DOUBLE FEATURE

Nach einer pandemiebedingten Pause startet im September wieder die Film- und Videokunstreihe Double Feature der SCHIRN. Im Double Feature stellen Filmschaffende einmal im Monat ihre eigene Produktion vor, gefolgt von einem filmischen Werk ihrer Wahl. Im Gespräch mit den Kuratoren Katharina Dohm und Matthias Ullrich oder mit Gastkuratorinnen und -kuratoren diskutieren die Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten sowie aktuelle Tendenzen der Film- und Videokunst – jeden letzten Mittwoch im Monat

Double Feature versteht sich als Platt­form für unter­schied­li­che Tenden­zen und Ausdrucks­for­men der künst­le­ri­schen Film­pro­duk­tion

KRISTINA KILIAN

Kristina Kilian interessiert sich für verschollene Objekte und vergessene Geschichten, die sie in autofiktionalen Filmen in unsere Gegenwart zurückholt. Sie ergänzt diese Erzählungen, indem sie Interviews mit Zeitzeugen führt und in Archiven sowie an realen Schauplätzen recherchiert. Aus ihren Recherchen schreibt sie Szenarien, die auch eigene Erlebnisse und Gefühle miteinschließen. Die hybriden Filme bewegen sich zwischen Dokument und Fiktion und hinterfragen unseren Begriff von Realität.Mit ihrem letzten Film „Which Way to the West“ gewann sie den 3sat Förderpreis im Deutschen Wettbewerb bei den Kurzfilmtagen Oberhausen 2019

FILMSTILL AUS “Which Way to the West”, 2018, © Kristina Kilian

THOMAS BAYRLE

Der seit den 1950er Jahren in Frankfurt lebende Thomas Bayrle (geb. 1937) ist nicht nur einer der bekanntesten Künstler Deutschlands, sondern in gewisser Weise auch Pionier von computergenerierten Bildern. Das Zusammendenken von Maschine und Kunst steht im Zentrum seiner Arbeit, in der sich die Grenzen zwischen Pop Art und serieller Kunst, zwischen angewandter und freier Kunst, zwischen Sound und Bild auflösen und neu verbinden. In seinen neun kurzen Filmen, die zwischen 1970 und 2007 entstanden sind, vollzieht Bayrle einen simultanen Prozess seiner künstlerischen Arbeit, in der das Ganze und seine Teile einen methodischen und dekonstruktivistischen Tanz aufführen

FILMSTILL AUS “Autobahnkreuz”, 2006, © Thomas Bayrle
FILMSTILL AUS „Jail Bird in a Peacock Chair”, 2021, ©️ James Gregory Atkinson

JAMES GREGORY ATKINSON

James Gregory Atkinson reagiert auf die extreme Unvollständigkeit offizieller Archive Schwarzer Menschen, ihren Erzählungen und Kulturen, indem er alternative Wege der Begegnung mit der Vergangenheit schafft. In seinen multimedialen Arbeiten greift der Künstler hierfür auf die Geschichte von Queeren und Schwarzen Menschen zurück und bringt diese in einen Dialog mit gegenwärtigen Verhältnissen

VERGANGENE VERANSTALTUNGEN

Maya Schweizer

Die Suche nach Erinnerungen ist ein zentrales Thema in den Arbeiten von Maya Schweizer. Wie erinnern wir uns? Woran erinnern wir uns? An welchen Orten wird Geschichte sichtbar? Und wo bleibt sie verborgen? Diesen Fragen geht die Künstlerin in ihrem Film „Voices and Shells“ (2020) nach, der eigens für ihre Einzelausstellung „Stimmen“ (2020) in der Villa Stuck produziert wurde. In München, der einstigen „Hauptstadt der Bewegung“, lassen sich bis heute sichtbare Spuren des NS-Regimes finden. Maya Schweizer beginnt ihre Spurensuche in der Kanalisation und tastet sich langsam an die Oberfläche, zu Orten wie der Feldherrenhalle, dem Haus der Kunst und der Musikhochschule. In der Kombination aus selbst gefilmtem Material und Found Footage entsteht eine Collage aus sich überlagernden Geschichten aus individueller und kollektiver Erinnerung.

FILMSTILL AUS “Voices and Shells”, 2020, © Maya Schweizer