02. Juni 2019

Er zählt zu den wichtigsten Konzept-, Perfor­mance- und Objekt­künst­lern der Gegenwart. Jetzt kommen seine raum­fül­lenden Instal­la­tio­nen für ein einzigartiges Erlebnis in die SCHIRN.

Von Schirn Magazin

Vom 7. Juni bis 1. September 2019 widmet die Schirn John M Armleder eine Ausstellung, für die der Künstler im Innen- und Außenraum neue raumfüllende Installationen entwickelt hat. Seine Kunst verbindet Zufall und Planung, Hochkultur und Alltag, Tiefgründiges und Banales zu einem ambivalenten und einzigartigen Erlebnis. Basierend auf dem formalen Repertoire der Moderne – Konstruktivismus, Op-Art, Pop, gestische und abstrakte Malerei, aber auch Design – findet er poetische und ironische Kommentare zu unserer heutigen Wirklichkeit und dem Status der Kunst. 

Aktiv setzt sich der Künstler mit dem jeweiligen Ausstellungsraum auseinander, viele seiner Arbeiten entstehen erst vor Ort. Oft verwendet er Versatzstücke aus früheren Werken und mischt unterschiedlichste Medien und Materialien. Für die Ausstellung realisiert Armleder in der Rotunde eine Installation aus zwanzig in unterschiedlichen Höhen angebrachten Discokugeln, die sich in den dafür mit Spiegelfolie verkleideten Fenstern des öffentlich zugänglichen Raums multiplizieren. 

Das Spielerische und der Zufall spielen eine zentrale Rolle

Im Innenraum kombiniert er im großen Saal weitere Werke und Installationen, darunter seine „Pour Paintings“, ortsspezifische Wandarbeiten sowie Skulpturen, wie etwa eine auf den Kopf gestellte doppelte Kinderrutsche, die sich in seine „Furniture Sculptures“ einreiht. Das Spielerische und Offene, die Einbeziehung des Zufalls, des Subversiven und Ungeplanten zeichnen sich bereits zu Beginn von John M Armleders Laufbahn als wesentliche Elemente seines Kunstverständnisses ab. Seine erste Ausstellung realisiert er 1973 mit der vier Jahre zuvor gegründeten Fluxus-Gruppe ECART (frz. für „Abweichung“), für die er auch ein Manifest verfasst. 

John M Armleder, Divino, 2019, Detail, Courtesy David Kordansky Gallery LA, Foto: Julien Gremaud

Zentrale Anliegen sind die Verweigerung des Konkreten, Festlegbaren sowie eine Vorliebe für das Prozesshafte. Diese grundlegende Haltung des Künstlers lebt bis heute fort und spiegelt sich etwa auch im Titel „CA.CA.“ der Schirn-Ausstellung. Die Zufälligkeit im Ergebnis ist ebenfalls kennzeichnend für seine großformatigen „Pour Paintings“ aus geschütteter Farbe in Verbindung mit anderen, teilweise nicht kompatiblen Elementen.

Er recycelt Formen und kombiniert Mode, Musik und Design

Ab den 1990er-Jahren verändert sich Armleders formales Vokabular geradezu gegenläufig zum Fluxus: Statt „armer Materialien“ dominieren farbig leuchtende, spiegelnde und glamourös anmutende Oberflächen. Der Künstler konfrontiert Heterogenes – Schüttbilder mit geometrischen Formen, Objets trouvés in der Tradition Marcel Duchamps mit Versatzstücken aus Mode, Musik und Design. Diese Vermischung von High und Low, die Kombination von aus der Kunstgeschichte vertrauten Formen mit Alltagsgegenständen, ist eine wiederkehrende Methode Armleders. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die ab 1983 entstandenen „Furniture Sculptures“, in denen er geometrische Malerei mit gefundenen oder gebrauchten Möbeln verbindet und damit das klassische Bildformat in den Raum erweitert. 

John M Armleder, Let it Shine, Let it Shine, Let it Shine. It's Xmas again!, 2015, Schaufenster für La Rinascente, Courtesy Massimo De Carlo, Milan/London/Hong Kong, Foto: Marco Beck Peccoz

In der Folge dehnen sich seine Muster in einem Prozess des All-over auf die ganze Wand aus oder nehmen den gesamten Ausstellungsraum ein. Farbige Flächen, Streifen, Ringe und andere geometrische Elemente in Armleders Arbeiten sind aus der klassischen Moderne bekannt. Immer wieder zitiert er die Kunstgeschichte – insbesondere die abstrakt-geometrische Tradition und die Konzeptkunst. John M Armleders Werk ist gekennzeichnet von einem Recycling der Formen, mit dem er kontinuierlich die Rolle der Kunst in einem sich ständig verändernden Kultursystem befragt.

John Armleder, Divino, 2019, mixed media on canvas, 350 x 700 cm, detail, Courtesy of the artist and David Kordansky Gallery LA, photo: Julien Gremaud