Vom Atelier an den Esstisch: Frida Kahlo
13.04.2020
6 min Lesezeit
Sind Künstlerinnen und Künstler besonders kreativ, wenn es ums Kochen geht? Ein Blick in die Küchen der Kunstwelt. Diesmal mit Frida Kahlo und ihren mexikanischen Fiestas im blauen Haus.
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Der Akt des Tischdeckens diente Kahlo als Spielwiese für Experimente in Farbe und Form: Aufwendige Blumenarrangements, oft frisch gepflückt aus ihrem Garten, farblich abgestimmtes Geschirr und Kompositionen mit Obst und Gemüse bildeten zusammen mit einer Vielzahl verschiedener Speisen ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk.
Im Kontext der Ehe mit Diego Rivera spielte das Kulinarische ebenfalls eine wichtige Rolle – sinnbildlich hängte die Künstlerin Dutzende winziger Tonkrüge über den Herd, die im Ensemble die Namen „Frida“ und „Diego“ bilden, begleitet von zwei Tauben, die ein verknotetes Liebesband im Schnabel halten. In einer von Unkonventionalität geprägten Partnerschaft adoptierte Kahlo hier ein eher traditionelles Rollenbild: Sie übernahm die komplette Organisation der Familienmahlzeiten, kochte für Diego „Mole Poblano“ – ein komplexes Rezept mit über zwanzig Zutaten, angeblich sein Lieblingsgericht und unfehlbares Mittel gegen seine Stimmungsschwankungen – und brachte ihm das Mittagessen in einem reich befüllten und aufwendig dekorierten Korb vorbei, wenn er außer Haus arbeitete.
Für das umfangreiche soziale Netzwerk, das Kahlo kultivierte, war das Esszimmer im Blauen Haus eine zentrale Anlaufstelle. In den Dreißigerjahren saß, schmauste und diskutierte um den festlich gedeckten Tisch die intellektuelle und kulturelle Elite des Landes, dazu gesellten sich bekannte internationale Figuren, die auf ihren Reisen nach Mexiko oft einen Zwischenstopp bei Rivera und Kahlo einlegten. Wer einmal mit dem Künstlerpaar Mezcal getrunken und Tamales gegessen hatte, ging oft in den engeren Freundeskreis der Familie über, zu dem Leon Trotsky, Dorothea Lange, André Breton, Georgia O’Keeffe und Alice Rahon gehörten.
Auch als die körperlichen Beschwerden, unter denen sie nach einem schweren Verkehrsunfall in ihrer Jugend zeitlebens litt, immer belastender wurden, fand die Malerin Freude am Essen und Trinken in Gesellschaft: Sie verlegte die Festessen kurzerhand in ihr Schlafzimmer, wo sie vom Bett aus mit ihren Besuchern Tequila trank und deren Mitbringsel verkostete.
