„Ich möchte mich nicht für eine einzige Sache entscheiden“

30.06.2026

6 min Lesezeit

Autor*in:
Markus Wölfelschneider
Bekkaa
Junge Frau in schwarzem Hoodie und Hose sitzt auf einer Bank im Freien, umgeben von Bäumen und grünem Hintergrund.

Ob Tagebuch-Poesie für das Internet oder verträumt-tanzbare Popmusik mit deutschen Texten: Bekkaa erzählt von Liebeskummer, Zukunftsängsten und Selbstzweifeln und gibt damit der Generation Z eine Stimme. Wir haben uns mit ihr in ihrem Frankfurter Lieblingsviertel getroffen.

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Wir ordern dreimal Cappuccino mit Hafermilch. Und ein Küchenhandtuch, um die Regentropfen von den Bänken zu wischen. Die Sonne ist gerade wieder zum Vorschein gekommen. Und mit ihr: Bekkaa, die eigentlich Rebekka Sara Czuba heißt. Den Treffpunkt im Frankfurter Nordosten hat sie vorgeschlagen. Das kleine Café, vor dem wir sitzen, besucht sie oft, um dort zu schreiben: „Egal, ob es sich um Poesie, um Steuerkram oder um Sachen für die Uni handelt.“

Oft wird Bekkaa gefragt, ob sie eigentlich Musikerin, Autorin oder Contencreaterin sei. Doch dieses Schubladendenken liegt ihr fern. „Die Leute wollen einen immer irgendwo einreihen. Ich habe einen großen Output und mache alles, worauf ich Bock habe. Ich möchte mich nicht für eine einzige Sache entscheiden.“ Aktuell steht die Musik im Vordergrund. Und die stand auch ganz am Anfang von Bekkaas eindrucksvoller Karriere.

Kiosk mit Fenster und "OPEN"-Schild, Motorrad mit Gepäckträger im Vordergrund, bunte Werbetafeln.
Foto: Neven Allgeier
Bunte Liliensträuße in weißen Papierverpackungen, frisch und zum Verkauf bereit.
Foto: Neven Allgeier
Ein runder Brunnen mit sprudelndem Wasser und glänzenden Steinen, umgeben von Bäumen und einer Reihe von Stühlen.
Foto: Neven Allgeier

„Wir können uns positionieren. Wir können uns austauschen. Dabei merken wir dann, dass wir nicht allein sind.“

Rebekka Sara Czuba aka Bekkaa

Von der Internet-Poesie zum Song mit dem Kindheitsidol

Mit 16 hat sie zusammen mit ihrem damaligen Freund im Kinderzimmer ihre ersten Songs aufgenommen und auf TikTok hochgeladen. „Daraufhin hat sich ein Musiker bei mir gemeldet, der ein absolutes Kindheitsidol von mir war: LiontTV. Wir haben zusammen einen Song aufgenommen.“ Das Feature mit dem reichweitenstarken Youtuber bescherte Bekkaa rund 7000 Follower*innen. „Das war mein erster Schritt in die Öffentlichkeit“, erinnert sie sich. „Darauf wollte ich aufbauen.“

Um ihre Musikkarriere zu pushen, nahm Bekkaa Videos auf, in denen sie – unterlegt mit dramatischer Musik – über ihre Gefühle sprach. Liebekummer, Zukunftsängste und Selbstzweifel waren die Themen, die bei der Generation Z einen Nerv trafen. „Diese Videos bekamen bald so viel Aufmerksamkeit, dass meine Musik dadurch fast in den Hintergrund geraten ist.“ Einzelne Clips wurden in den sozialen Medien inzwischen millionenfach geklickt. Es waren ihre eigenen Tagebücher, von denen sich Bekkaa zu ihrer Internet-Poesie inspirieren ließ. „Die Texte habe ich nur leicht verfremdet, um mich weniger verletzlich zu machen.“

Mittlerweile studiert Bekkaa soziale Arbeit an der Frankfurter Uni und lebt seit zwei Jahren in einer glücklichen Beziehung. „Am besten kommen aber immer noch meine Texte an, in denen es um Herzschmerz geht.“ Will sie wissen, wie sich das anfühlt, muss sie alte Tagebücher aufschlagen, von denen sie noch heute zehrt. Sie wendet sich aber auch Themen zu, die sie inzwischen mehr interessieren – Feminismus und Politik zum Beispiel. „Durch das Internet rückt das Weltgeschehen heute ganz nah an uns heran. Wenn einem Frieden, Gleichberechtigung und Umweltschutz wichtig ist, kann einen das erdrücken. Andererseits können wir im Netz kreativ werden. Wir können uns positionieren. Wir können uns austauschen. Dabei merken wir dann, dass wir nicht allein sind.“

Über Sommerhits, Musik Open Airs und Urlaub

Kurz vor unserem Treffen ist Bekkaas Song „Birkenstocks“ erschienen, der das Zeug zum Sommerhit hat. Sie beschwört darin die jugendliche Leichtigkeit längst vergangener Sonnentage herauf. Produziert wird ihre Musik inzwischen meist in Berlin. „Anders als in Frankfurt gibt es dort eine Bubble von Gleichgesinnten, die ebenfalls Dreampop und Alternative-Musik mit deutschen Texten mögen. Frankfurt hingegen ist ja eher eine Rap-Stadt.“

Anfang Juli veranstaltet Bekkaa in Köln nun schon zum zweiten Mal das „Große Grüne Wiese Open Air“, das nach einem ihrer Songs benannt ist. Sie ist das Gesicht der Veranstaltung, kümmert sich um das Line-Up, steht aber auch selbst auf der Bühne. Live wird sie von dem Gitarristen Josh begleitet. Früher war das der Job von Patrik Wamser, der auch Bekkaas Manager ist, außerdem einer ihrer Produzenten – und ein guter Freund. Nächstes Jahr plant sie, wieder mit einer kompletten Band auf Tour zu gehen. Diesen Sommer macht Bekkaa aber erst einmal auf einigen Festivals Station – in Waiblingen und in Pütnitz zum Beispiel. „Dazwischen fahre ich zusammen mit meiner Mama nach Kopenhagen. Dann lege ich einfach mal das Handy beiseite und mache eine Woche lang Urlaub.“

Ihre Mutter ist die Autorin Susanne Konrad. Bekkaa ist ganz selbstverständlich mit Literatur aufgewachsen. Auch sie selbst hat schon ein richtiges Buch herausgebracht. Eine Sammlung ihrer Texte wurde vor zwei Jahren beim Verlag Community Editions veröffentlicht. „Fühlst Du?“ lautete der Titel. Auch Musik spielte schon früh eine Rolle in Bekkaas Leben. Sie sang im Chor und lernte Klavier. Ihren ersten Auftritt hatte sie als Kind in der Frankfurter „Brotfabrik“. Dort sang sie Lieder aus Musicals wie „Aladin“ und „Die Eiskönigin“.

Grüne Bäume, parkende Autos, eine Bank und Lichterketten in einem ruhigen Stadtbereich.
Foto: Neven Allgeier
Junge Frau in schwarzem Hoodie und Hose sitzt auf einer Bank im Freien, umgeben von Bäumen und grünem Hintergrund.
Foto: Neven Allgeier

Ein Podcast ganz in Eigenregie?

Bekkaa erzählt von ihren Podcast-Plänen. Bis vor einem Jahr moderierte sie das Talk-Format „gehmalzumpodcast“, in dem sie mit Singer-Songwriter-Kolleg*innen etwa über mentale Gesundheit und Zukunftspläne sprach. Damals arbeitete sie im Auftrag eines Produktionsteams. Ihr neues Projekt will sie komplett in Eigenregie realisieren. Eine konkrete Idee gibt es zwar noch nicht, doch das nötige Equipment hat sie sich schon besorgt.

Die Herzen auf dem Milchschaum unserer Getränke sind längst verschwunden. Wir verlassen das Café. Bekkaa muss einen Zug erwischen. Am Abend unseres Treffens steht sie an der Seite von DJ BUNT auf einer Bühne in München. Für die aktuelle Tour des Musikers hat sie ein Spoken-Word-Intro, das den emotionalen Auftakt zu all seinen Shows bildet, sowie 5 Poesie-Texte verteilt über das ganze Set geschrieben. Ein Hotelzimmer hat sie noch nicht gebucht. „Ich bin eher so der spontane Typ“, sagt Bekkaa.

Ein bisschen Zeit bleibt aber noch. Bekkaa streift mit uns durch ihr Frankfurter Lieblingsviertel. „Ich bin eine Nordendmaus“, bekennt sie. Rund um den Matthias-Beltz-Platz trifft sie sich manchmal mit Freund*innen, um ein Bier zu trinken. Auch den Günthersburgpark besucht sie gerne. Wer aufmerksam hinsieht, kann die Straßen und Orte des Stadtteils auch in ihren Videos entdecken, die mit Alltagszenen aus ihrem Leben gespickt sind.

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