchdekliniert werden, etwa: âFĂŒhrt Sparen zum Verlust von Freiheit oder gerade zu einem Aushandeln neuer FreirĂ€ume?â
Der Ausstellungsraum Becker: Ein Raum, etwa doppelt so groĂ wie eine Telefonzelle, erinnert Ă€sthetisch an die glĂ€sernen Schaufenster der 1950er- und 1960er-Jahre, wie sie manche der Galerien in der Frankfurter Innenstadt noch haben. Ralf Becker, der Betreiber dieses Offspace, Kunstliebhaber und gelernter Schreiner, baute ihn sich in die eigene Wohnung, um seine erworbenen Kunstwerke in einem angemessenen Rahmen betrachten zu können. Im GesprĂ€ch mit befreundeten KĂŒnstlern entstand schlieĂlich die Idee, diesen Raum auch anderen zu öffnen und so fand dort im Februar 2013 die erste Ausstellung statt. Ein unmittelbarer, direkter Umgang mit Kunst und Ăsthetik stehen im Mittelpunkt des kleinen, privaten Salons, in dem Ralf Becker zwei Ausstellungen pro Jahr realisiert.
Kann Sparen Àsthetisch sein?
Die Schau âCutting Back to look betterâ nimmt Keilrahmen, wie man sie gĂŒnstig im FachgeschĂ€ft kaufen kann, zum Ausgangspunkt. Keilrahmen dienen dazu, LeinwĂ€nde aufzuspannen auf denen GemĂ€lde gemalt werden. Somit sind sie TrĂ€germaterial der Kunst und stehen symbolhaft fĂŒr die Rahmenbedingungen â die TrĂ€ger, Menschen, Institutionen und Orte â, die Kunst ĂŒberhaupt erst ermöglichen.
Was geschieht nun, wenn gespart wird? Die KĂŒnstlerin gab als Sparziel 75 % an. Ein Schreiner â Ausstellungsmacher Ralf Becker selbst, den Krom kurzerhand als Aktivisten gewann â setzte die vorgegebene SparmaĂnahme um. Zwischen 25 und 73 % der Rahmen wurden weggehobelt. Je mehr also gespart wurde, desto mehr SpĂ€ne wurden freigesetzt. Gezeigt werden nun die unterschiedlich geformten SpĂ€ne, mithin die Opfer des Rotstifts, nicht die bearbeiteten Rahmen selbst, ĂŒber die Krom eine Leinwand gespannt hat. Ein Keilrahmen im Originalzustand hĂ€ngt zudem im Galerieraum und stellt lautlos die Frage, was Ă€sthetisch nun eigentlich interessanter ist.
Frankfurter Salonkultur
Jeden Montag ab 20 Uhr ist die Ausstellung geöffnet (bei telefonischer Anmeldung auch zu anderen Zeiten), ab 20:30 Uhr findet eine GesprĂ€chsreihe statt, in der die KĂŒnstlerin Frankfurter Kunstraumbetreiber(innen) befragt, ob und wie sich das Sparen ganz konkret auf ihre Arbeit und die Kunst auswirkt. Den Auftakt der GesprĂ€chsreihe machte Ralf Becker selber, dann war Dr. Carsten Siebert, Kurator des Kunstraum Riedbergs zu Gast. Es folgen unter anderen Harald EtzemĂŒller vom Ausstellungsraum Eulengasse und Cornelia Kube-Druener und Wolfgang Klee vom Kulturraum Klosterpresse.
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