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SCHIRN CIRCLE bei Tobias Rehberger

06.08.2012

4 min Lesezeit

Der junge Freundeskreis der SCHIRN besuchte Tobias Rehberger in seinem Atelier und warf einen Blick hinter die Kulissen der Galerie BÀrbel GrÀsslin. Wir waren dabei.

Ein Mittwochabend in einem Hinterhaus in der Frankfurter Innenstadt: Das Neonlicht strahlt grell, der Fußboden ist lila, von der Decke hĂ€ngen Lampengebilde aus Klettband und an einen Tisch ist eine Versuchstropfanlage geschraubt. Wir sind mittendrin – im Atelier von Tobias Rehberger, 46, einem der international erfolgreichsten KĂŒnstler seiner Generation. BerĂŒhmt gemacht haben ihn vor allem seine raumfĂŒllenden Installationen, die sich auf der Schnittstelle zwischen Kunst und Design bewegen. 2009 wurde er auf der Biennale in Venedig mit dem „Goldenen Löwen“ ausgezeichnet, seit 2001 unterrichtet er an der StĂ€delschule, zur Zeit ist er dort Rektor. Jetzt steht Tobias Rehberger vor uns in Jeans, Turnschuhen und Strickpulli. „Ich brauche erst mal einen Aschenbecher“, sagt er und zĂŒndet sich eine Zigarette an.

Klein und intim, aber immer offen fĂŒr neue Mitglieder

Um ihn herum gruppieren sich Mitglieder des SCHIRN CIRCLE. Das ist der Verein fĂŒr junge Freunde der SCHIRN Kunsthalle, der im September vergangenen Jahres ins Leben gerufen wurde. Es ist ein Kreis fĂŒr (vor allem berufstĂ€tige) Kunstinteressierte im Alter von 25 und 40 Jahren – klein und intim, aber immer offen fĂŒr neue Mitglieder. Auf dem Programm stehen zum Beispiel exklusive FĂŒhrungen und Kunsttrips in andere StĂ€dte. Außerdem kommt man mit der SCHIRN CIRCLE-Karte umsonst in alle SCHIRN-Ausstellungen.

Tobias Rehberger erzÀhlt von seiner Arbeit

Dieser Abend, organisiert von der SCHIRN CIRCLE-Leiterin Steffie MĂŒller und dem Kurator Matthias Ulrich, soll einen Blick hinter die Kulissen des Kunstbetriebs bieten – und uns nicht nur ins Atelier von Tobias Rehberger fĂŒhren, sondern auch in die Galerie BĂ€rbel GrĂ€sslin, die Rehberger vertritt. Aber dazu spĂ€ter. Erst einmal erzĂ€hlt Tobias Rehberger von seiner Arbeit. Dass sein Atelier anders ist, als die meisten anderen KĂŒnstlerateliers, wird schon beim ersten Hinsehen klar. Die zwei Stockwerke des Hinterhauses sind in eine BĂŒroetage und eine Werkstatt eingeteilt. Rehberger betreibt hier eine Art Kunstfabrik, in der er zehn, manchmal sogar bis zu 35 Mitarbeiter beschĂ€ftigt: Architekten, eine Buchhalterin, eine Produktgestalterin, eine Produktionsleiterin, ein Studiomanager, Schreiner und KĂŒnstler. „Meistens zeichne ich einen Entwurf, den ich dann gemeinsam mit Architekten in eine 3D-Animation umsetze, danach fertigen wir in der Werkstatt ein bis zehn Modelle. Wenn die mit unseren Vorstellungen ĂŒbereinstimmen, wird die Arbeit in groß gebaut“, verrĂ€t er. Danach zeigt er uns noch die Werkstatt, in der es intensiv und angenehm nach Holz riecht. Auf einer Werkbank steht das Modell einer Skulptur, die erst einmal wie ein abstrakter Knoten aussieht. Wenn Licht auf die Skulptur fĂ€llt, wirft sie jedoch einen Schatten: das englische Wort „Luck“. Schon bald wird das Gebilde, natĂŒrlich in einer grĂ¶ĂŸeren Version, in einem Londoner Park stehen.

Der nÀchste Höhepunkt des Abends

Die Stunde in Tobias Rehbergers Kunstfabrik verging schnell und eigentlich wĂŒrden wir gerne noch eine Weile bleiben, aber der nĂ€chste Höhepunkt des Abends wartet schon: Der Besuch in der Galerie BĂ€rbel GrĂ€sslin. „Sie ist die Grande Dame der Frankfurter Galerienszene. Aber ihre Galerie ist auch international renommiert“, sagt Matthias Ulrich. Auf dem Weg dorthin schwĂ€rmt Katja Klement, Produktmanagerin bei einem Aschaffenburger Modeunternehmen und SCHIRN CIRCLE-Mitglied der ersten Stunde, noch ein bisschen von dem, was sie gerade erlebt hat: „Tobias Rehberger ist ein unheimlich lockerer und sehr geduldiger Typ. Mir hat gefallen, dass er so offen und persönlich auf alle unsere Fragen eingegangen ist.“

Berichte aus dem Galerie-Alltag

Dann erreichen wir die Galerie, die, etwas versteckt hinter einer Toreinfahrt in der SchĂ€fergasse, in der Halle einer ehemaligen Glaserei untergebracht ist. BĂ€rbel GrĂ€sslins Mitarbeiter Susanne Hofmann und Klaus Webelholz erwarten uns, schenken Weißwein und Wasser aus und berichten aus ihrem Galeristen-Alltag. In dem meterhohen, hellen Raum sind Arbeiten von Georg Herold verteilt, einem deutschen Bildhauer, der, wie die meisten KĂŒnstler, die von BĂ€rbel GrĂ€sslin vertreten werden, seine Laufbahn in den 1980er-Jahren begann. An den WĂ€nden hĂ€ngen Bilder auf die er Kaviar-Eier geklebt und sie dann nummeriert hat. Dazwischen stehen einige seiner Skulpturen. Außerdem entdecken wir ein Modell von Tobias Rehberger. Auch diese Skulptur wirft eine Schattenbotschaft auf den Boden, wenn das Licht aus der richtigen Richtung fĂ€llt. Und so schließt sich der Kreis. Zumindest fĂŒr diesen Abend. Aber schon bald geht es weiter, denn die nĂ€chsten spannenden Veranstaltungen des SCHIRN CIRCLE stehen bereits fest: ExklusivfĂŒhrungen durch die Ausstellungen „Edvard Munch. Der moderne Blick“ und „George Condo. Mental States“. Und noch ein Vorteil fĂŒr SCHIRN CIRCLE Mitglieder: Mit der SCHIRN CIRCLE Karte kann man an den Warteschlangen vorbei direkt in die Ausstellung spazieren.