Der Frieden hat viele Gesichter, zumindest was seine Symbolik betrifft. Doch schon immer sind diese mit dem Krieg verbunden: Als der Brite Gerard Holtom 1958 das weltweit bekannte Peace-Zeichen mit den drei nach unten weisenden Strichen entwarf, tat er das im Rahmen der âKampagne fĂŒr nukleare AbrĂŒstungâ. Auch die Anfang der 1960er Jahre in Italien entworfene Regenbogen-Fahne, der spĂ€ter der Schriftzug âPACEâ hinzugefĂŒgt wurde, entstand als direkte Reaktion der Friedensbewegung auf die weltweite atomare AufrĂŒstung.
Doch braucht es Krieg und Zerstörung, damit Frieden entstehen kann? Ist Frieden wirklich nur die Abwesenheit von Krieg? Und wie sĂ€he ein Friedenszeichen aus, das alle Aspekte mit einbezieht? Paul MĂŒller aus Deutschland und Bekata Ozdikmen aus der TĂŒrkei kamen unabhĂ€ngig voneinander zu dem gleichen Ergebnis: Es muss ein schlichter, blauer Punkt sein.
GröĂtmögliche Abstraktion
âDieses sehr einfache Design löst bestimmt vielerorts UnverstĂ€ndnis aus. Wie kann ein so simples Logo ein Thema reprĂ€sentieren, das so komplex ist wie der Frieden? Doch in der Vielschichtigkeit des Sujets liegt auch die BegrĂŒndung fĂŒr die Wahl eines umso reduzierteren Symbols. Der Versuch, alle Aspekte des Friedens in einem einfachen Bild darstellen ist ebenso unmöglich wie alle Sandkörner an den StrĂ€nden der Welt zu zĂ€hlen. Der blaue Punkt ist die gröĂtmögliche Abstraktion der Erde, die vorstellbar istâ, erklĂ€rt Paul MĂŒller seine Idee.
Das Peace-Logo solle fĂŒr eine Utopie stehen, in der Frieden zwischen allen Staaten, den Geschlechtern, allen Menschen und Lebewesen im Allgemeinen existiere, so die Herleitung seines Entwurfs. Dazu gehöre selbstverstĂ€ndlich auch der Frieden mit der Natur. Die Friedenstaube scheide aber als universelles Symbol aus, weil sie auf einer biblischen Grundlage basiert und nicht fĂŒr alle Kulturen verstĂ€ndlich ist. Auch die weiĂe Flagge wirke in dem Zusammenhang unpassend: Sie stammt eindeutig aus einem militĂ€rischen Kontext.
Bestandteil des Universums
Aber warum ausgerechnet ein Punkt? âDas Runde ist die natĂŒrlichste Form, da sowohl die kleinsten als auch die gröĂten Bestandteile unseres Universums rund sind. Ein quadratisches Logo könnte allerdings auch Sinn machen, wenn man besonders die Eigenschaft des Friedens betonen möchte, dass er in seiner absoluten Form nur als Utopie existieren kannâ, so Paul MĂŒller, der noch zur Schule geht und nach dem Abitur Bildende Kunst studieren möchte.
Friedenstaube, Public Domain Via Wikipedia
Eine Ă€hnliche Herleitung verfolgte auch Bekata Ozdikmen aus Istanbul, der ebenfalls einen blauen Punkt einreichte. âBestimmte Dinge haben bereits eine feste Form. Wenn ich z.B. âApfelâ sage, wĂŒrde niemand an eine rechteckige Form in blauer Farbe denken, sondern an etwas rotes, rundes. Denkt man an die Erde, fĂ€llt einem also als erstes ein blauer Kreis ein.â
Die Welt kurz vor der Explosion
Der Wettbewerb hatte den tĂŒrkischen Grafik-Designer besonders aus persönlichen GrĂŒnden sofort angesprochen, da er â 1965 geboren â sich selbst als Kind der â68er Generationâ bezeichnet, in der das alte Peace-Zeichen eine besondere Bedeutung hatte. Doch fĂŒr die jĂŒngeren Generationen habe dieses Symbol nicht mehr die gleiche Aussagekraft, so Ozdikmen â und dass in einer Zeit, in der die Welt wie eine Bombe kurz vor der Explosion zu stehen scheint.
Erde von oben, Public Domain via Pagewizz
Sein Logo-Entwurf bezieht sich auf die gröĂtenteils aus WasserflĂ€chen bestehende Erdkugel, auf der LĂ€ndergrenzen keine Rolle spielen: Eine Erde, auf der wir nur zu Gast sind und die wir daher mit allen Mitteln verteidigen sollten, anstatt sie willentlich zu zerstören. Das Runde, fĂŒr das sich viele der Wettbewerbsteilnehmer entschieden, ist dabei aufgrund der Dynamik fĂŒr ihn ebenfalls die gewĂ€hlte Form â und somit schlieĂt sich der Kreis.
