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TURNER HUGO MOREAU. ENTDECKUNG DER ABSTRAKTION
6. Oktober - 6. Januar 2008

Lange bevor im 20. Jahrhundert die Abstraktion zur avantgardistischen Kunstform erklärt wird, schaffen Maler und Grafiker Bilder ohne erkennbaren Gegenstand. Die prominentesten Beispiele stammen aus dem Werk des Landschaftsmalers J. M. William Turner, des Dichters und Zeichners Victor Hugo und des französischen „Symbolisten“ Gustave Moreau. Gegenläufig zu bisherigen Präsentationen löst sich die Ausstellung von einer auf die abstrakte Kunst zulaufenden Perspektive: Nicht „Wohin führen diese abstrakten Werke?“, sondern „In welcher Tradition stehen sie?“, lautet die zentrale Frage. Die Ausstellung lenkt den Blick auf zwei Diskurse: zum einen auf die Faszination für Flecken, für durch Zufall entstandene „Bilder“, zum anderen auf die Wirkungsästhetik, das Nachdenken über die Wirkung von Linien, Farben und Kompositionen in den Bildern. Sie zeigt damit, dass die Errungenschaft der Avantgarde um 1912 nicht in der Erfindung der Abstraktion lag, sondern darin, dass diese zum Kunstwerk erklärt wurde.

Kurator: Prof. Dr. Raphael Rosenberg (Heidelberg)

Publikationen

TURNER HUGO MOREAU

Ein völlig übersehener Bereich abstrakten Kunstschaffens wird erstmals erschlossen: die Geschichte ungegenständlicher Bilder vor 1900.

Vorschau
TURNER HUGO MOREAU
TURNER HUGO MOREAU

TURNER HUGO MOREAU

Ein völlig übersehener Bereich abstrakten Kunstschaffens wird erstmals erschlossen: die Geschichte ungegenständlicher Bilder vor 1900. Werke von Turner, Hugo und Moreau zeigen, daß Abstraktion existierte, bevor sie von Kandinsky und seinen Zeitgenossen zur avantgardistischen Kunstform erklärt wurde.

Anders als weithin bekannt haben Maler und Graphiker bereits vor dem 20. Jahrhundert Bilder ohne erkennbaren Gegenstand geschaffen. Die prominentesten Beispiele stammen aus dem Werk des Landschaftsmalers Joseph Mallord William Turner (1775-1851), des Dichters und Zeichners Victor Hugo (1802-1885) und des französischen »Symbolisten« Gustave Moreau (1826-1898). Turner etwa tröpfelt die Farbe auf das Blatt oder spritzt sie vom Pinsel und setzt sich zugleich intensiv mit der in England seit dem 18. Jahrhundert sehr populären Wirkungsästhetik auseinander. Victor Hugo versteht sich in erster Linie als Dichter und hinterläßt dennoch rund 4000 Zeichnungen, in denen er sich verschiedenen Zeichenmitteln und Techniken des Farbauftrags widmet. Und kein anderer Maler des 19. Jahrhunderts hat abstrakte Bilder in so unterschiedlichen Medien und mit so verschiedenen Absichten produziert wie Gustave Moreau. Die Zeichnungen, Aquarelle und Ölskizzen der Künstler lassen vor allem zwei Traditionen sichtbar werden, die Kontext und Intentionen erklären: die Faszination für durch den Zufall entstandene Bilder und die theoretische Reflexion der Wirkung von Linie, Farbe und Komposition auf den Betrachter. Vergessene und neu entdeckte Werke der Meister rücken im vorliegenden Band in den Blick und werden mit abstrakten Bildern anderer Künstler wie Edgar Degas, George Sand und Wilhelm von Kaulbach verglichen. Die besprochenen Arbeiten waren in der Regel nicht für die Öffentlichkeit bestimmt - die Errungenschaft des frühen 20. Jahrhunderts war also nicht die Erfindung einer abstrakten Bildform, sondern die programmatische Ausstellung solcher Bilder als Kunstwerke.

Turner - Hugo - Moreau. Entdeckung der Abstraktion." Herausgegeben von Raphael Rosenberg und Max Hollein. Mit einem Vorwort von Max Hollein und Texten von Raphael Rosenberg. Deutsche Ausgabe, 360 Seiten, ca. 300 farbige Abbildungen, Hirmer Verlag München, ISBN 978-3-7774-3755-2.

 

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