22. Oktober 2018

Zum Auftakt von „König der Tiere“ disku­tie­ren Expertinnen über die Aktualität des von Kuhnert geprägten Afrika-Bildes. Wir stellen sie vor.

Von SCHIRN Magazin

Als einer der ersten europäischen Künstler bereiste Wilhelm Kuhnert Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die zu dieser Zeit noch weitgehend unerforschte damalige Kolonie Deutsch-Ostafrika. Die auf seinen Reisen entstandenen monumentalen Gemälde stellte Kuhnert international mit großem Erfolg aus und wurde so zum führenden Interpreten der afrikanischen Tierwelt. Die Ausstellung „König der Tiere. Wilhelm Kuhnert und das Bild von Afrika“, die vom 25. Oktober 2018 bis 27. Januar 2019 in der SCHIRN zu sehen ist, beleuchtet Kuhnerts Werk sowohl vor dem Hintergrund der Kunst- und Naturwissenschaftsgeschichte als auch der deutschen Kolonialgeschichte.

Sein Verhältnis zum Kolonialismus blieb ambivalent, doch ohne Frage wären weder die Logistik seiner Expeditionen noch der Markterfolg seiner Kunst ohne den Kolonialismus denkbar. „König der Tiere“ verdeutlicht, wie Kuhnerts Werk die allgemeine Vorstellung von der Tierwelt und Landschaft Afrikas im 19. Jahrhundert nachhaltig und zum Teil bis heute geprägt hat. Doch wie ist das in den heutigen Diskurs einzuordnen? Wie können Kuhnerts Arbeiten als prägende Bildsprache in der Afrika-Rezeption bewertet werden? In einer Podiumsdiskussion diskutieren Experten mit den Kuratoren der Ausstellung, Philipp Demandt und Ilka Voermann, über die Thesen und Themen der Ausstellung aus heutiger Perspektive. Bianca Schwarz vom hr2 wird das Kolloquium, an dem auch SCHIRN-Kuratorin Ilka Voermann teilnimmt, moderieren.

Felicitas Becker

Felicitas Becker ist Professorin an der Universität Gent mit Fokus auf der Geschichte des Islam, der Entwicklungspolitik in Tansania und den Folgen der Sklaverei Expertin der Geschichte Ostafrikas. Sie promovierte an der University of Cambridge und arbeitete an der School of Oriental and African Studies, London, an der Simon Fraser University, Vancouver und am renommierten Peterhouse in Cambridge. In Deutschland aufgewachsen, verbrachte sie die letzten 20 Jahre in Großbritannien, Tansania, Ungarn, Kanada und den USA, bevor sie 2016 an die Universität Gent wechselte. Es entstanden wichtige Publikationen, zum Beispiel über den antikolonialistischen Maji Maji-Aufstand von 1905-07. Aktuell beschäftigt sie sich vornehmlich mit religiöser Toleranz unter ostafrikanischen Muslimen. 

Vanessa Wijngaarden

Vanessa Wijngaarden ist Anthropologin, Filmemacherin und Journalistin und forscht an der Universität Johannesburg. Als Ostafrika-Expertin betrieb sie weitreichende Feldforschung zu den Massai in Tansania. Wiederkehrende Themen in ihrer Arbeit sind das Bild des „Anderen“ sowie die Interaktion von Mensch und Tier. In ihrem aktuellen Projekt beschäftigt sie sich mit den Schlüsselaspekten nonverbaler Mensch-Tier Kommunikation und der Kluft zwischen Natur und Kultur. Als ethnografische Filmemacherin verbrachte sie viele Jahre im ostafrikanischen Maasland. Daraus entstandenen international anerkannte Dokumentarfilme, wie „Eliamani's Homestead“, der 2017 beim Internationalen Filmfestival in Lissabon als bester Dokumentar-Kurzfilm ausgezeichnet wurde.

Dagmar Mundhenke

Die Journalistin Dagmar Mundhenke ist Redakteurin beim „Africa Positive Magazin“ und beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit Afrikaspezifischen Themen. Darüber hinaus ist sie Mitglied der Europäischen Märchengesellschaft, die sich für einen interkulturellen Austausch von Märchen sowie der Pflege und Verbreitung der oftmals mündlichen Erzählungen einsetzt. Der Verein „Africa Positive“  beruht auf afrikanisch-deutscher Zusammenarbeit und soll einen Gegenpol zur einseitigen Berichterstattung über afrikanische Länder darstellen. Erklärtes Ziel des Vereins ist unter anderem, einen Beitrag zur Integrationsförderung der in Deutschland lebenden Afrikaner und anderen Neubürgern zu leisten und eine Diskussionsgrundlage zu bieten.

Nadine Siegert

Nadine Siegert ist Wissenschaftlerin, Kuratorin und Herausgeberin und fokussiert sich auf moderne und zeitgenössische Kunst des sogenannten Globalen Südens. Seit 2011 ist sie stellvertretende Leiterin des Iwalewa Hauses in Bayreuth, wo die jüngsten Entwicklungen in der zeitgenössischen Kultur Afrikas vorgestellt und in Kooperationen mit Künstlern und Institutionen weiterentwickelt werden. Darüber hinaus ist Siegert Leiterin des Forschungsprojekts „African Art History and the Formation of a Modern Aesthetic“. Ihr aktuelles Interesse gilt dem Zusammenwirken von Afrikanischen Künstlern und dem Sozialismus im Kalten Krieg. 2013 promovierte sie mit dem Thema „(Re)mapping Luanda. Nostalgische und utopische Zugänge zu einem kollektiven Bildarchiv“.

Podiumsdiskussion

Ein Bild im Kopf: Wie präsent ist Kuhnerts Porträt von Afrika heute?

Do, 25. Oktober 2018, 19 Uhr