Vom Atelier an den Esstisch: Ólafur Elíasson
18.12.2020
7 min Lesezeit
Sind Künstlerinnen und Künstler besonders kreativ, wenn es ums Kochen geht? Ein Blick in die Küchen der Kunstwelt. Diesmal mit Ólafur Elíasson und dem leckersten Butterbrot der Welt.
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Alice Waters, Köchin und Mitgründerin des berühmten kalifornischen Slow-Food-Restaurants Chez Panisse, hat die enge Verbindung zwischen Kunst und Kochen auf den Punkt gebracht: „…sie sind beide reaktiv und kreativ, sie imitieren sich gegenseitig und passen sich einander an.“ Existiert demnach eine Verbindung zwischen dem, was in den Ateliers von Künstler*innen passiert, und dem, was in ihren jeweiligen Küchen vor sich geht? Finden sich Bezüge zu ihrem Werk und ihrer Persönlichkeit wieder? Sind Künstler*innen besonders kreativ, wenn es um den alltäglichen Akt des Kochens geht? Anhand von Anekdoten und Fotos rund um ihre Küchen und Essgewohnheiten geben wir Einblicke in die kulinarischen Lebenswelten bekannter Künstler*innen.
Wer auf das Dach des vierstöckigen Studios von Ólafur Elíasson im Berliner Prenzlauer Berg steigt – 5.000 Quadratmeter in einem ehemaligen Brauereigebäude – wird dort auf einen Gemüse- und Kräutergarten stoßen, in dem je nach Saison Bohnen, Fenchel, Kürbisse oder Karotten wachsen. Dort, wo wir simple Gemüsebeete sehen, sieht der dänisch-isländische Künstler noch sehr viel mehr: Eine nachwachsende Solaranlage, die essbare Energie für sich und sein Team produziert. Jeder Salatkopf ist eine kleine Batterie, die so lange Sonne speichert, bis sie geerntet und verspeist wird.
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Serviert wird die gebündelte Sonnenenergie zwei Stockwerke weiter unten, in der geräumigen Kantine des Ateliers, dessen Herzstück eine frei stehende, verglaste Küche ist. An vier Tagen die Woche kocht dort ein fünfköpfiges Frauenteam für die rund hundert Mitarbeiter ein vegetarisches Menü mit saisonalen Bio-Zutaten aus der Region. Um punkt ein Uhr mittags strömen Ingenieur*innen, Kunsthistoriker*innen, Programmierer*innen, Architekt*innen, Handwerker*innen und Künstler*innen – so vielfältig und multidisziplinär sind Elíassons Projekte – aus allen Ecken des Gebäudes in die Kantine, setzen sich an die langen schwarzen Tische und essen zu Mittag. Die Kosten dafür übernimmt der Chef, als Geste der Dankbarkeit und um seinen Mitarbeitern einen Ort des informellen Austauschs zu bieten. Ein praktischer Nebeneffekt: Wer täglich die frische, gesunde Kost der Studioküche isst, hat ein stärkeres Immunsystem und wird seltener krank.
Obwohl das Kochteam in einem Glaskasten sitzt, ist es keinesfalls abgenabelt vom Rest des Ateliers. Die Köchinnen kommen aus den Bereichen Tanz, Theater, Film und Bildende Kunst, und ihre Arbeit geht weit darüber hinaus, für satte Mitarbeiter*innen zu sorgen. Sie experimentieren mit neuen Zubereitungsformen, organisieren Workshops zu Themen wie Fermentation oder Mikroorganismen, gehen auf Recherchetrips – zum Beispiel zum „Potager du Roi“, ein experimenteller Garten im Palais de Versailles – und arbeiten eng mit anderen Teams zusammen. Für das hauseigene „Sustainability Research Lab“ verwandelten sie Küchenabfälle wie Lauchblätter oder Zwiebelschalen durch Dehydratation in Pigmente, mit denen anschließend Farbproben für zukünftige Aquarellmalereien hergestellt wurden.
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