POWER TO THE PEOPLE. POLITISCHE KUNST JETZT

21. MÄRZ – 27. MAI 2018

Die Schirn präsentiert eine große Ausstellung zur politischen Kunst der Gegenwart. Anhand unterschiedlichster Medien wie Installation, Fotografie, Zeichnung, Malerei und Film unternimmt „Power to the People. Politische Kunst jetzt“ eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer Positionen, die sich als Seismografen des politischen Handelns lesen lassen.

Die Demokratie scheint in der Krise, die Ära der Post-Democracy bereits angebrochen. Die Symptome dafür sind vielfältig: populistische Führer, Fake News, Rückfall in autokratische Strukturen, totalitäre Propaganda, Neoliberalismus. Dennoch erlebt die Gesellschaft seit einiger Zeit den Weg der Kunst zurück ins Politische – ein Repolitisierung ist spürbar. Bilder von Demonstrationen in den Medien – wehende Fahnen, Banner und Transparente auf den Straßen und Plätzen wie etwa beim Women’s March, den Anti-Brexit-Kampagnen oder den Occupy-Aktionen prägen die öffentliche Wahrnehmung der letzten Jahre. Es sind neue Protestwellen, die ganz unterschiedliche Kontexte, Länder und politische Systeme betreffen. Das bewegt auch die Künstlerinnen und Künstler. Sie schaffen Werke, die sie als Instrumente der Kritik verstehen und die ausdrücklich politisch motiviert sind. 

Andrea Bowers, Radical Feminist Pirate Ship Tree Sitting Platform, 2013, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Mit Werken von Halil Altindere, Phyllida Barlow, Guillaume Bijl, Julius von Bismarck, Andrea Bowers, Osman Bozkurt, Tobias Donat, Sam Durant, Omer Fast, Mark Flood, Forensic Architecture, Dani Gal, Katie Holten, Adelita Husni-Bey, Hiwa K, Edgar Leciejewski, Jonathan Monk, Ahmet Öğüt, Ricarda Roggan, Marinella Senatore, Rirkrit Tiravanija, Nasan Tur und Jens Ullrich

Der Fokus der Ausstellung „Power to the People“ liegt auf grundsätzlichen Fragen und Auseinandersetzungen mit Phänomenen und Möglichkeiten politischer Teilhabe. Dabei werden Haltungen infrage gestellt, Formen des Protests abgebildet, und neue Stufen der Entdemokratisierung ins Visier genommen. Auf diese Weise werden jenseits konkreter Anliegen auch die Mechanismen und die Logik politischer Beteiligung zum Thema. Indem die Ausstellung künstlerische Positionen aus unterschiedlichen Ländern, von Deutschland über England oder Belgien bis zu den USA, der Türkei, Israel oder Libyen vereint, regt sie zur Reflexion darüber an, wie politische Beteiligung aussehen kann und welche Konsequenzen sie jeweils nach sich zieht.

Marinella Senatore, Protest Bike, 2018, Installationsansicht, © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Power to the People. Politische Kunst Jetzt

20.03.2018 | Vom 21. März bis 27. Mai 2018 präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt eine große Ausstellung zur politischen Kunst der Gegenwart. Anhand unterschiedlichster Medien wie Installation, Fotografie, Zeichnung, Malerei und Film unternimmt „Power to the People. Politische Kunst jetzt“ eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer Positionen, die sich als Seismografen des politischen Handelns lesen lassen. Die Demokratie scheint in der Krise, die Ära der Post-Democracy bereits angebrochen. Die Symptome dafür sind vielfältig: populistische Führer, Fake News, Rückfall in autokratische Strukturen, totalitäre Propaganda, Neoliberalismus. Dennoch erlebt die Gesellschaft seit einiger Zeit den Weg der Kunst zurück ins Politische – ein Repolitisierung ist spürbar. Bilder von Demonstrationen in den Medien – wehende Fahnen, Banner und Transparente auf den Straßen und Plätzen wie etwa beim Women’s March, den Anti-Brexit-Kampagnen oder den Occupy-Aktionen prägen die öffentliche Wahrnehmung der letzten Jahre. Es sind neue Protestwellen, die ganz unterschiedliche Kontexte, Länder und politische Systeme betreffen. Das bewegt auch die Künstlerinnen und Künstler. Sie schaffen Werke, die sie als Instrumente der Kritik verstehen und die ausdrücklich politisch motiviert sind. Der Fokus der Ausstellung „Power to the People“ liegt auf grundsätzlichen Fragen und Auseinandersetzungen mit Phänomenen und Möglichkeiten politischer Teilhabe. Dabei werden Haltungen infrage gestellt, Formen des Protests abgebildet, und neue Stufen der Entdemokratisierung ins Visier genommen. Auf diese Weise werden jenseits konkreter Anliegen auch die Mechanismen und die Logik politischer Beteiligung zum Thema. Indem die Ausstellung künstlerische Positionen aus unterschiedlichen Ländern, von Deutschland über England oder Belgien bis zu den USA, der Türkei, Israel oder Libyen vereint, regt sie zur Reflexion darüber an, wie politische Beteiligung aussehen kann und welche Konsequenzen sie jeweils nach sich zieht.

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Wandtexte der Ausstellung "Power to the People. Politische Kunst jetzt"

20.03.2018 | EINFÜHRUNG Wie politisch darf Kunst sein? Wie politisch muss Kunst sein? Wie weit darf sie sich dafür von einem klassischen Kunstbegriff entfernen? Wie viel Demokratie verträgt ein Kunstwerk? – Das sind grundsätzliche Fragen, die immer wieder gestellt werden. Die Antworten aber fallen je nach Gesellschaft sehr unterschiedlich aus. Tatsächlich gibt es keine Kunst ohne Gesellschaft. Kunst hat immer eine gesellschaftliche Komponente, sie findet in einem Kontext statt, in einer bestimmten Zeit, in einem bestimmten Land. An Kunst beteiligt sind konkrete Personen, die sie produzieren, Institutionen, in denen sie gezeigt wird, und schließlich ein Betrachter, eine Betrachterin, die auch nicht im luftleeren Raum stehen. Meist ändert sich auch die Kunst, wenn sich die gesellschaftlichen Bedingungen verändern. In den letzten Jahren ist sehr viel passiert. Einerseits befanden (und befinden) wir uns in einer Art bleiernen Zeit, einem Neo-Biedermeier, in dem der Rückzug ins Private eine starke Rolle spielt. Manche sprechen schon von einer Ära der „Post Democracy“. Die Symptome: populistische Führer, Fake News, autokratischer Backlash, totalitäre Propaganda, Neoliberalismus. Die Mitarbeit in politischen Organisationen geht zurück. Wahlen können nicht mehr mobilisieren. Der Substanzverlust der Demokratie scheint dramatisch. Gleichzeitig hat es global etliche politische Eruptionen gegeben: den Arabischen Frühling, die Anti-Brexit-Kampagnen, die Austeritätsdebatte, die auch den „kleinen Mann“ auf der Straße mobilisiert hat. Es gab die globale Occupy-Bewegung, die Gezi-Park-Proteste in Istanbul, die Bewegungen Black Lives Matter und #MeToo. Und auch die riesige Welle der Anti-Trump-Proteste oder Stuttgart 21 oder die Proteste gegen die G20-Gipfel. Die Künstler sind Seismografen dieser politischen Bewegungen. Angesichts der gegenwärtigen Lage stehen sie zunehmend unter dem Druck, Einspruch zu erheben. Und so kann man in der Kunstwelt und hier vor allem auf verschiedenen Biennalen der letzten Jahre erkennen, dass eine gewisse Politisierung stattgefunden hat und immer noch stattfindet. Und schließlich: Ist es nicht die historische Rolle der Avantgarde, sich in Bezug auf die politische Macht kritisch zu zeigen?

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Auszug aus dem Rahmen- und Vermittlungsprogramm zur Ausstellung "Power to the People. Politische Kunst jetzt"

20.03.2018 | Während der gesamten Laufzeit der Ausstellung findet ein vielseitiges Rahmen- und Vermittlungsprogramm statt. Einige Höhepunkte des Programms bilden die folgenden Veranstaltungen. Aktuelle Informationen finden Sie unter www.schirn.de.

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Film zur Ausstellung

Zur Ausstellung wurde umfangreicher Videocontent produziert, den wir Ihnen gern kostenfrei für Ihre aktuelle redaktionelle Berichterstattung zur Verfügung stellen. Zudem bieten wir Ihnen für Ihre eigenen Produktionen umfangreiches Footage-Material in HD-Qualität an. Sie können es direkt bei uns anfordern.

Halil Altındere, Ballerinas and Police, 2017, Full HD Video, 9:38 Min., © the artist, Courtesy the artist and PİLOT Galeri, Istanbul

Phyllida Barlow, Untitled: 100banners2015, 2015, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Guillaume Bijl, Wahlkabinenmuseum, 2000, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Andrea Bowers, Radical Feminist Pirate Ship Tree Sitting Platform, 2013, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Julius von Bismarck, Image Fulgurator, 2009-2011 und Julius von Bismarck und Santiago Sierra, NO (Pope), 2011, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Julius von Bismarck, Fuguration #5 (May Day Riot Police), 2009, Inkjet print, 50 x 75 cm, © Der Künstler, Courtesy alexander levy, Berlin; Sies + Höke, Düsseldorf

Osman Bozkurt, Marks of Democracy / Portraits of the Voters, 2002, Zehn C-Prints, je 60 x 40 cm, Deutsche Bank Collection, © the artist

Tobias Donat, Agreement, 2018, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Tobias Donat, Agreement, 2018, Detailansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Sam Durant, Let's Judge Ourselves as People, 2002, Vinyl Text auf elektrischem Schild, 175,3 x 124,5 x 23,4 cm, Deichtorhallen Hamburg / Sammlung Falckenberg, Foto: Egbert Haneke

Omer Fast, CNN Concatenated, 2002, Single Channel video, Color, sound (English), 18 Min. Loop, Courtesy gb agency, Paris

Mark Flood, 5000 Likes, 2015/16, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Dani Gal, The Record Archive, 2018, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2016, Foto: Norbert Miguletz

Dani Gal, The Record Archive, 2018, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Katie Holten, She Persisted, Angela Davis, 2017, Bleistift auf Büttenpapier, 76,5 x 56,5 cm, © Die Künstlerin, Courtesy VAN HORN, Düsseldorf, Foto: D. Steinfeld

Adelita Husni-Bey, The Sleepers, 2012, Öl auf Leinwand, 165 x 350 cm, Privatsammlung Italien, © Die Künstlerin, Courtesy Galleria Laveronica, Modica

Edgar Leciejewski, A Circle Full of Ecstasy, 2016, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Edgar Leciejewski, A Circle Full of Ecstasy (Detail), 2016, 77 Farbfotografien, Je 45 cm x 33 cm, Courtesy the artist

Ricarda Roggan, Triptychon (Zwei Stühle und ein Tisch/Stuhl, Tisch und Kasten/Stuhl, Tisch und Stellwand), 2001, C - Print (Detail), 100 x 125 cm, © Die Künstlerin, Courtesy Galerie Eigen + Art Leipzig/Berlin

Marinella Senatore, Protest Bike, 2018, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Rirkrit Tiravanija, Untitled 2016 (freedom cannot be simulated, south china morning post, september 26-27-28-29-30), 2016 & Untitled 2016 (Form Follows Function or Vice Versa No. Two), 2016, Installationsansicht "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Jens Ullrich, Plakate 006, 2006/2018, Plakatierter Druck, Maße variabel, © der Künstler & VG-Bild-Kunst Bonn, 2018, Courtesy der Künstler und VAN HORN, Düsseldorf

Dr, Martina Weinhart, Kuratorin der Ausstellung "Power to the People. Politische Kunst jetzt", © Schirn Kunsthalle Frankfurt, Foto: Gaby Gerster

ZEITUNG ZUR AUSSTELLUNG

Zur Lage der politischen Kunst jetzt: Die Stimmen der Künstler versammelt in einer Zeitung

Die Demokratie scheint in der Krise. Gleichzeitig macht sich eine spürbare Repolitisierung breit. Auch die Künstler erheben nun ihre Stimme und schaffen Werke, die sie als Einspruch am bestehenden System, als Aufruf zum politischen Handeln und als Instrumente der Kritik verstehen. Eine Ausstellung zur politischen Kunst braucht eine Zeitung, in der diese Stimmen laut werden: in den Werken der Künstler, wie auch in ihren Statements und Interviews, die hier zu lesen sind.