14. Juli 2018

Ab in den Urlaub! Das SCHIRN MAG hat die schönsten Reiseziele erkundet. Kuratorin Martina Weinhart war für uns in Los Angeles, auf der Suche nach versteckter Street Art und alten Filmpalästen.

Von Martina Weinhart
1. Street Art

Wo, wenn nicht in Los Angeles, findet man die beeindruckendste und vielfältigste Street Art? Vielleicht noch in São Paulo oder New York – aber der Downtown L.A. Arts District ist definitiv ein Eldorado für Street Art. Und die dezentralisierte Mega-Metropolis mit ihrem rasanten Wachstum bietet als Schmelztiegel der Weltkulturen noch genug Nischen für Street Art, auch jenseits organisierter Strukturen. Außerhalb der Museen kann man hier an jeder Ecke neue Entdeckungen machen – wie etwa die große Arbeit des Österreichers Nychos am Container Yard oder etwa an der Rückseite des American Hotel die "Abuelita" (Großmutter) als Porträt einer Navajo von El Mac, in Zusammenarbeit mit Kofie und Joseph Montalvo AKA Nuke One von der UTI Crew und und und – am besten wandert man dort herum und geht auf Entdeckungstour.

Nychos, Captain Hercules Fighting Hydra, The Container Yard, Foto: Martina Weinhart
El Mac, Kofie und Nuke One, Abuelita, Foto: Martina Weinhart
2. Chinese American Museum

Ob man Los Angeles als melting pot oder vielleicht doch eher als das genaue Gegenteil begreifen möchte, wie viele Angelenos argumentieren, Fakt ist, hier leben Menschen aus etwa 140 unterschiedlichen Nationen, die wiederum etwa 100 verschiedene Sprachen sprechen. Warum also nicht einmal in das Chinese American Museum anstatt ins LACMA gehen – und wenn man genug Zeit hat, natürlich am besten in beide.

Chinese American Museum, Foto: Martina Weinhart
3. El Pueblo de Los Angeles

Hier ist die Keimzelle von Los Angeles, in direkter Nachbarschaft zu dem Chinese American Museum und zu Chinatown. In der Olvera Street kann man seine Kraft für ästhetisches Urteilen überprüfen. Hier gibt es das für Mexico so typische Kunsthandwerk, vom bemalten Totenkopf aus Holz bis zur kleinen Schildkröte als Glücksbringer – zur Abwechslung mal eine ganz andere Kunst.

Instituto Cultural Mexicano de Los Angeles, Foto: Martina Weinhart
4. Union Station

Ja, Los Angeles ist definitiv eine Autostadt, aber sie war es nicht immer. Ein grandioser Zeuge im spanischen Kolonialstil ist die 1939 eröffnete Union Station. Heute ist sie ein wichtiger Baustein der Wiederbelebung von Downtown und dank der immer mehr Stationen umfassenden U-Bahn auch wieder gut ausgelastet – also warum nicht einmal die Bahn nehmen? Aber auch das Gebäude selbst ist absolut sehenswert, jeden Donnerstag gibt es hier einen Farmers Market und die Angelenos buchen den alten Wartesaal für Feiern. Und, nicht zu vergessen, wurde der Bahnhof als Drehort in unzähligen Filmen genutzt. 

Union Station, Foto: Martina Weinhart
5. Ikonische alte Filmpaläste

Elegante Gebäude im viktorianischen Stil oder auch im Art déco bestimmten einst den Puls am Broadway in Downtown Los Angeles. Heute sind sie weitestgehend verfallen. Das Los Angeles Theater, das Tower Theater, das Rialto, das Belasco, das Cameo oder das Arcade reihen sich hier aneinander. Es sind unglaubliche Architekturen: das Roxy in elegantem Art Nouveau, das Million Dollar Theater in eher barocker Anmutung, The Mayan Theater gekachelt in Pseudo-präkolumbianischem Stil. Der Fantasie der Architekten war bei diesen Bauten kaum Grenzen gesetzt, nahezu alle ästhetischen Regeln wurden außer Kraft gesetzt. Heute beherbergen sie leider meist keine Kinos mehr und sind weitestgehend von Ramschläden umgeben.

The Roxie, Foto: Martina Weinhart
6. Ace Hotel Downtown Los Angeles

Wer also den Geist des vergangenen Glamours der Filmwelt atmen will, der bucht sich am besten gleich ein Zimmer im Ace Hotel, das im alten United Artists Building untergekommen ist – mit dazugehörigem Theater. Hier wurde der Verfall gestoppt. Los Angeles arbeitet daran, das alte Downtown wiederzubeleben und das Ace Hotel trägt definitiv seinen Teil dazu bei. In der Nachbarschaft findet man auch wunderbare Lokale wie etwa das P.Y.T.

The Theatre at Ace Hotel, Image via acehotel.com
7. Blue Chips im Broad 

Immer noch ein relativer Neuzugang in der lebendigen Museumslandschaft von Los Angeles, mit dem LACMA, dem Hammer Museum oder dem Getty Center, ist das Broad. In der Kunstwelt heftig umstritten - die Washington Post ging so weit, die Sammlung als „high end trash“ zu bezeichnen – wurde das größte Privatmuseum der Welt von den New Yorker Architekturstars Diller Scofidio + Renfro als Herberge für die 2.000 Werke umfassende Sammlung von Eli und Edythe Broad gebaut. In direkter Nachbarschaft zu Frank Gehrys Walt Disney Concert Hall an der Grand Avenue hängen dort nun die Blue Chips der zeitgenössischen Kunst – Warhol trifft auf Koons, Murakami oder Hirst. Der Wert der Sammlung wird auf 2 Milliarden Dollar geschätzt. Wie immer man das finden will, einen Blick muss man allemal riskieren.

The Broad, Foto: Martina Weinhart
8. Jackson Pollock im MOCA

In einer Riesenstadt wie Los Angeles geht es immer auch darum, wo man gerade ist und wie um Himmels Willen man am besten von A nach B kommt. Hat man das Broad absolviert, muss man nicht lange überlegen – direkt gegenüber liegt das Museum of Contemporary Art (MOCA) an der Grand Avenue. Hier im 1986 gebauten Stammhaus kann man sich in Klassiker der amerikanischen Nachkriegsmoderne vertiefen – ein wunderbarer Raum mit großartigen Rothkos verschafft einem die Zen Momente in der sonst eher molochartigen Stadt. Oder aber man bewundert Jackson Pollocks „Number 1“ von 1949, das gerade frisch restauriert wurde.

Jackson Pollock, Number 1 (Detail), 1949 © VG Bild-Kunst Bonn, Foto: Martina Weinhart
9. Lunch im Grand Central Market

Wer sich bei seinen Architektur-Erkundungen durch Downtown eine Pause gönnen, einen Kaffee trinken und sich durch die Bandbreite der Kontinente probieren möchte, der ist hier, in der größten Markthalle der Stadt mit Gerichten aus aller Herren Länder, genau richtig. Auch ein perfekter Stopp im Anschluss an einen Besuch im MOCA oder im Broad.

Grand Central Market, Foto: Veronika Segler
10. Hauser & Wirth in alter Getreidemühle

Die Zeiten, in denen Los Angeles eher eine Kunstdiaspora war und die Musik hauptsächlich in New York spielte, sind definitiv vorbei. Abzulesen ist das nicht selten auch am seismographisch reagierenden Kunstmarkt. Und so hat sich eine Global Player Galerie wie Hauser & Wirth neuerdings auch in Los Angeles niedergelassen. In einer alten Getreidemühle in Mitten des sogenannten Arts District ist eine Art luxuriöse Kunsthalle entstanden, mit Bookstore und eigenem Restaurant, dem „Manuela“. Biodynamische Eier kommen frisch von den Hühnern, die im Innenhof gehalten werden. Absolut sehenswert.

Hauser & Wirth, Foto: Martina Weinhart