AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2018

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt beginnt das Jahr mit einem Höhepunkt: der Ausstellung „Basquiat. Boom for Real“ (16. Februar – 27. Mai 2018). Mehr als dreißig Jahre nach Jean-Michel Basquiats letzter Präsentation in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland widmet die Schirn – organisiert in Kooperation mit der Barbican Art Gallery, London – dem Werk des US-amerikanischen Künstlers eine große Überblicksschau. Jean-Michel Basquiat (1960–1988) zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Erstmals wird in der Ausstellung seine Beziehung zu Musik, Text, Film und Fernsehen in einem übergeordneten kulturellen Zusammenhang herausgestellt.

Parallel dazu zeigt die Schirn eine Ausstellung über die Repolitisierung der Gegenwartskunst. Angesichts der politischen Umbrüche der letzten Jahre scheinen viele Künstler heute zunehmend unter dem Druck des Einspruchs zu stehen. Unter dem Titel „Power to the People“ (21. März – 27. Mai 2018) unternimmt die Schirn 50 Jahre nach 1968 eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer, internationaler Kunstpositionen, die sich als Seismographen des politischen Handelns lesen lassen. Ihr Fokus liegt auf grundsätzlichen Fragen und der Auseinandersetzung mit Phänomenen und Möglichkeiten politischer Teilhabe.

Im Sommer entwirft der vielfach ausgezeichnete Künstler Neïl Beloufa (*1985) in den an die Ausstellungsflächen angrenzenden Räumen der Schirn installative, skulpturale und filmische Bühnen, in denen Fiktion und Realität verschmelzen. Der Fokus  in Beloufas Œuvre liegt auf dem Film: Das Setting, das Licht, der Schnitt und die Perspektiven liegen sowohl der Entwicklung seiner Skulpturen als auch seiner Bilder und Installationen zugrunde.

Jean-Michel Basquiat, Untitled, 1982, © VG Bild-Kunst Bonn, 2017 & Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York, Courtesy Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, Foto: Studio Tromp, Rotterdam

Mit der Ausstellung zu Wilhelm Kuhnert (25. Oktober 2018 – 27. Januar 2019) wird die Schirn einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Maler des frühen 20. Jahrhunderts erstmalig eine umfassende Retrospektive widmen. Wilhelm Kuhnert (1865–1926) zählte zu den außergewöhnlichsten Künstlerpersönlichkeiten Europas. Als erster deutscher Freilichtmaler gelangte er tief in das Innere der damaligen Kolonie „Deutsch-Ostafrika“, wo er auf jahrelangen Expeditionen die dortige Tier- und Pflanzenwelt studierte. Kuhnerts Bilder, die er mit internationalem Erfolg verbreitete, prägten in hohem Maße das Bild, das sich Europa und Nordamerika zur damaligen Zeit von Afrika machte. Kuhnerts Karriere spiegelt die Verbindung von Naturwissenschaft und Kunst um 1900 ebenso wider wie Aspekte des Kolonialismus und Eskapismus.

Zeitgleich stellt die Schirn mit der Schau „Außer Kontrolle. Wildnis in der Kunst“ (1. November 2018 – 27. Januar 2019) den Begriff der „Wildnis“ in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in den Mittelpunkt. Das Wilde, Ungezähmte, nicht Kultivierte hat seit Beginn der ästhetischen Moderne Künstler in seinen Bann gezogen. Die „Wildnis“ erscheint dabei oftmals als Projektionsfläche für das Andere und das Fremde. Von den erhabenen Naturdarstellungen der Romantik über die Trümmer verrohter Zivilisationen in surrealistischen Landschaften bis hin zu konzeptuell angelegten Arbeiten der Gegenwart haben Künstler das Thema Wildnis in wechselnden Bedeutungszusammenhängen reflektiert, in Form von Wunsch- genauso wie von Schreckensbildern. Die Ausstellung in der Schirn beleuchtet die Faszination und die vielfältigen Verbindungen von Kunst und Wildnis im 20. und 21. Jahrhundert aus aktueller Perspektive.

Neben dem monatlichen Videokunstformat „Double Feature“ werden auch die zeitgenössischen Kunstpräsentationen in der Rotunde der Schirn im Jahr 2018 fortgesetzt. Die polnische Künstlerin Maria Loboda (*1979), die an der Städelschule in Frankfurt studierte, wird vom 16. November 2018 bis 10. Februar 2019 neue Arbeiten in der öffentlich zugänglichen Rotunde präsentieren.

Georgia O'Keeffe, From the Plains ll, 1954, Öl auf Leinwand, 122 x 183 cm, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid

Philipp Demandt gibt Ausblick auf Programm 2018 in Schirn, Städel und Liebieghaus

03.11.2017 | Die Besucher der Schirn Kunsthalle Frankfurt, des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung erwartet im Jahr 2018 ein vielfältiges Programm. Philipp Demandt, seit Oktober 2016 Direktor der drei Frankfurter Kunstinstitutionen, hat heute einen Ausblick auf die kommenden Projekte der drei Häuser gegeben, darunter zahlreiche Ausstellungen und Initiativen, die in seiner nunmehr einjährigen Amtszeit in Frankfurt neu entwickelt wurden. Zu den Höhepunkten der Programme zählen 2018 in der Schirn die Ausstellung zu Jean-Michel Basquiat, die Retrospektive des Afrika-Malers Wilhelm Kuhnert und eine Schau zum Begriff der „Wildnis“ in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Auf der anderen Mainseite wird das Städel Museum Ausstellungen zu Peter Paul Rubens sowie zu Lotte Laserstein, Victor Vasarely und der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg zeigen. In der Liebieghaus Skulpturensammlung ist William Kentridge dazu eingeladen, das gesamte Haus mit seinen teils raumfüllenden Arbeiten und Installationen zu bespielen.

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Jean-Michel Basquiat, Untitled, 1980, © VG Bild-Kunst Bonn, 2017 & Artists Rights Society (ARS), New York/ ADAGP, Paris & Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York, Courtesy Whitney Museum of American Art

BASQUIAT. BOOM FOR REAL, 16.2.– 27.5.2018, Jean-Michel Basquiat, Untitled, 1982, © VG Bild-Kunst Bonn, 2017 & Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York, Courtesy Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, Foto: Studio Tromp, Rotterdam

POWER TO THE PEOPLE, 21. MÄRZ – 27. MAI 2018, Julius von Bismarck, Fuguration #5 (May Day Riot Police), 2009, Inkjet print, 50 x 75 cm, © Der Künstler, Courtesy alexander levy, Berlin; Sies + Höke, Düsseldorf

POWER TO THE PEOPLE, 21. MÄRZ – 27. MAI 2018, Phyllida Barlow, Untitled (100banners), 2015, Bauholz, Sperrholz, Klebeband, Watte, Stoff, Farbe, Sand u. Plastik, Maße variabel, © Die Künstlerin, Courtesy Hauser & Wirth, Foto: Stefan Altenburger Photography

NEIL BELOUFA, 8. JUNI – 16. SEPTEMBER 2018, Neil Beloufa, Sustainable Development, MRAC Sérignan, 2017, © Der Künstler, Foto: Aurélien Mole

WILHELM KUHNERT, 25. OKTOBER 2018 – 27. JANUAR 2019, Wilhelm Kuhnert, Elefanten, 1917, Öl auf Leinwand, 48 x 86 inches, JKM Collection®, National Museum of Wildlife Art. Requested loan

AUSSER KONTROLLE. DIE WILDNIS IN DER KUNST, 1. NOVEMBER, 2018 – 27. JANUAR 2019, Georgia O'Keeffe, From the Plains ll, 1954, Öl auf Leinwand, 122 x 183 cm, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid

MARIA LOBODA, 16. NOVEMBER 2018 – 10. FEBRUAR 2019, Maria Loboda, Young Warrior in the Landscape Watching the Birds Go By (Pastoral), 2017, © Die Künstlerin, Courtesy Maisterravalbuena, Foto: Philipp Hänger/Kunsthalle Basel