Giacometti-Nauman

Vom 28. Oktober 2016 bis zum 22. Januar 2017 stellt die Schirn Kunsthalle Frankfurt in einer großen Ausstellung Werke von Alberto Giacometti und Bruce Nauman gegenüber. Es begegnen sich zwei Künstler aus zwei Generationen mit einer denkbar unterschiedlichen Herkunft: Giacometti (1901–1966) zählt mit seinem Œuvre zu den bedeutendsten europäischen Bildhauern der klassischen Moderne. Nauman (*1941) steht mit seinem vielgestaltigen Werk für die radikalen Umwälzungen der Gegenwartskunst seit 1960 und für einen konzeptuell entgrenzten Begriff der Skulptur. Skulpturen und Gemälde des Schweizer Bildhauers treten mit Skulpturen, Videos, Zeichnungen, Fotografien und raumgreifenden Installationen des US-amerikanischen Multimediakünstlers in einen spannungsvollen Dialog. Dabei ist Giacometti mit Plastiken aus nahezu allen wichtigen Werkphasen vertreten, Nauman vorrangig mit seinem Frühwerk der 1960er- und beginnenden 1970er-Jahre, das zeitlich unmittelbar an Giacomettis anschließt.

Ausstellungsansicht, Foto: Norbert Miguletz

Giacometti und Nauman werden in der SCHIRN mit insgesamt etwa 70 Arbeiten, darunter zahlreiche Hauptwerke, erstmals in einer Ausstellung zusammengeführt.

Obwohl sich die Künstler weder begegneten noch aufeinander Bezug genommen haben, sind die Berührungspunkte zwischen ihnen mannigfaltig. Sowohl Giacometti als auch Nauman haben den Begriff und die Tradition der Plastik aus ihrer Zeit heraus revolutioniert, der eine in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er-Jahre, der andere seit den 1960er-Jahren bis heute. Beide gelten als Einzelgänger, die stets aus einer selbstgewählten Isolation und Einsamkeit heraus gearbeitet haben, die ihr kompromissloses Schaffen durch und durch prägt. Beide vertreten überaus radikale künstlerische Positionen und schaffen Werke von erschütternder Direktheit, die den Betrachter nachhaltig fordern. Giacometti wie Nauman dringen mit ihren Arbeiten in Grenzbereiche der Kunst und der Wahrnehmung vor. Ihre Suche nach der künstlerischen Wahrheit ist eine Suche, deren Ergebnis sich oft eher im Schaffensprozess als in vollendeten Werken manifestiert. Beide erheben das Scheitern, das Abwegige, Fragmentarische und Unheroische zu wesentlichen Elementen ihrer Kunst.

Alberto Giacometti, Homme qui marche / Walking Man, 1960

Im Zentrum des Schaffens beider Künstler steht der Mensch. Giacometti hat sich in seinen Skulpturen und Gemälden fast ausschließlich und unablässig mit der Darstellung des Menschen beschäftigt und insbesondere nach 1945 mit seinem unverkennbaren Figurenstil ein eigenes, originäres Menschenbild entworfen. Bruce Naumans Arbeit kreiste in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren vor allem um den (eigenen) Körper, den er zum Ausgangspunkt für grundlegende Fragen nach dem Wesen des Menschen und den Bedingungen des Menschseins machte. Die Ausstellung erweitert den Blick auf das Werk zweier herausragender Vertreter der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Giacometti wird als Wegbereiter zentraler Entwicklungen der Kunst nach 1960 erkennbar und gewinnt Aspekte seiner ursprünglichen künstlerischen Radikalität zurück, während Naumans herausragende Bedeutung als Bildhauer deutlich und auf andere Weise historisch verständlich wird. Die Ausstellung in der Schirn präsentiert Kunstwerke aus bedeutenden Museen und Sammlungen in den USA und Europa, u. a. dem Guggenheim Museum in New York, dem San Francisco Museum of Modern Art, dem Walker Art Center in Minneapolis, dem Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington D.C., der Tate in London, dem Centre Pompidou in Paris, der Fondation Alberto et Annette Giacometti in Paris, der Fondation Marguerite et Aimé Maeght in Saint-Paul de Vence, dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, der Fondation Beyeler in Riehen, dem Lehmbruck Museum in Duisburg, der Neuen Nationalgalerie in Berlin und der Hamburger Kunsthalle.

„Obgleich die Skulptur für Giacometti und Nauman eine vorrangige Rolle spielt, sind sie weder hinsichtlich der von ihnen verwendeten Medien und Materialien noch im Sinne eines gemeinsamen ‚Stils‘ miteinander vergleichbar. Verwandt sind ihre Strategien im Einsatz künstlerischer Darstellungsmittel, ihr Hang zur Reduktion bis an die Grenze des Verschwindens, eine ständige Annäherung an die Leere und das Nichts. Aber auch ihre Fragestellungen etwa in der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Figur und Raum, oder dem Körper und seinen Teilen.“
Esther Schlicht, Kuratorin der Ausstellung
Bruce Nauman, Marching Figure, 1985

DIGITORIAL

Das kosten­lose Digi­to­rial bietet span­nende Einbli­cke und Hinter­grund­in­for­ma­tio­nen. Entde­cken Sie schon vor Ihrem Besuch mehr über Alberto Giaco­metti und Bruce Nauman und genie­ßen Sie die Ausstel­lung umso mehr.

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KÖRPER, TANZ UND BEWEGUNG – SCHIRN AT NIGHT ZUR AUSSTELLUNG „GIACOMETTI–NAUMAN“

21.11.2016 | Die Schirn Kunsthalle Frankfurt lädt am 3. Dezember 2016, ab 20 Uhr zur letzten SCHIRN AT NIGHT 2016. Anlass ist die Ausstellung „Giacometti-Nauman“, in der sich zwei Künstler aus zwei Generationen mit einer denkbar unterschiedlichen Herkunft begegnen: Alberto Giacometti (1901–1966) zählt mit seinem Œuvre zu den bedeutendsten europäischen Bildhauern der klassischen Moderne. Bruce Nauman (*1941) steht mit seinem vielgestaltigen Werk für die radikalen Umwälzungen der Gegenwartskunst seit 1960 und für einen konzeptuell entgrenzten Begriff der Skulptur. Beide Künstler werden erstmals in einer Ausstellung zusammengeführt. Skulpturen und Gemälde des Schweizer Bildhauers treten mit Skulpturen, Videos, Zeichnungen, Fotografien und raumgreifenden Installationen des US-amerikanischen Multimediakünstlers in einen spannungsvollen Dialog. Für beide Künstler bildet die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper das Zentrum ihres Schaffens: der Körper als Figur im Raum, als Erscheinung auf der Bühne eines absurden Theaters, als Objekt der Begierde, als Projektionsfläche oder Maßstab der Dinge – ein idealer Anlass, die SCHIRN AT NIGHT den Themen Körper, Tanz und Bewegung zu widmen. Die Ausstellung „Giacometti–Nauman“ ist für die Besucher der SCHIRN AT NIGHT bis 24 Uhr geöffnet. Für einen aufschlussreichen Besuch der Ausstellung stehen während des gesamten Abends Kunstvermittler Rede und Antwort.

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GIACOMETTI–NAUMAN

17.10.2016 | Vom 28. Oktober 2016 bis zum 22. Januar 2017 stellt die Schirn Kunsthalle Frankfurt in einer großen Ausstellung Werke von Alberto Giacometti und Bruce Nauman gegenüber. Es begegnen sich zwei Künstler aus zwei Generationen mit einer denkbar unterschiedlichen Herkunft: Giacometti (1901–1966) zählt mit seinem Œuvre zu den bedeutendsten europäischen Bildhauern der klassischen Moderne. Nauman (*1941) steht mit seinem vielgestaltigen Werk für die radikalen Umwälzungen der Gegenwartskunst seit 1960 und für einen konzeptuell entgrenzten Begriff der Skulptur. Beide Künstler werden mit insgesamt etwa 70 Arbeiten, darunter zahlreiche Hauptwerke, erstmals in einer Ausstellung zusammengeführt. Skulpturen und Gemälde des Schweizer Bildhauers treten mit Skulpturen, Videos, Zeichnungen, Fotografien und raumgreifenden Installationen des US-amerikanischen Multimediakünstlers in einen spannungsvollen Dialog. Dabei ist Giacometti mit Plastiken aus nahezu allen wichtigen Werkphasen vertreten, Nauman vorrangig mit seinem Frühwerk der 1960er- und beginnenden 1970er-Jahre, das zeitlich unmittelbar an Giacomettis anschließt.

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GIACOMETTI-NAUMAN, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

GIACOMETTI-NAUMAN, Ausstellungsansicht: Bruce Nauman, Corridor with Mirror and White Lights, 1971 © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

GIACOMETTI-NAUMAN, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

GIACOMETTI-NAUMAN, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

GIACOMETTI-NAUMAN, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

GIACOMETTI-NAUMAN, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

GIACOMETTI-NAUMAN, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

GIACOMETTI-NAUMAN, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Esra Klein

GIACOMETTI-NAUMAN, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

GIACOMETTI-NAUMAN, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2016, Foto: Norbert Miguletz

Alberto Giacometti arbeitet am Gips für „Homme qui marche“, 1958, Photograph by Ernst Scheidegger © 2016 Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich

Porträt Bruce Nauman, Photo: © Jason Schmidt, 2009

Alberto Giacometti, L'Objet invisible (Mains tenant le vide), 1934/35, Fondation Marguerite et Aimé Maeght, Saint-Paul - France © Alberto Giacometti Estate (Fondation Alberto et Annette Giacometti + ADAGP) Paris, 2016

Bruce Naumann, Lighted Center Piece, 1967-68, Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Panza Collection, Gift, 1992, Foto: David Heald©SRGE, NY © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Alberto Giacometti, Groupe de trois hommes I, 1943, Fondation Marguerite et Aimé Maeght, Saint-Paul - France © Alberto Giacometti Estate (Fondation Alberto et Annette Giacometti + ADAGP) Paris, 2016

Bruce Nauman, Wall-Floor Positions, 1968, Film Still, Courtesy Electronic Arts Intermix (EAI), New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Bruce Nauman, Poke in the eye/nose/ear 3/8/94 Edit, 1994, Collection Walker Art Center, Minneapolis T.B. Walker Acquisition Fund, 1994 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Flesh to White to Black to Flesh, 1968, Film Still, Courtesy Electronic Arts Intermix (EAI), New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Alberto Giacometti, Le Nez, 1947, Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Foto: David Heald©SRGE, NY © Alberto Giacometti Estate (Fondation Alberto et Annette Giacometti + ADAGP) Paris, 2016

Alberto Giacometti, Head of Diego, 1961, Hirshh. Museum and Sculpt. Garden, Smithsonian Institution, Washington, DC, Gift of Joseph H. Hirshhorn, 1966, Foto: Cathy Carver © Alberto Giacometti Estate (Fondation A. et A. Giacometti + ADAGP) Paris, 2016

Alberto Giacometti, La Main, 1947, Privatsammlung © Alberto Giacometti Estate (Fondation Alberto et Annette Giacometti + ADAGP) Paris, 2016

Alberto Giacometti, Homme qui marche / Walking Man, 1960, Bronze, 190 x 112,5 x 28 cm, Louisiana Museum of Modern Art, Donation: The New Carlsberg Foundation © Alberto Giacometti Estate (Fondation Alberto et Annette Giacometti + ADAGP) Paris, 2016

Bruce Nauman, Marching Figure, 1985, Courtesy of Sperone Westwater © VG Bild-Kunst 2016

Alberto Giacometti, Grande femme IV, 1960, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, Denmark, Donation: The New Carlsberg Foundation © Alberto Giacometti Estate (Fondation Alberto et Annette Giacometti + ADAGP) Paris, 2016

Alberto Giacometti, La jambe, 1958, Bronze, 220 x 30 x 46,5 cm, Lehmbruck Museum, Duisburg, Foto: Jürgen Diemer

Bruce Nauman, Thighing (Blue), 1967, Film Still Courtesy Electronic Arts Intermix (EAI), New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Bruce Nauman, All thumbs, 1996, Kunstmuseum Basel, Foto: Martin P. Bühler © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Alberto Giacometti, La Cage (première version), 1950, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler, Foto: Robert Bayer, Basel © Alberto Giacometti Estate (Fondation Alberto et Annette Giacometti + ADAGP) Paris, 2016

Bruce Nauman, Raw War, 1971, Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

DER KATALOG ZUR AUSSTELLUNG

GIACOMETTI-NAUMAN

Herausgegeben von Esther Schlicht. Vorwort von Philipp Demandt, Essays von Esther Schlicht, Gaby Hartel, Thierry Dufrêne und Robert Storr. Dt./engl. Ausgabe, 184 Seiten, ca. 150 Abbildungen, Softcover, Snoeck, Köln, 2016, Preis: 35 € (SCHIRN Kasse), 39,90 € (Buchhandel)