Diana Pfammatter ist eine hervorragende Gastgeberin. In ihrer KĂŒche, die WĂ€nde schwarz, ein schöner alter Holztisch in der Raummitte, tischt sie Cappuccino, GebĂ€ck und Wassermelonen auf. Und Center Shocks. Sie liebt die ultrasauren Kaugummis, war glĂŒcklich, als sie vor kurzem einen Kiosk direkt in der Nachbarschaft gefunden hat, der sie verkauft. âDas ist eine schöne Kindheitserinnerungâ, sagt sie. Und: âNicht zerkauen!â Dann schlĂ€gt die SĂ€ure richtig zu.
Sie lacht â und redet los. ErzĂ€hlt vom HyperWerk an der Hochschule fĂŒr Gestaltung in Basel, an dem sie studiert hat und das sich als âInstitute for Postindustrial Designâ definiert. Pfammatter, 29 Jahre alt, nennt es âdie offenste Schule, die ich kenneâ. Sie erzĂ€hlt von ihren AnfĂ€ngen als Foto-Assistentin, von den ersten AuftrĂ€gen, von ihren Arbeiten fĂŒr die schweizerische Ausgabe des Magazins âViceâ, von der Wohnungssuche, von den Vor- und Nachteilen von Nebenjobs.Â
Ein neuer Ort, neuer InputÂ
Nach Frankfurt ist sie vor eineinhalb Jahren gekommen. Ihr Freund, Kurator Fabian Schöneich, hat damals die Leitung der Ausstellungshalle Portikus ĂŒbernommen. Recht kurzentschlossen und ohne die Stadt besonders gut zu kennen, hat sich Pfammatter entschieden, mit ihm an den Main zu ziehen. âIch wollte etwas Neues ausprobieren, ich wollte neuen Inputâ, sagt sie. Raus aus dem gemachten Nest, das war die Devise. âIch mag das Taffe an Frankfurtâ, sagt sie.
Die Stadt hat auch ihrer Arbeit einen Schub gegeben. Es ist fĂŒr Fotografen wichtig, dass sie sich mit neuen Orten, neuen Situationen auseinandersetzen, um sich weiterzuentwickeln, sagt Pfammatter. Sie möchte versuchen, dass sie hier noch hĂ€ufiger dazu kommt, freie Arbeiten zu entwickeln. Sie ist aber auch noch immer viel in der Schweiz, ein GroĂteil ihrer Auftraggeber sitzt dort. âMit dem Zug sind es gerade einmal zweieinhalb Stunden bis Baselâ, erzĂ€hlt Pfammatter. Sie ist zur Pendlerin geworden. Ihren Arbeitsplatz hat sie sich in der Wohnung eingerichtet, auf dem Schreibtisch thront ein riesiger Bildschirm. âAber meistens sitze ich doch auf dem Sofa und arbeite mit dem Laptop.â
Aufgewachsen ist sie im Wallis, im SĂŒdwesten der Schweiz, der Kanton grenzt an Frankreich und Italien. Pfammatters Mutter ist Italienerin, in ihrer Kindheit hat Pfammatter fast jedes Wochenende in Italien verbracht. Das Wallis ist unglaublich schön, mit seinen Bergen, der Natur. Aber wer einen Weg im Bereich der kreativen Berufe einschlagen will, kommt kaum darum, es zu verlassen. Pfammatter ging zunĂ€chst nach Bern, studierte ein Semester lang Geschichte und Politikwissenschaften. Als sie merkte, dass das nicht die richtige Wahl war (âIch war da verlorenâ), wechselte sie ans HyperWerk in Basel. Dass die Fotografie ihr Medium ist, war ihr von Anfang des Studiums an klar.Â
Du bist schon ein bisschen komisch, oder?
Wir gucken uns die Fotografien an, die sie fĂŒr ihre jĂŒngste Ausstellung gemacht hat. âI and many more of meâ heiĂt sie, gezeigt wird sie im Kunstlehrstuhl der Berufsschule Baden. Seit 2011 initiiert die Schule den Austausch zwischen KĂŒnstlern und SchĂŒlern. In Workshops entstehen Projekte, die dann im Ausstellungsraum der Schule prĂ€sentiert werden. Pfammatters Bilder sind Nahaufnahmen der Körper der Badener SchĂŒler, mit ihrer Kamera ist sie ihnen regelrecht auf den Leib gerĂŒckt. Man sieht die Linien einer Hand, ein OhrlĂ€ppchen voller Sommersprossen, man sieht Flecken, Narben und Piercings. Sie hat die SchĂŒler befragt, ist mit ihnen ins GesprĂ€ch gekommen. Wie Jugendliche sich selbst sehen und wie sie sich in den sozialen Netzwerken zeigen und inszenieren, das ist schon lange ihr Thema. Von den SchĂŒlern in Baden wollte Pfammatter wissen: Was ist speziell an dir? Wie blickst du auf deinen Körper? Erst danach hat sie die Jugendlichen fotografiert. Sie erzĂ€hlt, dass einer der SchĂŒler nach dem Workshop zu ihr gesagt hat: Du bist schon ein bisschen komisch, oder?
Diana Pfammatter ist es wichtig, dass ihre Fotografien in der Zusammenarbeit mit den Menschen, die sie abbildet, entstehen. Sie arbeitet situativ, reagiert darauf, was der Moment bringt. Viele ihrer Fotografien sind komisch, sind skurril. Pfammatter spielt mit der Ironie, mit dem Humor. Martin Parr und Juergen Teller kommen einem in den Sinn, wenn man sich in den Fotografien auf ihrem Tumblr-Blog verliert. Da sieht man einen Chatter, der an einer Gurke lutscht, da wabern Emojis ĂŒber PortrĂ€ts, da gibt es dieses lustige Bild, auf dem neben einer gediegenen AlpenhĂŒtte ein knallbunter PlastikspielhĂ€uschen fĂŒr Kinder zu sehen ist. âIch gehe selten ins Studioâ, erzĂ€hlt Pfammatter. âIch mag das Ungeplante, ich mag es, beim Fotografieren einfach zu gucken, was passiert.â