Straight-Edge-Konzert
© Die Band Spiral in der Oettinger Villa, Darmstadt, 2024, Foto: Josi Hoffmann

Die SCHIRN in 2026

Vielseitige Ausstellungen, künstlerische Interventionen im Außenraum und eine einmalige Jubiläumswoche zum 40-jährigen Bestehen: So wird 2026 in der SCHIRN!

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Die SCHIRN feiert 2026 ihr 40-jähriges Bestehen. 1986 eröffnet, ist sie heute eines der renommiertesten Ausstellungshäuser für moderne und zeitgenössische Kunst in Europa. Der ikonische postmoderne Bau der SCHIRN im Frankfurter Stadtzentrum wird im Jubiläumsjahr umfassend energetisch saniert, in der Zwischenzeit präsentiert die Kunsthalle ihr Programm bis 2028 temporär in dem Fabrikgebäude der ehemaligen Dondorf Druckerei in Frankfurt Bockenheim. Save the Date: Den runden Geburtstag feiert die SCHIRN von 8.–10. Mai mit einem großen Jubiläumswochenende!

2026 wird zudem eine Serie mit künstlerischen Interventionen im Außenraum der SCHIRN in Bockenheim beginnen. Thema ist die temporäre Phase der Zwischennutzung und ebendieser Zustand des Übergangs und Vorübergehens.

Außerdem erwartet euch auch 2026 ein erstklassiges Ausstellungsprogramm: Ausstellungen mit eindrucksvollen audiovisuellen Arbeiten mit sozio-politischen Anliegen in widerständigen Musik- und Jugendbewegungen, Ausstellungen mit einem Blick auf die serielle Revolution mit Thomas Bayrle, einer vielschichtigen Perspektive zum Verhältnis zu KI, ökofeministischen, utopisch-apokalyptischen Visionen der Zukunft unserer Umwelt sowie die große Retrospektive von Leonor Fini.

Bárbara Wagner und Benjamin de Burca. The Tunnels We Dig

29. Januar – 26. April 2026

Bárbara Wagner (*1980) & Benjamin de Burca (*1975) widmen sich seit über einem Jahrzehnt kulturellen Bewegungen und kollektiven Praktiken, die außerhalb des etablierten Gebiets der zeitgenössischen Kunst stattfinden. In ihren Videoarbeiten untersuchen sie künstlerischen Ausdruck, kulturellen Widerstand oder die Aushandlung von Identität. Porträtiert werden lokal geprägte, heute intergenerationale Szenen, die jeweils in den 1970er-, 1980er-Jahren als Jugendbewegungen mit eigenständigen kulturellen oder musikalischen Strukturen und Referenzsystemen entstanden.

In der ersten großen Einzelausstellung in Deutschland steht eine eigens entwickelte Neuproduktion im Mittelpunkt. Diese Videoinstallation widmet sich der aktuellen Hardcore-Szene und insbesondere Straight Edge (kurz „sXe“) in Deutschland – eine Bewegung, die an der Ostküste der USA als „cleane“ Gegenkultur innerhalb der Post-Hardcore-Punkszene der 1980er-Jahre begann.
Wagner & de Burca setzen diese in der SCHIRN in den Kontext weiterer Musikbewegungen: mit der Brega-Szene aus Recife, die in den 1970er-Jahren im Nordosten Brasiliens aufkam und Kanadier*innen der ersten und zweiten Generation afro-karibischer Herkunft, die in einem Akt der Selbstermächtigung den öffentlichen Raum der U-Bahn in Toronto künstlerisch einnehmen.

Eindrucksvoll thematisieren die audiovisuellen Arbeiten der Schau jeweils drängende sozio-politische Anliegen in den Gemeinschaften der Darsteller*innen; sie greifen kulturelle Ausdrucksformen auf, mit denen diese sich identifizieren und eine Stimme finden. Bezeichnend für den künstlerischen Prozess von Wagner & de Burca ist die kollaborative Zusammenarbeit: Die jeweiligen Gruppen sind aktiv an der Gestaltung von Skript, Bühnenbild, Musik, Choreografie und Inszenierung beteiligt.

Kuratorin Katharina Dohm (SCHIRN)
Kuratorische Assistentin Cornelia Eisendle

Straight-Edge-Konzert
© Die Band Spiral in der Oettinger Villa, Darmstadt, 2024, Foto: Josi Hoffmann
Eine Person mit Tattoos und blonden Haaren blickt in einen Spiegel, umgeben von bunten Lichtern.
Bárbara Wagner & Benjamin de Burca, Estás vendo coisas / You are seeing things, 2016. Film still (MC Porck and Dayana)
© Courtesy of the artists and Fortes, D’Aloia & Gabriel, São Paulo/Rio de Janeiro
Straight-Edge-Konzert
© Die Band Spiral in der Oettinger Villa, Darmstadt, 2024, Foto: Josi Hoffmann

Thomas Bayrle. Fröhlich sein!

12. Februar – 10. Mai 2026

Der in Frankfurt lebende Künstler Thomas Bayrle (*1937) behandelt in seiner Kunst grundlegende Aspekte der modernen Gesellschaft. In der großen Soloschau sind 55 Werke zu sehen, insbesondere aus den letzten 20 Jahren, darunter Malerei und Grafik, Skulptur und Objektkunst sowie Soundinstallationen und eine Videoarbeit.

Wie hängen Religion und Gesellschaft, Individuum und Masse, industriell gefertigte Produkte und die technischen Apparate ihrer Herstellung zusammen? Neben den Strukturen von Konsum, Urbanität und Technologie spielen Fortbewegung, Pop- und Massenkultur sowie (Ersatz-)Religion eine zentrale Rolle. Der Künstler widmet sich populären Werken der Kunstgeschichte von Michelangelo über Caravaggio und Masaccio bis hin zu Claude Monet ebenso wie dem Thema der Arbeit.

In den 1960er- und 1970er-Jahren legte er den innovativen Grundstein seiner charakteristischen Superformen. Das Wiederholen, Vernetzen und Verweben von Einzelelementen zu einem Gesamtbild findet sich bis heute in nahezu allen Werken Bayrles und ist eng verbunden mit der Biografie des Künstlers. Bayrle absolvierte zunächst eine Lehre als Maschinenweber, bevor er sich der Gebrauchs- und Druckgrafik zuwandte. Die dort angewandten Drucktechniken hat er sowohl materiell als auch konzeptionell in seiner Kunst weitergeführt, die den Weg von der Analogtechnik zur heutigen omnipräsenten Digitalität beschreibt. So gehen seine Werke mit dem aktuellen Ausstellungsort der SCHIRN, dem Industriegebäude der ehemaligen Dondorf Druckerei, einen besonderen Dialog ein.

Kurator Matthias Ulrich (SCHIRN)
Kuratorische Assistentin Theresa Dettinger

Künstlerische Collage mit figurativem Motiv, das farbige Muster und städtische Elemente vereint.
Thomas Bayrle, Ascension I, 2019, Digitaldruck, Acryl und Bleistift auf Leinwand, 180 x 130 cm
© Thomas Bayrle, VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin, Foto: Wolfgang Günzel
Kunstwerk aus bunten Mustern, das verschwommen eine figürliche Darstellung zeigt, in den Hauptfarben Blau, Gelb und Rot.
Thomas Bayrle, Pope II, 2021, Digitaldruck auf Leinwand, 176 x 180 cm
© Thomas Bayrle, VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin, Foto: Wolfgang Günzel
Thomas Bayrle, Roll over Smartfon I, 2019, Acryl und Digitaldruck auf Leinwand, 200 x 200 x 2 cm
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Sammlung KiCo, © Thomas Bayrle, VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Foto: Wolfgang Günzel

The World Through AI

11. Juni – 20. September 2026

Die große Sommerausstellung zeigt Kunstwerke aus den letzten zehn Jahren, die sich mit den kognitiven, psychologischen, politischen und ökologischen Dimensionen der Künstlichen Intelligenz (KI) auseinandersetzen. KI-Technologien verändern grundlegend, wie Bilder erzeugt, bearbeitet, verbreitet, beschrieben und betrachtet werden. Ihr Einfluss auf die visuelle Kultur und die zeitgenössische Kunstpraxis gehört zu den sichtbarsten Phänomenen in diesem Bereich, der von undurchsichtigen technischen Prozessen dominiert wird.

Die umfassende Themenausstellung bespielt beide Ausstellungsflächen der SCHIRN mit rund 40 Werken, u. a. Videoinstallationen, Grafiken, Skulpturen und Fotografien. Beleuchtet wird ein breites Themenspektrum, das Ressourcen und Umweltfaktoren ebenso umfasst wie Fragen der Wahrnehmung, maschinelles Sehen oder Gesichts- und Emotionserkennung. Die Werke von 25 internationalen Künstler*innen, darunter Hito Steyerl, Kate Crawford & Vladan Joler und Agnieszka Kurant, thematisieren Mikroarbeit, die Etablierung alternativer Geschichtsschreibungen bis hin zu möglichen Zukunftsvisionen. Weitere Aspekte sind sogenannte AI Slop und Slopaganda (die Verwendung von KI-generierten Bildern als neue Form der politischen Propaganda). Eine Reihe von Zeitkapseln – kleine Kuriositätenkabinette – verbinden in der Schau die Gegenwart mit der Vergangenheit und betten so die aktuellen Veränderungen durch neue Technologien in einen historischen Kontext ein.

Kurator*innen Antonio Somaini (Jeu de Paume, Paris) in Zusammenarbeit mit Katharina Dohm (SCHIRN)
Kuratorische Assistentin Cornelia Eisendle

Bunte, surreale Szenen mit kriegerischen Figuren, einem Einhorn und fantasievollen Charakteren in verschiedenen Posen.
Holly Herndon & Mat Dryhurst, Xhairymutantx, 2024-2025, Digitale Bilder generiert durch ein individuell angepasstes KI-Modell
© Holly Herndon & Mat Dryhurst

Anna Hulačová

1. Oktober 2026 – 10. Januar 2027

Die figurativen Skulpturen von Anna Hulačová (*1984) verbinden Einflüsse von Surrealismus, sowjetischem Brutalismus und tschechischer Volkskunst zu einem eigenständigen Kosmos. Im Rahmen des tschechischen Gastlandauftritts auf der Frankfurter Buchmesse zeigt die SCHIRN die erste Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland. Hulačová, die auf einem Bauernhof aufwuchs, schöpft ihre Kunst aus der tiefen Verbundenheit mit Pflanzen und Tieren.

Das Verhältnis von Mensch und Natur erkundet die Künstlerin aus ökofeministischer Perspektive. In ihren Arbeiten thematisiert sie den Verlust von Biodiversität, das Insektensterben und die Folgen industrieller Landwirtschaft. Die Biene wird als Symbol kollektiver Arbeit, ökologischer Krise und mystischer Unsterblichkeit zur zentralen Metapher und Koproduzentin ihrer Werke. In Gemeinschaft mit ihren eigenen Bienenvölkern lässt sie hybride Wesen und gesichtslose Science-Fiction-Figuren entstehen, in denen Beton und Bienenwaben, Organisches und Technoides, Natur und Maschine verschmelzen. Hulačovás utopisch-apokalyptische Visionen sind von der Sorge um die Zukunft unserer Umwelt und zugleich von poetischer Vorstellungskraft durchdrungen.

KURATORIN Martina Weinhart (SCHIRN)
Kuratorische Assistentin Theresa Dettinger

Kreative Wandinstallation aus Holz mit pflanzlichen Elementen und geometrischen Formen in neutralen Farben.
Anna Hulačová, Oskeruše (Sorbus domestica), 2024
© Anna Hulačová, courtesy of the artist and Hunt Kastner, Prague, Foto: Václav Litvan
Skulptur einer menschlichen Figur mit hohlem Kopf, die ein Huhn trägt, aus grauem Material, moderne Kunst.
Anna Hulačová, Chicken Thief, 2024
© Anna Hulačová, courtesy of the artist and Hunt Kastner, Prague, Foto: Michal Czanderle

Leonor Fini

11. Juni – 20. September 2026

Leonor Fini (1907–1996) war als Künstlerin wie auch als Privatperson eine Rebellin. Priesterinnen, Sphinxe, hybride Gestalten – mit ihrem charakteristisch altmeisterlichen Stil schuf sie traumartige Szenen, die klassische Geschlechterrollen umkehren. Die SCHIRN widmet der Künstlerin die erste große Retrospektive in Deutschland und präsentiert mit rund 100 Werken einen umfassenden Einblick in ihr Œuvre.

Trotz ihrer Nähe zum Surrealismus bewahrte sich Fini stets ihre Unabhängigkeit und entfaltete eine unverwechselbare Bildsprache zwischen Traum, Mythos und theaterhaften Inszenierungen. Geboren in Buenos Aires, aufgewachsen in Triest und geprägt von der Renaissance, dem Symbolismus, der deutschen Romantik sowie dem magischen Realismus entwickelte die Autodidaktin kraftvolle Darstellungen starker Frauen und androgyner Figuren, häufig als Neuinterpretationen historischer Vorbilder. Emanzipation, Genderfluidität, Eros, Okkultismus, Tod und Verwandlung durchziehen ihr Werk ebenso wie der spielerische Umgang mit Masken, Kostümen und Rollenbildern. Die Auseinandersetzung mit ihrer Rolle als Frau und Künstlerin ist ein zentrales Thema ihres Werks. Von Beginn an inszenierte sich Fini selbstbewusst als libertinäre, glamouröse Ikone. Die Ausstellung zeigt mit Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und Objekten aus rund 70 Jahren Finis lange und faszinierende künstlerische Laufbahn.

Eine Ausstellung der SCHIRN in Kooperation mit dem Musée d‘Art Moderne de Paris – Paris Musées.

Kuratorin Ingrid Pfeiffer (SCHIRN)
Kuratorische Assistentin Cornelia Eisendle

Surreale Darstellung einer Frau im Wasser, umgeben von geheimnisvollen Objekten und einer dramatischen Landschaft.
Leonor Fini, Le Bout Du Monde (Das Ende der Welt), 1948, Öl auf Leinwand, 35 × 25 cm, Privatsammlung
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025/2026, Foto: Galerie Minsky, Paris