Ausstellungsprogramm 2017

Magritte sah sich nicht als Künstler sondern vielmehr als denkender Mensch, der seine Gedanken durch die Malerei vermittelt.

MAGRITTE. DER VERRAT DER BILDER

10. Februar bis 5. Juni 2017

Das Jahr 2017 beginnt mit der konzentrierten Einzelausstellung des großen belgischen Surrealisten René Magritte, die sein Verhältnis zur Philosophie seiner Zeit abbildet. Ein Leben lang beschäftigte es ihn, der Malerei eine der Sprache gleichrangige Bedeutung zu verleihen. Seine Neugier und die Nähe zu großen Philosophen seiner Zeit, etwa zu Michel Foucault, führten ihn zu einem bemerkenswerten Schaffen, zu einer Verfremdung der Welt, die auf einzigartige Weise akkurate, meisterhafte Malerei mit konzeptuellem Denken verbindet.

René Magritte, La Lampe philosophique, 1936

Erstmals in Deutschland zeigt die Schirn Kunsthalle Frankfurt eine umfassende Retrospektive Richard Gerstls und versammelt nahezu alle Werke, die heute von ihm bekannt sind.

RICHARD GERSTL RETROSPEKTIVE

24. Februar bis 14. Mai 2017

Die Schirn widmet dem Maler Richard Gerstl die erste umfas­sende Retro­spek­tive in Deutsch­land. Er gilt als der „erste öster­rei­chi­sche Expres­sio­nist“, wurde nur 25 Jahre alt und wird in einem Atem­zug mit den großen Meis­tern der Wiener Moderne Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka genannt. In seinen weni­gen Lebens­jah­ren schuf der Künst­ler ein aufre­gen­des und unge­wöhn­li­ches, wenn auch über­schau­ba­res Werk von rund 80 Arbei­ten – eines mit beein­dru­cken­den Höhe­punk­ten und wegwei­sen­den Neue­run­gen. Gerstls Male­rei reflek­tiert seine Ausein­an­der­set­zung mit den Wider­sprü­chen der Moderne.

Richard Gerstl, Die Schwestern Karoline und Pauline Fey, März / April 1905

LENA HENKE

28. April bis 30. Juli 2017

Die Künstlerin Lena Henke verfolgt fasziniert die Systeme und Strukturen des städtischen Lebens, das sich mit seinen alltäglichen Geschichten in das Straßenbild, in Gebäude und Fassaden eingeschrieben hat. In einer zumeist minimalistischen Formensprache verknüpft die Künstlerin ihre Konzentration auf diese Transformationsprozesse und ihr übergeordnetes Interesse an Architektur, Stadtplanung, Land Art, menschlichen Beziehungen, Sexualität und Fetisch mit subtilen kunsthistorischen Bezügen. Für die Rotunde der Schirn wird die Künstlerin eine eigene Arbeit entwickeln, in der Innen und Außen miteinander verschmelzen und in der sie auf die Besonderheit des frei zugänglichen Raums eingehen wird

Detail der Freiheitsstatue in New York

Eine fast zornige Malerei zeigt sich, wenn Peter Saul die Schattenseiten des American Dream thematisiert.

PETER SAUL

2. Juni bis 3. September 2017

In seiner ganz eigenen Sprache hat der US-amerikanische Maler Peter Saul ab den späten 1950er-Jahren ein Crossover aus Pop Art, Surrealismus, Abstraktem Expressionismus, San Francisco Funk und Cartoon Culture entwickelt, in dem er politische und soziale Themen anzusprechen versteht. Nicht zuletzt ist sein Werk aber auch mit den ästhetischen Strategien der Gegenkultur in Kalifornien verbunden. Seine Malerei offenbart die Gleichzeitigkeit von überbordendem Humor und spielerischer, aber doch harscher Systemkritik. Witz, Slapstick, Sprachspiel, Comic, Persiflage, oft auch derber Humor sind die Mittel seiner karikaturhaften Angriffe auf die US-amerikanische Hochkultur. Erstmals in Europa präsentiert die Schirn einen umfassenden Überblick über das bislang zu wenig beachtete Werk dieses großen „artist’s artist“.

PEACE

30. Juni bis 24. September 2017

Die Darstellung von Frieden reduziert sich meist auf gängige Klischees und bekannte Symbolik. Die Schirn geht in einer diskursiven Gruppenausstellung einen anderen Weg und stellt vielmehr die Frage: Wie geht Frieden eigentlich? Zahlreiche Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler, u. a. von Pia Camil, Jan de Cock, Minerva Cuevas, Ed Fornieles, Surasi Kusolwong, Isabel Lewis, Lee Mingwei, Katja Novitskova, Agnieszka Polska und Timur Si-Qin, bieten eine neue, zeitgenössische Perspektive auf dieses Thema. Zur Ausstellung in der Schirn wird es zahlreiche Live-Events geben, wie etwa Poetry-Performances, Konzerte, Vorträge oder Kochsessions.

Peter Saul, Saigon, 1967
Timur Si-Qin, Visit Mirrorscape 2016: Now (2016)

Das Diorama setzt die menschliche Kenntnis der Welt in Szene, nicht ohne dabei die Wahrnehmung des Betrachters zu beeinflussen und nachhaltig herauszufordern.

DIORAMA. ERFINDUNG EINER ILLUSION

6. Oktober 2017 bis 21. Januar 2018

Die Schirn beleuchtet eine Kulturgeschichte des Sehens. Im Zentrum steht das Diorama, das Ereignisse, Geschichten und Lebensräume mit unterschiedlichen gestalterischen Mitteln wirklichkeitsgetreu inszeniert und rekonstruiert. Im 19. Jahrhundert vom französischen Maler und Wegbereiter der Fotografie, Louis Daguerre, als eine mit Lichteffekten belebte Schaubühne konzipiert, wurde es als Schaukasten aus Glas für Naturkundemuseen zur Illustration von Wissen die Präsentationsform schlechthin. Von der Moderne bis heute ist das Diorama eine wesentliche Inspirationsquelle. Die Ausstellung in der Schirn wird beeindruckende Dioramen und Werke präsentieren.

Man With Buffalo, Ottawa 2007

Realistische, ironische und groteske Arbeiten verdeutlichen den Kampf um die Demokratie und zeichnen das Bild einer Gesellschaft in der Krise und am Übergang.

GLANZ UND ELEND IN DER WEIMA­RER REPU­BLIK. VON OTTO DIX BIS JEANNE MAMMEN

27. Oktober 2017 bis 25. Februar 2018

In einer großen Themenausstellung wirft die Schirn einen Blick auf die Kunst im Deutschland der Jahre 1918–1933. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler hielten mit individueller Handschrift die Geschichten ihrer Zeitgenossen einprägsam fest: Realistische, ironische und groteske Arbeiten verdeutlichen den Kampf um die Demokratie und zeichnen das Bild einer Gesellschaft in der Krise und am Übergang. Die Ausstellung versammelt rund 200 Arbeiten von bekannten und bisher auch wenig beachteten Künstlerinnen und Künstlern – darunter Max Beckmann, Kate Diehn-Bitt, Otto Dix, Dodo, Conrad Felixmüller, George Grosz, Carl Grossberg, Hans und Lea Grundig, Karl Hubbuch, Lotte Laserstein, Alice Lex-Nerlinger, Elfriede Lohse-Wächtler, Jeanne Mammen, Oskar Nerlinger, Franz Radziwill, Christian Schad, Rudolf Schlichter, Georg Scholz und Richard Ziegler.

Kate Diehn-Bitt, Selbstbildnis mit Sohn, um 1933

BASQUIAT. BOOM FOR REAL

16. FEBRUAR BIS 27. MAI 2018

Im New York der 1970er-Jahre hinterließ Jean-Michel Basquiat mit Al Diaz unter dem Pseudonym SAMO© auf Häuserwänden Graffiti-Nachrichten, zeichnete mit seinem eigenen Blut, collagierte Baseball- und Postkarten, kreierte seine eigene Kleidung, malte auf Türen, Fensterrahmen und auf riesigen Leinwänden. Heute zählt Basquiat (1960–1988) zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Mehr als dreißig Jahre nach Basquiats letzter Präsentation in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland widmet die Schirn dem Werk des US-amerikanischen Künstlers eine große Überblicksausstellung. Erstmals wird dabei auch Basquiats Beziehung zu Musik, Text, Film und Fernsehen in einem übergeordneten kulturellen Zusammenhang deutlich.

Jean-Michel Basquiat, Untitled (1960), 1983

AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2017

01.12.2016 | Der Maler René Magritte (1898–1967) ist ein Magier der verrätselten Bilder. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet dem großen belgischen Surrealisten eine konzentrierte Einzelausstellung, die sein Verhältnis zur Philosophie seiner Zeit abbildet. Magritte sah sich nicht als Künstler sondern vielmehr als denkender Mensch, der seine Gedanken durch die Malerei vermittelt. Ein Leben lang beschäftigte es ihn, der Malerei eine der Sprache gleichrangige Bedeutung zu verleihen. Seine Neugier und die Nähe zu großen Philosophen seiner Zeit, etwa zu Michel Foucault, führten ihn zu einem bemerkenswerten Schaffen, zu einer Verfremdung der Welt, die auf einzigartige Weise akkurate, meisterhafte Malerei mit konzeptuellem Denken verbindet. Die in Kooperation mit dem Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, Paris, organisierte Ausstellung beleuchtet Magrittes zentrale Bildformeln, die sich mit dem Mythos der Erfindung und der Definition der Malerei befassen. Die quasi wissenschaftliche Methode, der Magritte in seiner Malerei folgte, bezeugt seinen Argwohn gegenüber einfachen Antworten und einem simplen Realismus. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert rund 70 Arbeiten, darunter zahlreiche Meisterwerke aus bedeutenden internationalen Museen, öffentlichen und privaten Sammlungen, u. a. dem Musée Magritte in Brüssel, dem Kunstmuseum Bern, dem Dallas Museum of Art, der Menil Collection in Houston, der Tate in London, dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Museum of Modern Art in New York, der National Gallery of Victoria in Melbourne und der National Gallery of Art in Washington D.C. Er ist der „erste österreichische Expressionist“ und für viele immer noch ein Geheimtipp: der Maler Richard Gerstl (1883–1908). Er wurde nur 25 Jahre alt und wird in einem Atemzug mit den großen Meistern der Wiener Moderne Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka genannt. In seinen wenigen Lebensjahren schuf der Künstler ein aufregendes und ungewöhnliches, wenn auch überschaubares Werk von rund 70 Arbeiten – eines mit beeindruckenden Höhepunkten und wegweisenden Neuerungen. Erstmals in Deutschland zeigt die Schirn Kunsthalle Frankfurt eine umfassende Retrospektive Richard Gerstls und versammelt nahezu alle Werke, die heute von ihm bekannt sind. Es ist das Œuvre eines Suchenden, das bereits vieles vorweg nahm, was erst später in der Kunstgeschichte ausformuliert wurde, etwa in der Malerei des Abstrakten Expressionismus der 1950er-Jahre. Das Porträt ist neben Akt und Landschaft Gerstls bevorzugtes Genre. Die Ausstellung in der Schirn präsentiert gestisch-wilde Gruppenbildnisse sowie Porträts von Personen aus seinem engsten Kreis oder auch sein Selbstporträt als Akt – das erste eines Künstlers überhaupt nach Albrecht Dürer. Richard Gerstls Malerei reflektiert seine Auseinandersetzung mit den Widersprüchen der Moderne: Er widersetzte sich stilistisch und inhaltlich der Wiener Secession, lehnte deren Schönheitsbegriff ab und malte gegen tradierte Regeln an. Er schuf schonungslose und selbstbewusste Bilder, die keinem Vorbild folgten und bis heute ihresgleichen suchen.

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MAGRITTE. DER VERRAT DER BILDER (10. FEBRUAR - 5. JUNI 2017), René Magritte, La Lampe philosophique, 1936, Öl auf Leinwand, 46 x 55 cm, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

MAGRITTE. DER VERRAT DER BILDER (10. FEBRUAR - 5. JUNI 2017), René Magritte, Les Mémoires d’un saint, 1960, Öl auf Leinwand, 80 x 99,7 cm, The Menil Collection, Houston © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

MAGRITTE. DER VERRAT DER BILDER (10. FEBRUAR - 5. JUNI 2017), René Magritte, La colère des dieux, 1960, Öl auf Leinwand, 80 x 70 cm, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

RICHARD GERSTL. RETROSPEKTIVE (24. FEBRUAR – 14. MAI 2017), Richard Gerstl, Selbstbildnis als Halbakt, 1902/03, Öl auf Leinwand, 159 x 109 cm, Foto: © Leopold Museum, Wien

RICHARD GERSTL. RETROSPEKTIVE (24. FEBRUAR – 14. MAI 2017), Richard Gerstl, Die Familie Schönberg, Ende Juli 1908, Öl auf Leinwand, 88,8 x 109,7 cm, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

RICHARD GERSTL. RETROSPEKTIVE (24. FEBRUAR – 14. MAI 2017), Richard Gerstl, Die Schwestern Karoline und Pauline Fey, März / April 1905, Öl auf Leinwand, 175 x 150 cm, Belvedere, Wien

LENA HENKE (28. APRIL – 30. JULI 2017), Detail of Torch Handle Pendant - Statue of Liberty Library of Congress, Prints & Photographs Division

PETER SAUL (2. JUNI – 3. SEPTEMBER 2017), Peter Saul, Saigon, 1967, Acryl, Öl, Emaille und Tinte auf Leinwand, 236,9 x 361,3 cm, Whitney Museum of American Art © Peter Saul, Foto: Sheldon C. Collins

PETER SAUL (2. JUNI – 3. SEPTEMBER 2017), Peter Saul, Ronald Reagan in Grenada, 1984, 210 x 180 cm, Acryl auf Leinwand © Hall Collection. Image courtesy of Hall Art Foundation, Foto: Jeffrey Nintzel

PEACE (30. JUNI – 24. SEPTEMBER 2017), Timur Si-Qin, Visit Mirrorscape 2016: Now (2016), Courtesy of the artist and Société gallery

PEACE (30. JUNI – 24. SEPTEMBER 2017), Katja Novitskova, Pattern of Activation (planetary bonds), 2015, Detail, mixed media, dimensions variable Courtesy the artist and Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin, Photo © Katja Novitskova

DIORAMAS. ERFINDUNG EINER ILLUSION (6. OKTOBER 2017 – 21. JANUAR 2018), Man With Buffalo, Ottawa 2007 © Photo: Richard Barnes

GLANZ UND ELEND IN DER WEIMARER REPUBLIK (27. OKTOBER 2017 – 25. FEBRUAR 2018), Kate Diehn-Bitt, Selbstbildnis mit Sohn, um 1933, Öl auf Sperrholz, 99 x 74 cm, Sammlung Kunsthalle Rostock

GLANZ UND ELEND IN DER WEIMARER REPUBLIK (27. OKTOBER 2017 – 25. FEBRUAR 2018), Otto Dix, Zuhälter und Prostituierte, 1923, Tinte und Wasserfarbe auf Papier, 51,5 x 38,2 cm, The Morgan Library & Museum, Foto: Janny Chiu 2015 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

GLANZ UND ELEND IN DER WEIMARER REPUBLIK (27. OKTOBER 2017 – 25. FEBRUAR 2018), George Grosz, Straßenszene (Kurfürstendamm, Berlin), 1925, Öl auf Leinwand, 82 x 62 cm, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

BASQUIAT. BOOM FOR REAL (16. FEBRUAR – 27. MAI 2018), Jean-Michel Basquiat, Untitled (1960), 1983, Courtesy Estate of Jean-Michel Basquiat Estate, Licenced by Artestar, NY © VG Bild-Kunst, Bonn 2017