Vom Atelier an den Esstisch: Francis Bacon
23.03.2020
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Sind Künstlerinnen und Künstler besonders kreativ, wenn es ums Kochen geht? Ein Blick in die Küchen der Kunstwelt, angefangen mit Francis Bacons Kochbuchsammlung und seiner Badewanne mit Aussicht.
„Die instinktivste und buchstäblichste Verbindung, die wir herstellen, ist die mit unserem Essen… Der Akt des Kunstschaffens und der des Kochens stimmen in vielerlei Hinsicht überein […]“
Alice Waters
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Im ersten Stock eines ehemaligen Kutscherhauses im Londoner Stadtteil South Kensington, ausgebaut zu einem kleinen Zweiraumapartment, wohnte und arbeitete der in Dublin geborene Künstler Francis Bacon über dreißig Jahre seines Lebens. Küche und Bad waren auf einen Raum reduziert, ein Zimmer diente als Schlaf- und Wohnzimmer und das zweite als Bacons Atelier. In Anbetracht seiner spartanischen, funktionalen Küche – ein schlichter Gasherd zwischen zwei abgenutzten Arbeitsplatten, Badewanne und Waschbecken in ihrer unauffälligsten Form, beleuchtet von einer einzelnen, nackten Glühbirne – erscheint es schwer vorstellbar, dass der Künstler Ende der 1920er Jahre seinen Lebensunterhalt als Inneneinrichter und Möbeldesigner in Paris verdiente.
Sein erstes Studio war modern eingerichtet und diente als Präsentationsfläche für seine Entwürfe: corbusierartige Möbel aus Stahl und Glas und Teppiche mit geometrischen Mustern, die er an die Wand hängte. Mit der Malerei befasste sich Bacon zunächst nur nebenher, doch bald beschloss er, sich ganz diesem Medium zu widmen. Nach einer kurzen Phase der Abstraktion im vorherrschenden Stil der Nachkriegszeit entwickelte er eine eigene figürliche Bildsprache, mit der ihm der Durchbruch als Künstler gelang.
In Bacons Küche weist auf den ersten Blick nichts auf die Identität ihres Besitzers hin. Die meisten Objekte könnten in einer beliebigen englischen Arbeiterwohnung stehen, erst bei näherer Betrachtung fallen die Abbildungen auf, die über der Arbeitsplatte an die Wand geheftet sind und einige von Bacons grotesken, fast surrealistisch anmutenden Porträts zeigen.
