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Surreal: Eine Lesung in Bildern

20.04.2011

2 min Lesezeit

Surreal: Eine Lesung in Bildern - ein Artikel im SCHIRN Magazin der Kunsthalle Frankfurt.

DĂŒster ist der Treppenaufgang hinter der TĂŒr, deren Aufschrift den „Ausgang aus der RealitĂ€t“ verheißt. Hinter dieser TĂŒr beginnt die SCHIRN-Ausstellung „Surreale Dinge“. Das TreppengelĂ€nder ist mit Tierfellen der KĂŒnstlergruppe et al.* ummantelt und an diesem Abend empfĂ€ngt einen am Treppenabsatz Valery Tscheplanowa, Filmschauspielerin und Ensemblemitglied des Schauspiel Frankfurt. Sie lĂ€chelt freundlich mit rotgeschminkten Lippen und nimmt dann neben ihrem Ensemblekollegen Marc Oliver Schulze auf einem kleinen Podest Platz.

Blutrot sind die samtenen Tapeten im Ausstellungsraum, wo das Publikum die Stuhlreihen zur surrealen Lesung fĂŒllt. Kuratorin Ingrid Pfeiffer spricht zur BegrĂŒĂŸung und stellt die Schauspieler vor, die an diesem Abend Texte aus dem begleitend zur Ausstellung erschienenen ErzĂ€hlband „Das RĂ€tsel eines Tages“ lesen werden. Dass Tscheplanowa und Schulze derzeit in den Hauptrollen von „Maria Stuart“ in der Inszenierung Michael Thalheimers zu sehen sind, ergĂ€nzt jemand aus dem Publikum. Es sind eindeutig Fans anwesend.

Lebendig und mitreißend liest Marc Oliver Schulze, der eine schwarze Hornbrille trĂ€gt, den ersten Text vor: „Alles ist besser als Detlev“ von Thommie Bayer, in dem die Reise eines sĂŒddeutschen Provinzlers in das wilde Berlin kurz vor der Wende erzĂ€hlt wird. Das Publikum lacht ĂŒber den „Messingaschenbecher in Form einer Stubenfliege“, den der Protagonist auf einem Flohmarkt erwirbt. Noch mehr lacht es ĂŒber Marc Oliver Schulzes Improvisationstalent, als er das Klingeln eines Handys im Raum spontan in den Text einbaut.

Valery Tscheplanowa trĂ€gt die beiden Geschichten vom Odradek vor. ZunĂ€chst Paul Brodowskys „Im Treppenhaus“, dann Franz Kafkas Ur-Fassung „Die Sorge des Hausvaters“. Dass die Schauspielerin, die frĂŒher am Deutschen Theater Berlin engagiert war, auch hĂ€ufig Hörspielaufnahmen macht, wundert nicht: Ihre tiefe, leicht rauhe Stimme unterstreicht gekonnt die beiden absurden ErzĂ€hlungen.

Mit Joachim Zelters Romanausschnitt „Die schwierigste Sprache der Welt“ gelingt es Marc Oliver Schulze den Höhepunkt des Abends zu setzen und das gesamte Publikum zum Lachen zu bringen. Pointiert gibt er die wunderbar satirische Beschreibung Zelters von „Modlaw“, der „most difficult language in the world“ wieder, die mehr einem akustischen Unfall gleicht als einer Sprache. TatsĂ€chlich handelt es sich um ein Sprachexperiment eines UniversitĂ€tsprofessors in Yale. Wer mehr darĂŒber erfahren will, der sollte in „Das RĂ€tsel eines Tages und andere surreale Geschichten“ (Hatje Cantz Verlag, € 9,80, ISBN 978-3-7757-2801-0) hineinblĂ€ttern.