26. Dezember 2016

Das Ausstellungsjahr 2017 in der SCHIRN wird vielfältig, abwechslungsreich und spannt sich von der klassischen Moderne bis in die jüngste Gegenwart.

Von Schirn Magazin

MAGRITTE. DER VERRAT DER BILDER

10. FEBRUAR – 5. JUNI 2017

Der Maler René Magritte (1898–1967) ist ein Magier der verrätselten Bilder. Die SCHIRN widmet dem großen belgischen Surrealisten eine konzentrierte Einzelausstellung, die sein Verhältnis zur Philosophie seiner Zeit abbildet. Magritte sah sich nicht als Künstler sondern vielmehr als denkender Mensch, der seine Gedanken durch die Malerei vermittelt. Ein Leben lang beschäftigte es ihn, der Malerei eine der Sprache gleichrangige Bedeutung zu verleihen. Seine Neugier und die Nähe zu großen zeitgenössischen Philosophen, etwa zu Michel Foucault, führten ihn zu einem bemerkenswerten Schaffen, zu einer Verfremdung der Welt, die auf einzigartige Weise akkurate, meisterhafte Malerei mit konzeptuellem Denken verbindet. Die Ausstellung beleuchtet Magrittes zentrale Bildformeln, die sich mit dem Mythos der Erfindung und der Definition der Malerei befassen.

René Magritte, La Lampe philosophique, 1936, Private collection © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

RICHARD GERSTL. RETROSPEKTIVE

24. FEBRUAR – 14. MAI 2017

Er ist der „erste österreichische Expressionist“ und für viele immer noch ein Geheimtipp: der Maler Richard Gerstl (1883–1908). Er wurde nur 25 Jahre alt und wird in einem Atemzug mit den großen Meistern der Wiener Moderne Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka genannt. In seinen wenigen Lebensjahren schuf der Künstler ein aufregendes und ungewöhnliches, wenn auch überschaubares Werk von rund 80 Arbeiten – eines mit beeindruckenden Höhepunkten und wegweisenden Neuerungen. Erstmals in Deutschland zeigt die SCHIRN eine umfassende Retrospektive Richard Gerstls und versammelt nahezu alle Werke, die heute von ihm bekannt sind. Es ist das Œuvre eines Suchenden, das bereits vieles vorweg nahm, was erst später in der Kunstgeschichte ausformuliert wurde. Richard Gerstl schuf schonungslose und selbstbewusste Bilder, die keinem Vorbild folgten und bis heute ihresgleichen suchen.

Richard Gerstl, Die Familie Schönberg, End of July, 1908, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

LENA HENKE

28. APRIL – 30. JULI 2017

Lena Henke verfolgt fasziniert die Systeme und Strukturen des städtischen Lebens, das sich mit seinen alltäglichen Geschichten in das Straßenbild, in Gebäude und Fassaden eingeschrieben hat. Diese Symbolträger verlieren im Verlauf der Jahre ihre Bedeutung. Von ihrem Kontext losgelöst und bestenfalls befreit sind sie oftmals nur noch bloße Klischees einer ursprünglichen Idee. In einer zumeist minimalistischen Formensprache verknüpft die Künstlerin ihre Konzentration auf diese Transformationsprozesse und ihr übergeordnetes Interesse an Architektur, Stadtplanung, Land Art, menschlichen Beziehungen, Sexualität und Fetisch mit subtilen kunsthistorischen Bezügen. Für die Rotunde der SCHIRN wird die Künstlerin eine eigene Arbeit entwickeln, in der Innen und Außen miteinander verschmelzen und in der sie auf die Besonderheit des frei zugänglichen Raums eingehen wird.

LENA HENKE, Detail of Torch Handle Pendant - Statue of Liberty Library of Congress, Prints & Photographs Division

PETER SAUL

2. JUNI – 3. SEPTEMBER 2017

Lange bevor „Bad Painting“ ein zentrales Anliegen der zeitgenössischen Kunst wurde, verletzte Peter Saul ganz bewusst den guten Geschmack. In seiner ganz eigenen Sprache hat der US-amerikanische Maler ab den späten 1950er-Jahren ein Crossover aus Pop Art, Surrealismus, Abstraktem Expressionismus, San Francisco Funk und Cartoon Culture entwickelt, in dem er politische und soziale Themen anzusprechen versteht. Mit der Pop Art teilt Peter Saul das Interesse am Banalen, an der Konsumgesellschaft und den heiteren Bildwelten des Comics in leuchtenden, ansprechenden Farben. Nicht zuletzt ist sein Werk aber auch mit den ästhetischen Strategien der Gegenkultur in Kalifornien verbunden. Eine fast zornige Malerei zeigt sich, wenn Saul die Schattenseiten des American Dream thematisiert. Hier offenbart sich die Gleichzeitigkeit von überbordendem Humor und spielerischer, aber doch harscher Systemkritik.

Peter Saul, Ronald Reagan in Grenada, 1984, © Hall Collection. Image courtesy of Hall Art Foundation, Photo: Jeffrey Nintzel

PEACE

30. JUNI – 24. SEPTEMBER 2017

Tauben, Regenbogenfarben und mit Blumen geschmückte Gewehre: Die Darstellung von Frieden reduziert sich meist auf gängige Klischees und bekannte Symbolik. Die SCHIRN geht in einer diskursiven Gruppenausstellung einen anderen Weg und stellt vielmehr die Frage: Wie geht Frieden eigentlich? Ausgehend von der Tatsache, dass Frieden in Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen und allen im Ökosystem existierenden Akteuren deutlich wird, richtet die Ausstellung den Blick auf Aspekte, die das (Zusammen-)Leben des Menschen seit jeher sichern und ermöglichen. Zahlreiche Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler bieten eine neue, zeitgenössische Perspektive auf dieses Thema. Zur Ausstellung in der Schirn wird es zahlreiche Live-Events geben, wie etwa Poetry-Performances, Konzerte, Vorträge oder Kochsessions, an denen die Besucherinnen und Besucher teilnehmen können. Das Programm wird zusammen mit den beteiligten Künstlern entwickelt.

Katja Novitskova, Pattern of Activation (planetary bonds), 2015, Detail, Courtesy the artist and Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin, Photo © Katja Novitskova

DIORAMA. ERFINDUNG EINER ILLUSION

6. OKTOBER 2017 – 21. JANUAR 2018

In einer großen Ausstellung beleuchtet die SCHIRN in Kooperation mit dem Palais de Tokyo, Paris, eine Kulturgeschichte des Sehens. Im Zentrum steht das Diorama, das Ereignisse, Geschichten und Lebensräume mit unterschiedlichen gestalterischen Mitteln wirklichkeitsgetreu inszeniert und rekonstruiert. Im 19. Jahrhundert vom französischen Maler und Wegbereiter der Fotografie, Louis Daguerre, als eine mit Lichteffekten belebte Schaubühne konzipiert, wurde es als Schaukasten aus Glas für Naturkundemuseen zur Illustration von Wissen die Präsentationsform schlechthin. Von der Moderne bis heute ist das Diorama eine wesentliche Inspirationsquelle: Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts setzen sich in ihren Arbeiten mit dem inszenierten Sehen auseinander, indem sie das Diorama und die Illusion einer rekonstruierten Wirklichkeit hinterfragen und dekonstruieren.

Man With Buffalo, Ottawa 2007 © Photo: Richard Barnes

GLANZ UND ELEND IN DER WEIMARER REPUBLIK

27. OKTOBER 2017 – 25. FEBRUAR 2018

Soziale Spannungen, politische Kämpfe, gesellschaftliche Umbrüche, aber auch künstlerische Revolutionen und Neuerungen charakterisieren die Weimarer Republik. In einer großen Themenausstellung wirft die SCHIRN einen Blick auf die Kunst im Deutschland der Jahre 1918–1933. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler hielten mit individueller Handschrift die Geschichten ihrer Zeitgenossen einprägsam fest: Realistische, ironische und groteske Arbeiten verdeutlichen den Kampf um die Demokratie und zeichnen das Bild einer Gesellschaft in der Krise und am Übergang. Die Ausstellung versammelt rund 200 Arbeiten von bekannten und bisher auch wenig beachteten Künstlerinnen und Künstlern – darunter Max Beckmann, Kate Diehn-Bitt, Otto Dix, Dodo, Conrad Felixmüller, George Grosz, Carl Grossberg, Hans und Lea Grundig, Karl Hubbuch, Lotte Laserstein, Alice Lex-Nerlinger, Elfriede Lohse-Wächtler, Jeanne Mammen, Oskar Nerlinger, Franz Radziwill, Christian Schad, Rudolf Schlichter, Georg Scholz und Richard Ziegler. Zusammen mit historischen Fotografien, Filmen, Zeitschriften und Plakaten entwirft die SCHIRN ein eindrückliches Panorama der Kunst der Weimarer Republik.

George Grosz, Straßenszene (Kurfürstendamm), 1925, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

DOUBLE FEATURE

AM LETZTEN MONTAG IM MONAT, 19.30 UHR, Eintritt frei

Seit über vier Jahren ist die SCHIRN ein Forum für deutsche und internationale Film- und Videokünstler. Am letzten Montag im Monat präsentieren sie entsprechend dem Motto „Double Feature“ eine Arbeit aus ihrem eigenen Werk, gefolgt von ihrem jeweiligen Lieblingsfilm. Im Gespräch mit den Kuratoren Katharina Dohm und Matthias Ulrich geben die Künstlerinnen und Künstler Einblick in ihr Schaffen und insbesondere in ihre filmischen Interessen. Die SCHIRN konnte bereits über 50 Künstlerinnen und Künstler im „Double Feature“ vorstellen, etwa Ed Atkins, Nevin Aladağ, Luke Fowler, Melanie Gilligan, Heather Phillipson, Anri Sala und Timur Si-Qin. Im Jahr 2017 erwarten das Publikum u. a. Beiträge von Eli Cortiñas, Beatrice Gibson und Mélanie Matranga. Ausführliche Interviews mit den Künstlern sind seit Oktober 2016 online auf dem Youtube-Kanal der SCHIRN zu sehen.

AUSBLICK 2018: BASQUIAT. BOOM FOR REAL

16. FEBRUAR – 27. MAI 2018

Basquiat (1960–1988) zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Aus der sich im Lower Manhattan versammelnden Kunstszene des Post-Punk-Undergrounds kommend eroberte er die Kunstwelt und erhielt 1982 als bislang jüngster Teilnehmer der documenta internationale Anerkennung. Basquiats lebendige, rohe Bilderwelt zeugt von seinen enzyklopädischen Interessen und seiner Erfahrung als junger Künstler ohne akademische Ausbildung. Mehr als dreißig Jahre nach Basquiats letzter Präsentation in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland widmet die SCHIRN – organisiert in Kooperation mit der Barbican Art Gallery, London – dem Werk des US-amerikanischen Künstlers eine große Überblicksausstellung. Erstmals wird dabei auch Basquiats Beziehung zu Musik, Text, Film und Fernsehen in einem übergeordneten kulturellen Zusammenhang deutlich.

Jean-Michel Basquiat, Untitled (1960), 1983, Courtesy Estate of Jean-Michel Basquiat Estate, Licenced by Artestar, NY © VG Bild-Kunst, Bonn 2016