20. August 2019

Sommerurlaub mit den modischsten Accessoires für Tagträumer und Lottogewinner: Surrealistische Kleider, wegweisende Käppis und Badetücher für den Hund – allesamt von Künstlern gestaltet.

Von Antonia Lagemann

Still photo from the film Le P’tit Parigot & Model wearing swimsuit designed by Sonia Delaunay, 1928, Image via amazonaws.com

Sonia Delaunay, Badeanzug und Illustration, 1928, Image via blogspot.com

Extravagante Bademode aus Strick

Für alle, die im Sommerurlaub gerne flanieren und dabei auch noch modisch auffallen möchten, hat Sonia Delaunay die Antwort: Die russisch-französische Malerin hat in den 1920ern erfolgreich mit verschiedenen Modedesignern kooperiert und ihre geometrisch-abstrakten Farbformen auf Badeanzüge, Mäntel und “driving caps” übertragen. Die Badeanzüge sind tatsächlich eher für die Promenade denn fürs Wasser geeignet: Trocknen könnte länger dauern.

Alex Israel, Vilebrequin Moorea trunks, Image via www.ft.com

Das ist die perfekte Welle

Funky times am Strand sind mit den “Vilebrequin Moorea trunks” garantiert. Aufgewachsen in Los Angeles, wollte Multimediakünstler und Brillendesigner Alex Israel mit der Badehose eine Anlehnung an seinen Teen Surf Movie “SPF-18” schaffen. Surfer hin oder her: Mit den grellen Farben kann man gut von der kleinen Plauze ablenken und genauso lässig an der Ostsee wie in Venice Beach ins Wasser hüpfen. 

Douglas Gordon, Non-Stop Cap, Image via gagosianshop.com
Monica Bonvicini, Guilt Cap, Image via koenig-souvenir.com
 

 

Aufgesetzte Lässigkeit

Wenn einem die Lässigkeit nicht ins Gesicht geschrieben steht, setzt man sie einfach auf. Die „Non-Stop“-Cap von Städelprofessor Douglas Gordon kann man abends bei der Beachparty gleich anlassen, damit ist auch eigentlich alles gesagt. „Guilt“ von der in Berlin lebenden Künstlerin Monica Bonvicini folgt dann am nächsten Morgen. Das geht hervorragend einher mit dem Anspruch der beiden Künstler, die Bedingungen des menschlichen Daseins zu hinterfragen. 

Sonnenanbeten mit Ansage

Für die „Tanning-Session“ benötigt man auch die passende Unterlage. Barbara Krugers Badehandtuch garantiert die Aufmerksamkeit der Baywatch-Crew, und mit Norbert Biskys „Tribut an Jugend, Freiheit und Sexualität“ ist man in mindestens genauso starker Begleitung wie mit Laurie Simmons Tomaten-Strandtuch, das weibliche Stereotypen herausfordert. Der wie immer humorvolle Künstler David Shrigley hat sogar an unsere treuesten Begleiter gedacht – und ein Hundehandtuch designt.

Richard Prince, Moschino Limited Edition Red, White & Transparent Vinyl Tote Bag, 2000, Image via fineart.ha.com
It-Bag

Korbtasche oder Jutebeutel? Längst passé. Wer wirklich ein Statement am Strand hinterlassen möchte – und seine extravaganten Badeaccessoires gerne für alle sichtbar spazieren führt – kann sich diese vom Appropriation-Artist Richard Prince designte Tasche anlegen. Und sollte man aufgrund solch verheerender Missverständnisse tatsächlich kein Dach mehr über dem Kopf haben, kann man die Tasche auch notfalls als Regenhut aufsetzen.

„Nur Kunst ist Chef“

Als Kind war es der lästige Sonnenschutz am Strand – ein Horror, wenn man damit auch noch schwimmen gehen musste. Heutzutage ist das T-Shirt der wohl einfachste Weg, Statements zu setzen, ohne den Mund dafür aufzumachen. Doch die sind meistens ziemlich peinlich. Eine Ausnahme bilden die Statement-Shirts der Künstler Richard Prince und Jonathan Meese, letzterer bekannt für seine gelegentlichen Grenzüberschreitungen: Damit beweist man Stil und Eloquenz zugleich.

David Hockney x The Ritva Man, Image via blogspot.com

Für die frische Brise

Mit diesem Pullover kann man bei frischer Nordseebrise genauso auftrumpfen wie abends an der Beach Bar. Designt wurde er vom Maler David Hockney – den meisten durch seine Poolbilder bekannt – in Kooperation mit The Ritva Man und stammt aus dem Jahre 1971. Wer rausfindet, an wen der Pulli vor einigen Jahren versteigert wurde, hat vielleicht noch Chancen auf dieses stylische Unikat.

Abendrobe

Mit diesem Kleid muss man im Restaurant nie wieder verstohlen ins Wörterbuch gucken. Wer Probleme hat, die fremdsprachige Menükarte zu entziffern, zeigt einfach auf sein “Lobster Dress”. Designt wurde es 1937 von Modedesignerin Elsa Schiaparelli in Kooperation mit dem surrealistischen Künstler Salvador Dalí – und rund 80 Jahre später nochmal neu aufgelegt. Alle, denen die Hummer-Robe zu festlich ist, greifen einfach zum schnittigeren Campbell’s Soup-Kleid. Das “Souper Dress” von Pop Art-Künstler Andy Warhol sollte man allerdings nicht bei Regen ausführen – es ist aus Papier.

Elsa Schiaparelli und Salvador Dalí, Le Roy Soleil, 1946, Image via fimgs.net

Einmal im Leben Sonnenkönig

Nach dem „Lobster Dress“ folgte wenige Jahre später, 1946, das von Elsa Schiaparelli und Salavdor Dalí entworfene Parfum „Le Roy Soleil“. Schiaparelli wollte damit das Ende des zweiten Weltkrieges feiern und arbeitete auch dieses Mal mit Dalí, der mit dem Design dem Sonnenkönig Louis XIV eine Hommage verleihen wollte. „Though too expensive and too sophisticated for the general public, it was a lovely object destined not to die,” so Schiaparellis Worte. Treffender hätte man es kaum beschreiben können. 

Miuccia Prada and Damien Hirst, Entomology collaboration © Prada and Damien Hirst/Science Ltd., Image via www.damienhirst.com

Krabbeltasche

Das Sahnehäubchen an Extravaganz und Dekadenz liefert dieses Handtäschchen. Die in Plexiglass eingeschweißten Insekten sorgen mit Sicherheit für Mückenschutz und ausreichend Smalltalk-Stoff, wie so viele Werke von Damien Hirst, bekannt für seine morbide Kunst und wichtigster Vertreter der Young British Artists. Einnahmen aus dem Verkauf der Tasche werden ROTA, Reach Out To Asia gespendet, einer Non-Profit Organisation, die sich für Bildung von Kindern und Jugendlichen weltweit einsetzt.

Damien hirst + Alexander McQueen, Monos Scaef, Courtesy Alexander McQueen, Image via www.designboom.com

I WANNA BE LIKE GRACE KELLY!

Da hätte Damien Hirst wieder was im Ange­bot. Zusam­men mit Alex­an­der McQueen hat er eine Hülle an schö­nen und, nun ja, weni­ger schö­nen Seiden­schals entwor­fen. So oder so glänzt man damit im Cabrio genauso umwer­fend wie Grace Kelly. Dann noch die Insek­ten-Bag und das Outfit für den Abend ist komplett. 

Alex Israel x Rimowa, Image via www.rimowa.com

Am Flughafen brillieren

Für einen wertvollen Inhalt braucht es auch die entsprechende Verpackung. Mit diesem von Alex Israel designten Rimowa-Koffer besteht mit Sicherheit keine Verwechslungsgefahr mehr an der Gepäckausgabe. Man sollte nur aufpassen, dass einem niemand absichtlich den Koffer klaut. In diesem Sinne: Safe trip!