Die Schirn stellt in einer umfang­rei­chen Themen­aus­stel­lung die Pioniere des Comic vor, die expe­ri­men­tier­freu­dig und progres­siv die künst­le­ri­schen und inhalt­li­chen Maßstäbe des frühen Comic setz­ten.

PIONIERE DES COMIC. EINE ANDERE AVANTGARDE

Spektakulär, groß und in Farbe eroberte der Comic ab 1897 sein Publikum. Bürgertum, Arbeiterklasse und das Heer von Einwanderern waren gleichermaßen fasziniert von den unbekannten Seherfahrungen, die ihnen in den US-amerikanischen Tageszeitungen begegneten. Der Comic war das erste Bildmassenmedium der Geschichte, millionenfach reproduziert. In einer Gesellschaft ohne Fernsehen und Internet war das revolutionär.
Die SCHIRN stellt in einer umfangreichen Themenausstellung die Pioniere des Comic vor, die experimentierfreudig und progressiv die künstlerischen und inhaltlichen Maßstäbe des frühen Comic setzten. Dabei werden auch die Wechselwirkungen zwischen den Comicstrips und bunten Zeitungsbeilagen mit den Entwicklungen der bildenden Kunst der Zeit deutlich. Die SCHIRN präsentiert für die Kulturgeschichte des Comic herausragende Serien von ausgewählten, vornehmlich US-amerikanischen Zeichnern: Winsor McCay, Lyonel Feininger, Charles Forbell, George Herriman, Cliff Sterrett und Frank King. Unvergessen sind Herrimans absurder Humor in Krazy Kat (ab 1913), die expressionistischen, kubistischen und surrealistischen Bildwelten von McCay und Sterrett, Feiningers Comicserien für die Chicago Tribune (ab 1906/07) oder der über drei Jahrzehnte in Echtzeit erzählte Comic Gasoline Alley von King (ab 1921). Mit Forbells Gesamtkunstwerk Naughty Pete (1913) kann ein heute eher unbekannter Zeichner in der Ausstellung wiederentdeckt werden. Er gehörte zu den vielen Künstlern, die sich nur kurz, aber äußerst progressiv, dem Comic widmeten, jedoch aus Mangel an Erfolg schnell wieder verschwanden.

Frank King, Gasoline Alley (seit 1918), Sonntagsseite des Boston Herald vom 2. November 1930, Privatsammlung