26. Januar 2018

Die MINISCHIRN ist groß geworden. Vor drei Jahren eröffnete die SCHIRN den permanenten Kreativ- und Lernparcours für Kinder. Im Interview freut sich Chantal Eschenfelder, Leiterin der Bildung und Vermittlung, über die vielen lachenden Gesichter der kleinen Besucher und verrät Zukunftspläne.

Von Simone Krämer
Was war das schönste Kompliment, das Sie und Ihr Team für die MINISCHIRN erhalten haben, Frau Eschenfelder?

„Hier ist die MINISCHIRN. Wir wollen in die MINISCHIRN!“ riefen neulich ganz laut zwei kleine Jungs, die mit ihrer Mutter aus dem U-Bahn-Aufgang am Römer kamen. Das ist natürlich toll, denn wir wollten einen einzigartigen Ort schaffen, den Kinder wirklich gerne besuchen und dabei spielerisch die Grundlagen von Kreativität und Gestaltung erwerben. Das Besondere an diesem Erlebnisparcours ist, dass sie eigenständig ihrem natürlichen Bewegungsdrang und ihrer Entdeckerfreude nachgehen und dabei ästhetische Erfahrungen machen.

Kinder am Farbkreis, Foto: Norbert Miguletz

30.000 glückliche Kinder in 3 Jahren MINISCHIRN. Welches Erfolgsrezept steckt dahinter?

Das liegt sicher an der Vielfalt der einzelnen Rauminszenierungen und Experimentierstationen. Die Architektur ist nahezu einzigartig: Sie erinnert an das Prinzip eines Baumhauses, in dem sich Kinder gerne mit viel Fantasie ihre eigene Welt einrichten. In der MINISCHIRN gibt es viel zu entdecken: mit allen Sinnen lassen sich ästhetische Basisfertigkeiten wie der Umgang mit Farbe, Form und Struktur erleben – vom Farbtunnel über den Spiegelraum, den Mustergenerator oder die Kinowippe. Sehr beliebt ist der Faltraum. Dort können Kinder aus großen, grünen Schaumstoffdreiecken, die sich mit Hilfe von Magneten verbinden und zu immer wieder neuen räumlichen Strukturen zusammensetzen lassen, Höhlen und Burgen bauen. Was trägt? Was fällt wieder zusammen? Beim Ausprobieren kommen die Kinder ganz nebenbei mit den Grundlagen geometrischer Konstruktionen in Kontakt.

MINISCHIRN, Kinder im Spiegelraum © Schirn Kunsthalle Frankfurt, Foto: Norbert Miguletz

Durch Tunnel krabbeln, mit Handpuppen spielen und im Spiegelkabinett Grimassen schneiden: Was unterscheidet die MINISCHIRN von einem Indoor-Spielplatz?

Der Unterschied ist das zugrunde liegende pädagogische Konzept: während die Kinder beobachten, klettern oder konstruieren, beschäftigen sie sich in der MINISCHIRN spielerisch mit den Ordnungsprinzipien der Kunst- und Alltagswelt. Sie gehen Farbphänomenen auf den Grund oder lassen sich von physikalischen Gesetzmäßigkeiten faszinieren. Dabei erhalten sie vielfältige sensuelle, motorische und kognitive Anregungen – ganz im Sinne einer ästhetischen Alphabetisierung. Das unterstützt sie in der Entfaltung ihrer Persönlichkeit und in ihrer psychomotorischen Entwicklung. Gerade in einer Zeit, in der die Ausbildung dieser Fähigkeiten im Alltag häufig zu kurz kommt, leistet die MINISCHIRN hierzu einen ganz wichtigen Beitrag.

Ein weiterer entscheidender Unterschied zu einem banalen Indoor-Spielplatz sind auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die als Lernbegleiter Impulse im Entdeckungsprozess der Kinder setzen und so das forschende Lernen vorantreiben und vertiefen.

MINISCHIRN, Kind an der Kegelbahn © Schirn Kunsthalle Frankfurt, Foto: Dirk Ostermeier

Die MINISCHIRN ist für Kinder von drei Jahren bis ins Grundschulalter konzipiert. Für Kinder, deren Eltern die laufende Ausstellung besuchen, ist der Eintritt frei. Was macht den permanenten Erlebnisraum im Eingangsbereich der SCHIRN so attraktiv, dass Kinder unterschiedlichen Alters immer wieder gerne kommen?

Die Kinder kommen immer in neuen Konstellationen wieder – mit Geschwistern, anderen Freunden, zu besonderen Ereignissen. So haben wir von Anfang an ein umfangreiches Begleitprogramm entwickelt: Kinder können etwa ihren Geburtstag in der MINISCHIRN feiern und dabei aus zehn verschiedenen Workshops das passende Programm auswählen. Die MINISCHIRN bietet auch für Kita- und Hortgruppen sowie Schulklassen vielfältige Bildungsangebote wie etwa das Farb- und Formlabor, in dem man einen Farbführerschein machen kann. Regelmäßig gibt es auch besondere Ferienangebote, die auf aktuelle Ausstellungen wie beispielsweise Basquiat. Boom for real Bezug nehmen. In den kommenden Osterferien gibt es Tagesworkshops. Hier geht es um die kreative Auseinandersetzung mit der Linie als Gestaltungsmittel.

Kind an der Eingangsrutsche, Foto: Norbert Miguletz

Die Ausstellungen in der Schirn wechseln, die MINISCHIRN bleibt. Gibt es neue Pläne für die kommenden Jahre?

Es war uns ganz wichtig, neben den wechselnden pädagogischen Programmen zu unseren Sonderausstellungen auch ein konstantes Bildungsangebot in der SCHIRN zu entwickeln: Familien und Bildungsinstitutionen im Rhein-Main-Gebiet können hierauf immer wieder zurückgreifen. Die Angebote in der MINISCHIRN schaffen die Basis für den späteren Umgang mit Kunst und sorgen dafür, dass zukünftige Ausstellungsbesuche für Kinder zu einem positiven Erlebnis werden. Das Programm wird ständig weiterentwickelt. Wir planen, den beliebten Familiennachmittag auszubauen, um dem steigenden Interesse von Eltern zu gerecht zu werden, die gemeinsam mit ihren Kindern die MINISCHIRN erleben wollen. Dabei werden auch Familien-Workshops angeboten: Beim gemeinsamen Gestalten können Kinder viel von Erwachsenen lernen, aber Eltern und Großeltern noch mehr von den Kindern. Auch wollen wir das MINISCHIRN-Angebot im Bereich Sprachförderung erweitern: Wir verknüpfen das visuelle Erleben und Lernen mit allen Sinnen mit dem Entdecken von Rhythmus und Klang der Sprache.

Frau Eschenfelder, vielen Dank!

Kinder im Steckraum, Foto: Norbert Miguletz
Chantal Eschenfelder, Leiterin Bildung und Vermittlung, Foto: Norbert Miguletz