Sein Atelier liegt inmitten einer geschĂ€ftigen Gasse in der Frankfurter Innenstadt, in einem Hinterhaus. Ein zaghafter Hinweis auf dem Klingelschild, einige TĂŒren sind noch zu passieren, bis man dort ist. Der Maler Hannes Michanek, 1979 im schwedischen Kristianstad geboren, studierte von 2007 bis 2012 an der StĂ€delschule bei Michael Krebber. Das Atelier ist kompakt, wahrlich kein Refugium eines MalerfĂŒrsten, bis an die Decke ist es mit LeinwĂ€nden aller Formate gefĂŒllt. Man entdeckt hier und da Leinwandstoff und Keilrahmen, Ălfarbtuben und Pinsel. Viele Farbtupfer finden sich auf dem Boden und auf den WĂ€nden.
Bekannt ist Michanek vor allem fĂŒr die magisch anmutenden (Berg-)Landschaften, in die er GebĂ€ude und Formen einsetzt, die etwas spielzeughaft erscheinen und sich durch ihre poppige Farbigkeit abheben. Auch Figuren und Tiere finden sich in diesen Bildern. Sie wirken verwunschen und manchmal geisterhaft. Eine ErzĂ€hlung wird immer nur angedeutet, aber nie eindeutig ausformuliert. Michanek möchte dennoch nicht stehen bleiben und erweitert sein malerisches Ćuvre bestĂ€ndig. Immer wieder experimentiert er mit neuen Verfahren und Motiven. Auch Skulpturen zĂ€hlen zu Michaneks Werk.Â
Mit der eigenen Vorstellungskraft arbeitenÂ
âManchmal ist es ermĂŒdend, wenn ich etwas gut kenne. Das mag ich nichtâ, sagt der KĂŒnstler, und fĂŒgt hinzu: âIch möchte, dass die Malerei fĂŒr mich eine Herausforderung bleibt.â So kann auch eine abstrakte, flĂ€chige Farbkomposition, die sonst als Hintergrund dient, zum alleinigen Bildmotiv werden. Die neuen, abstrakten GemĂ€lde faszinieren durch ihren eigentĂŒmlichen Schein. Die Farbwirkung verĂ€ndert sich je nach Tageszeit. âDiese GemĂ€lde sind eher stillâ, erklĂ€rt Michanek. Sie zu betrachten, sei wie in die Sonne zu schauen. Es gehe um den Blick auf etwas, was man nicht wirklich ansehen kann. âStaring (not seeing)â heiĂt ein Bild aus dieser Werkreihe.
Die Titel seiner GemĂ€lde ermöglichten zwar manchmal den Einstieg in das Bild, sagt Michanek. âAm interessantesten ist es aber, selbst hinzusehen und mit der eigenen Vorstellungskraft zu arbeitenâ. Man mĂŒsse die Betrachter nicht stĂ€ndig an die Hand nehmen, betont er.Â
Die Furcht vor dem UngewissenÂ
In seinem Atelier arbeitet Hannes Michanek meistens an mehreren GemĂ€lden parallel. Die Motive malt er oft aus seinem GedĂ€chtnis, ohne auf Bildvorlagen zurĂŒckzugreifen. Auf einigen neueren LeinwĂ€nden begegnet man Quallen. Auf diese rĂ€tselhaften, neuen Bewohner seiner Bilder angesprochen, erzĂ€hlt Michanek: âAlle scheinen ein negatives VerhĂ€ltnis zu Quallen zu haben. Man hat Angst vor ihnen.â Die Qualle sei dabei ein Symbol, âmeine eigene Vorstellung von Angstâ. Jeder schaffe sich seine kleinen Monster, um der Ungewissheit zu entkommen, sagt Michanek. Ihm geht es dabei um die Furcht vor dem Ungewissen, die unsere Gegenwart prĂ€gt.
âOvergrown Eruptionâ heiĂt ein groĂformatiges Diptychon, das fĂŒr eine neue Melancholie in Michaneks Malerei stehen könnte. Vor einem dunkelblau schimmernden Hintergrund baut sich eine massive, gleichsam vulkanartige Landschaft auf. Sparsam sind die Formen und Figuren darauf verteilt, weniger bunte Tupfer lockern die Szenerie auf. Die Landschaft wirkt an manchen Stellen skizzenhaft, sie scheint sich im Nichts aufzulösen. Man denkt an eine Geisterinsel. âEs ist schon ein wenig mysteriösâ, bestĂ€tigt der KĂŒnstler.Â
âOvergrown Eruptionâ wird nun mit vielen weiteren GemĂ€lden in der Frankfurter Oberfinanzdirektion gezeigt. Hannes Michanek hat seit August 2015 fĂŒr diese Ausstellung gearbeitet. Trotz einer gewissen DĂŒsternis in seinen jĂŒngsten Bildern muss man sich Michanek als einen glĂŒcklichen Maler vorstellen. Die IntensitĂ€t seines Arbeitsprozesses bringt er treffend auf den Punkt: âMit der Zeit verliere ich mich in dieser Welt.â
