20. Juli 2019

Von George Michael, Mykki Blanco bis Christine and the Queens: Unsere queeren Lieblingshits im neuen SCHIRN SOUNDTRACK. Happy CSD Frankfurt!

Von DJ barbecute björn

2019 jähren sich nach 50 Jahren die „Stonewall-Riots, der Aufstand einer queeren Community gegen willkürliche Polizeigewalt in der New Yorker Bar Stonewall Inn. Noch heute gilt sie als Start der queeren Emanzipationsbewegung. Anlässlich des Christopher Street Day in Frankfurt, hat DJ barbecute björn, auch bekannt als Resident-DJ der queeren Parties „Atomic“ und „Club 78“ in Frankfurt, eine Playlist erstellt, die einen Bogen zwischen Classics und moderner LGBTQI*-Attitüde schlägt:

Diana Ross „I’m coming out“

Noch Fragen bei diesem Titel? Die Legende besagt, dass der Song aus der Schmiede der Chic-Produzenten Nile Rodgers und Bernard Edwards eigentlich als Duett mit Aretha Franklin geplant war. Als Inspiration diente eine Gruppe Drag-Queens, die zufällig die Straße runterliefen.

Erasure „A little Respect“

Neben Bronski Beat ist das Duo Erasure eines der erfolgreichsten offen schwulen Bands der Musikszene. Der scheue Vince Clark, ex-Depeche Mode- und ex-Yazoo-Bandmitglied, holte sich den quietschfidelen Frontmann Andy Bell ans Mikro und lieferte einen homoerotischen Ohrwurm nach dem anderen.

Christine And The Queens „Saint Claude” (Dim Sum Remix)

Die französische Sängerin Héloїse Letissier alias Christine And The Queens bezeichnet sich selbst als pansexuell und spielt gerne mit Genderrollen. Das drückt sie zum Beispiel in den Tanzchoreografien und Liveshows aus, aber auch durch verschiedene Alter-Egos, wie zuletzt als „Chris“.

Mashrou’ Leila „Fasateen“

Bereits seit zehn Jahren feiert die libanesische Band um den schwulen Frontmann Hamed Sinno und ihrem arabisch geprägtem Indie-Sound Erfolge. Mit ihren politischen Texten sind viele ihrer Songs – wie „Ala Babu“ oder „Shim El Yasmine“ –zu echten Queer-Hymnen geworden. Fans kommen mit Regenbogenflaggen zu Konzerten, was in arabischen Ländern schon zu Auftrittsverboten und Verhaftungen führte. 

George Michael „Outside“

Flucht nach vorne: Als George Michael 1998 in Los Angeles von einem Undercover-Polizisten beim Cruisen in einer öffentlichen Toilette verhaftet wurde, outete sich der Sänger kurzerhand und veröffentlichte „Outside“ – ein schmissiger Discosong mit offenem Bekenntnis zu jeder wie auch immer orientierten sexuellen Aktivität: „because I think about it all the time – 24-7“. Im Video tanzt er in Polizeiuniform durch eine zum Club umfunktionierte öffentliche Toilette – der Mann hat Humor!

MEN „Off our Backs“

Neben „Le Tigre“ ist MEN eines der erfolgreichen Projekte von Gender-Bender JD Samson. In ihren energiegeladenen Tanzsongs sprechen MEN immer wieder LGBTQI*-Rechte an. Der Titel dieses Songs ist eine Referenz ans das gleichnamige feministische Magazin: Political Correctness macht echt Spaß!

Hercules & Love Affair „My Offence“

Positive Power at it’s Best! Die New Yorker House-Combo um Andy Butler zeigt, wie Gender-Selbstbehauptung und -Stolz ohne Arroganz und Aggression zelebriert wird. Die flamboyante Rouge Mary zeigt’s den Machos („Are you talking to me? My name is not Girl!“) und liefert auch noch den passenden Schlachtruf: „Let yourself feel Cunt! Cunt! Cunt!”

Cazwell „All over your Face“

Der schwule New Yorker Disco-Fun-Rapper Cazwell covert Loose Joints House-Klassiker „Is it all over my Face“, der im Original vom Produzentenduo Arthur Russel und Steve D’Aquisto stammte, und macht daraus eine funky Dancenummer mit flapsiger Hip Hop-Attitüde. Play safe! 

Sylvester „You make me feel (Mighty Real)“

Hysterie! Hysterie! Disco-Hysterie! Als regenbogenbunter Soul-und Disco-Entertainer prägte der Sänger die sorgenfreie Disco-Ära, ließ mit seinen opulenten Shows Glitzer-Kings wie Liberace blass aussehen und überschritt mit seinen extravaganten Outfits die Gendergrenzen. Hedonismus pur – but I feel good!

Bronski Beat feat. Marc Almond „I feel Love / Johnny, remember Me“

Hier treffen sich die Richtigen: Bronski Beat hatten als geoutetes Trio mit „Smalltown Boy“ bereits die Hymne der 80er geschrieben. Marc Almond, Entertainer mit Faible für die düstere Seite des Glamours, überraschte nach seiner Chart-Karriere als Sänger des Synthie-Pop-Duos Soft Cell unter anderem mit Seefahrer-Chansons über Masturbation. Zusammen covern sie den Donna Summer-Klassiker „I feel Love“ und verweben ihn schmachtend mit John Laytons „Johnny, Remember Me“, das im Original gar nichts mit Homosexualität zu tun hatte. Hysterisch, Camp, Hi-Energy-Disco!

Cerrone Feat. Beth Ditto – „Supernature” (Alan Braxe Remix)

Ob als Frontfrau der queeren Indie-Combo „Gossip” oder als Solo-Star: Die selbstbetitelte „Fat Feminist Lesbian“ kann Blues-Rock und Discokugel gleichermaßen. Hier covert sie einen der größten Disco-Klassiker des französischen Produzenten Cerrone.

Boy George „No Clause 28” (Pascal Gabriel Mix)

Nachdem der anfangs eher sanfte Boy George seine mediale Asexualität ablegte („Sex? Ich bevorzuge lieber eine Tasse Tee!“), machte er sich ohne Scheu vor Konfrontationen in der queeren Emanzipationsbewegung stark. Zum Beispiel mit dem Song „No Clause 28“, der sich gegen ein Ende der 80er unter der Regierung Thatcher verabschiedetes Gesetz richtete, das öffentlichen Institutionen die „Förderung von Homosexualität“ verbot.

Mykki Blanco „New Feelings“

Der amerikanische Musiker Michael Quattlebaum Jr. gehört zur neuen queeren Rap-Generation, die gründlich mit der Macho-Attitüde des Hip Hop aufräumt. Mit „Mykki Blanco“ hat er sich ein weibliches Alter Ego geschaffen mit dem er ganz spielerisch die Geschlechtergrenzen verwischt.

Schrottgrenze „Sterne“

Die Pop-Punker mit dem poetischen Bandnamen liefern die Hymne der jungen, genderbewussten und sprachpolitisch sensiblen LGBTQI*-Community der IDAHOBITA*-Generation. Das ist „für Boys und Girls, und alle in-between (…) Lieb‘ doch einfach wen du willst“ – genau!

The Smiths „This Charming Man“

Die Ode an einen charmanten Mann wurde in Smiths-Frontmann Morrissey zur Realität: Schlafzimmerblick, aufgeknöpftes Hemd und ein Wiesenblumenstrauß in der Gesäßtasche der lässigen Jeans. Der Sänger selbst bezeichnete sich gerne als genderneutral und menschenliebend. Doch in jüngster Zeit engagiert sich der Brite zunehmend im rechten Parteispektrum.

Mykki Blanco, Image via crackmagazine.net

Wayne County & The Electric Chairs „Fuck off“

Wow: Wayne County – heute Jayne County – zeigte bereits Ende der 70er als rotzige Punkrockerin dem Hetero-Establishment den Mittelfinger und bewarf ihr Publikum von der Bühne mit Katzenfutter, das sie aus einer Show-Toilettenschüssel fischte. Machen wir uns nichts vor: Punk und Queer – das geht nicht automatisch Hand in Hand. Von daher zollen wir extra Respekt für eine bis heute tätige Trans-Aktivistin.

Melissa Etheridge „Like the Way I Do“

Der Powersong für alle gebrochenen Herzen, die in der Post-Trauerphase ihre Wut rauschreien möchten! Und das von einer Frauenrechtlerin und LGBTQI*-Aktivistin. Fast schon totgehört. Aber nur fast. Immer noch klasse!

Marianne Rosenberg „Marleen“

Als erste Interpretin brachte Marianne Rosenberg den original Philly-Discosound nach Deutschland. „Er gehört zu mir“ ist DIE Schlager-Homo-Hymne, „Marleen“ die elegantere Alternative.

Gloria Gaynor „I will survive“ / „I am what I am“

Wer das „gay” schon im Namen trägt … Die Discoqueen und Schwulenikone der späten 70er liefert gleich zwei Klassiker, die jede Drag-Queen schon mal lippensynchron vorgetragen haben sollte. Gloria Gaynors ermutigende Durchhalteparolen haben Generationen von Homos verinnerlicht. Happy Pride!

Wayne Country, Image via amazonaws.com