Magritte ist uns so vertraut wie uns seine irritierenden Bilder unvertraut sind. Seine ungewöhnlichen Bildideen sind heute so verbreitet, dass man Zitate davon als Re-enactment in Modemagazinen ebenso findet wie einzelne Motive auf Tassen, Schirmen oder Kissen. Im Gegensatz allerdings zu dieser wahnsinnigen PrĂ€senz, die auch auf Heften und KalenderblĂ€ttern gerne zu finden ist, sind gröĂere Ausstellungen, die viele seiner Werke versammeln, eine absolute RaritĂ€t. Kein Wunder, zĂ€hlen sie doch zu den gefragtesten und begehrtesten, das die Museumswelt zu bieten hat. Das Zusammentragen von Leihgaben kann da leicht zu einer echten Syssiphusarbeit werden.
So ist es kaum zu glauben, aber tatsĂ€chlich zwanzig lange Jahre her, dass Magritte in gröĂerem Rahmen in Deutschland zu sehen war â damals in der Kunstsammlung NRW in DĂŒsseldorf im Dialog mit KonzeptkĂŒnstlern wie Brodthaers, Sturtevant, Bloom, Kosuth und Gober. In der SCHIRN hatten wir allerdings auch schon einmal die Ehre: 2008 haben wir Magrittes âperiode vacheâ ausgestellt, die Bilder, die er in bad painting-Manier malte, um die âhochnĂ€sigenâ Pariser Surrealisten um AndrĂ© Breton zu provozieren. Das waren insofern fĂŒr Magritte ungewöhnliche Bilder, auf den Magrittâschen, den typischen Magritte mussten wir nochmal zehn Jahre warten.
In Bildern denken
Diesen typischen Magritte werden wir bald in Frankfurt besichtigen können, diesmal allerdings erneut unter einer Fragestellung, die uns unerwartete Aspekte aufzeigt.  âMagritte arbeitete sein Leben lang daran, der Malerei die gleiche Bedeutung zu geben wie Worten. Er wollte zeigen, dass man in Bildern denken kannâ, formuliert es der Kurator Didier Ottinger, der die Themenausstellung âMagritte. Der Verrat der Bilderâ fĂŒr das Centre Pompidou konzipiert hat. In abgewandelter Form, werden wir diese Ausstellung im Februar in die SCHIRN bringen.
Ceci nâest pas un retroÂsÂpecÂtive
Sie zeigt ihn als KĂŒnstler des âSurrealismus unter der prallen Sonneâ, der weniger den erwartbaren Methoden des Surrealismus wie dem Traum und dem Zufall unterworfen ist. Und das helle Tageslicht beleuchtet den RenĂ© Magritte als Denker, der im Dialog mit Philosophen stand, mit denen er die Problemstellungen seiner Kunst erörterte. Unter ihnen war kein geringerer als der groĂe französische Poststrukturalist Michel Foucault. Nach einer Briefwechsel mit Magritte verfasste er die Schrift âCeci nâest pas une pipe - Dies ist keine Pfeifeâ.
Das ist keine Restrospektive
Die Magritte-Ausstellung im Centre Pompidou wurde nun eröffnet. Gewartet hatten wir tatsĂ€chlich lange, nun dauert es nur noch bis Februar bis die Arbeiten auch in Frankfurt zu sehen sein werden. In den Medien kann man jetzt schon getreu dem Magrittâschen Dictum âCeci nâest pas une pipeâ â âDies ist keine Pfeifeâ nachlesen: âCeci nâest pas un surrealistâ oder auch âCeci nâest pas un retrospectiveâ.
