Die SCHIRN in 2026
02.01.2026
8 min Lesezeit
Vielseitige Ausstellungen, künstlerische Interventionen im Außenraum und eine einmalige Jubiläumswoche zum 40-jährigen Bestehen: So wird 2026 in der SCHIRN!
Thomas Bayrle. Fröhlich sein!
12. Februar – 10. Mai 2026
Der in Frankfurt lebende Künstler Thomas Bayrle (*1937) behandelt in seiner Kunst grundlegende Aspekte der modernen Gesellschaft. In der großen Soloschau sind 55 Werke zu sehen, insbesondere aus den letzten 20 Jahren, darunter Malerei und Grafik, Skulptur und Objektkunst sowie Soundinstallationen und eine Videoarbeit.
Wie hängen Religion und Gesellschaft, Individuum und Masse, industriell gefertigte Produkte und die technischen Apparate ihrer Herstellung zusammen? Neben den Strukturen von Konsum, Urbanität und Technologie spielen Fortbewegung, Pop- und Massenkultur sowie (Ersatz-)Religion eine zentrale Rolle. Der Künstler widmet sich populären Werken der Kunstgeschichte von Michelangelo über Caravaggio und Masaccio bis hin zu Claude Monet ebenso wie dem Thema der Arbeit.
In den 1960er- und 1970er-Jahren legte er den innovativen Grundstein seiner charakteristischen Superformen. Das Wiederholen, Vernetzen und Verweben von Einzelelementen zu einem Gesamtbild findet sich bis heute in nahezu allen Werken Bayrles und ist eng verbunden mit der Biografie des Künstlers. Bayrle absolvierte zunächst eine Lehre als Maschinenweber, bevor er sich der Gebrauchs- und Druckgrafik zuwandte. Die dort angewandten Drucktechniken hat er sowohl materiell als auch konzeptionell in seiner Kunst weitergeführt, die den Weg von der Analogtechnik zur heutigen omnipräsenten Digitalität beschreibt. So gehen seine Werke mit dem aktuellen Ausstellungsort der SCHIRN, dem Industriegebäude der ehemaligen Dondorf Druckerei, einen besonderen Dialog ein.
Kurator Matthias Ulrich (SCHIRN)
Kuratorische Assistentin Theresa Dettinger
Leonor Fini
11. Juni – 20. September 2026
Leonor Fini (1907–1996) war als Künstlerin wie auch als Privatperson eine Rebellin. Priesterinnen, Sphinxe, hybride Gestalten – mit ihrem charakteristisch altmeisterlichen Stil schuf sie traumartige Szenen, die klassische Geschlechterrollen umkehren. Die SCHIRN widmet der Künstlerin die erste große Retrospektive in Deutschland und präsentiert mit rund 100 Werken einen umfassenden Einblick in ihr Œuvre.
Trotz ihrer Nähe zum Surrealismus bewahrte sich Fini stets ihre Unabhängigkeit und entfaltete eine unverwechselbare Bildsprache zwischen Traum, Mythos und theaterhaften Inszenierungen. Geboren in Buenos Aires, aufgewachsen in Triest und geprägt von der Renaissance, dem Symbolismus, der deutschen Romantik sowie dem magischen Realismus entwickelte die Autodidaktin kraftvolle Darstellungen starker Frauen und androgyner Figuren, häufig als Neuinterpretationen historischer Vorbilder. Emanzipation, Genderfluidität, Eros, Okkultismus, Tod und Verwandlung durchziehen ihr Werk ebenso wie der spielerische Umgang mit Masken, Kostümen und Rollenbildern. Die Auseinandersetzung mit ihrer Rolle als Frau und Künstlerin ist ein zentrales Thema ihres Werks. Von Beginn an inszenierte sich Fini selbstbewusst als libertinäre, glamouröse Ikone. Die Ausstellung zeigt mit Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und Objekten aus rund 70 Jahren Finis lange und faszinierende künstlerische Laufbahn.
Eine Ausstellung der SCHIRN in Kooperation mit dem Musée d‘Art Moderne de Paris – Paris Musées.
Kuratorin Ingrid Pfeiffer (SCHIRN)
Kuratorische Assistentin Cornelia Eisendle