16. Juni 2017

Wie lässt sich „Frieden“ in einem Symbol ausdrücken? Für die Ausstellung PEACE rief die Schirn in einem Wettbewerb dazu auf, ein neues PEACE-Logo zu entwerfen. Paul Müller und Bekata Ozdikmen reichten unabhängig voneinander beide einen schlichten blauen Punkt ein – und überzeugten damit die Jury.

Von Julia Schmitz

Der Frieden hat viele Gesichter, zumindest was seine Symbolik betrifft. Doch schon immer sind diese mit dem Krieg verbunden: Als der Brite Gerard Holtom 1958 das weltweit bekannte Peace-Zeichen mit den drei nach unten weisenden Strichen entwarf, tat er das im Rahmen der „Kampagne für nukleare Abrüstung“. Auch die Anfang der 1960er Jahre in Italien entworfene Regenbogen-Fahne, der später der Schriftzug „PACE“ hinzugefügt wurde, entstand als direkte Reaktion der Friedensbewegung auf die weltweite atomare Aufrüstung.

Doch braucht es Krieg und Zerstörung, damit Frieden entstehen kann? Ist Frieden wirklich nur die Abwesenheit von Krieg? Und wie sähe ein Friedenszeichen aus, das alle Aspekte mit einbezieht? Paul Müller aus Deutschland und Bekata Ozdikmen aus der Türkei kamen unabhängig voneinander zu dem gleichen Ergebnis: Es muss ein schlichter, blauer Punkt sein.

Größtmögliche Abstraktion

„Dieses sehr einfache Design löst bestimmt vielerorts Unverständnis aus. Wie kann ein so simples Logo ein Thema repräsentieren, das so komplex ist wie der Frieden? Doch in der Vielschichtigkeit des Sujets liegt auch die Begründung für die Wahl eines umso reduzierteren Symbols. Der Versuch, alle Aspekte des Friedens in einem einfachen Bild darstellen ist ebenso unmöglich wie alle Sandkörner an den Stränden der Welt zu zählen. Der blaue Punkt ist die größtmögliche Abstraktion der Erde, die vorstellbar ist“, erklärt Paul Müller seine Idee.

Bekata Ozdikmen, Foto: Bekata Ozdikmen
Paul Müller, Copyright privateoffspace/Ben Vautier

Das Peace-Logo solle für eine Utopie stehen, in der Frieden zwischen allen Staaten, den Geschlechtern, allen Menschen und Lebewesen im Allgemeinen existiere, so die Herleitung seines Entwurfs. Dazu gehöre selbstverständlich auch der Frieden mit der Natur. Die Friedenstaube scheide aber als universelles Symbol aus, weil sie auf einer biblischen Grundlage basiert und nicht für alle Kulturen verständlich ist. Auch die weiße Flagge wirke in dem Zusammenhang unpassend: Sie stammt eindeutig aus einem militärischen Kontext.

Bestandteil des Universums

Aber warum ausgerechnet ein Punkt? „Das Runde ist die natürlichste Form, da sowohl die kleinsten als auch die größten Bestandteile unseres Universums rund sind. Ein quadratisches Logo könnte allerdings auch Sinn machen, wenn man besonders die Eigenschaft des Friedens betonen möchte, dass er in seiner absoluten Form nur als Utopie existieren kann“, so Paul Müller, der noch zur Schule geht und nach dem Abitur Bildende Kunst studieren möchte.

Friedenstaube, Public Domain Via Wikipedia

Eine ähnliche Herleitung verfolgte auch Bekata Ozdikmen aus Istanbul, der ebenfalls einen blauen Punkt einreichte. „Bestimmte Dinge haben bereits eine feste Form. Wenn ich z.B. „Apfel“ sage, würde niemand an eine rechteckige Form in blauer Farbe denken, sondern an etwas rotes, rundes. Denkt man an die Erde, fällt einem also als erstes ein blauer Kreis ein.“

Die Welt kurz vor der Explosion

Der Wettbewerb hatte den türkischen Grafik-Designer besonders aus persönlichen Gründen sofort angesprochen, da er – 1965 geboren – sich selbst als Kind der „68er Generation“ bezeichnet, in der das alte Peace-Zeichen eine besondere Bedeutung hatte. Doch für die jüngeren Generationen habe dieses Symbol nicht mehr die gleiche Aussagekraft, so Ozdikmen – und dass in einer Zeit, in der die Welt wie eine Bombe kurz vor der Explosion zu stehen scheint.

Erde von oben, Public Domain via Pagewizz

Sein Logo-Entwurf bezieht sich auf die größtenteils aus Wasserflächen bestehende Erdkugel, auf der Ländergrenzen keine Rolle spielen: Eine Erde, auf der wir nur zu Gast sind und die wir daher mit allen Mitteln verteidigen sollten, anstatt sie willentlich zu zerstören. Das Runde, für das sich viele der Wettbewerbsteilnehmer entschieden, ist dabei aufgrund der Dynamik für ihn ebenfalls die gewählte Form – und somit schließt sich der Kreis.