Leonor Fini

Die SCHIRN widmet einer der eigenständigsten Protagonistinnen des Surrealismus eine große Retrospektive

Intro

Leonor Fini (1907–1996) war als Künstlerin wie auch als Privatperson eine Rebellin.

Die SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFUERT präsentiert vom 23. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027 die erste Retrospektive der Künstlerin in Deutschland.

Rund 100 Werke, darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Kostüme, Masken und Bücher geben einen umfassenden Einblick in ihr faszinierendes OEuvre. Geboren in Buenos Aires und aufgewachsen in Triest, blieb die Autodidaktin trotz ihrer Nähe zum Surrealismus zeitlebens künstlerisch unabhängig. Beeinflusst von Renaissance, Symbolismus, deutscher Romantik und magischem Realismus entwickelte Fini eine unverwechselbare Bildsprache zwischen Traum, Mythos, Fantasie und theaterhaften Inszenierungen.

In ihrem charakteristischen, altmeisterlichen Stil schuf sie traumartige Szenen mit Priesterinnen, Sphinxen und hybriden Wesen, die klassische Geschlechterrollen umkehren. Es entstanden kraftvolle Darstellungen von Frauen und androgynen Figuren, häufig als Neuinterpretationen historischer Vorbilder. Emanzipation, Genderfluidität, Eros, Okkultismus, Tod und Verwandlung durchziehen ihr Werk ebenso wie der spielerische Umgang mit Masken, Kostümen und Rollenbildern. Die Auseinandersetzung mit ihrer Position als Frau und Künstlerin ist ein zentrales Thema ihres Werks. Von Beginn an inszenierte sich Fini selbstbewusst als freigeistige, glamouröse Ikone und verwischte bewusst die Grenzen zwischen künstlerischer Schöpfung und gelebter Existenz.

Die Ausstellung zeichnet mit Werken aus sieben Jahrzehnten ihre außergewöhnliche künstlerische Entwicklung nach.

„Die kontinuierliche Befragung und Verwandlung ihrer Rolle als Frau und Künstlerin, Finis Rebellion und Unabhängigkeit, ihr virtuoser Malstil, ihre moderne Adaption klassischer Mythen und ihre Selbstinszenierung als Modeikone erscheinen erstaunlich aktuell.”
Ingrid Pfeiffer, Kuratorin

Die Retrospektive der SCHIRN ist im Wesentlichen thematisch gegliedert und beginnt mit fotografischen Porträts und malerischen Selbstporträts der Künstlerin. Leonor Fini ist eine der am häufigsten fotografierten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, u. a. von ihren Freund*innen Dora Maar, Henri Cartier-Bresson, Brassaï. Kaum eine andere Malerin hat so intensiv ihre eigene Identität befragt, indem sie lebenslang in unterschiedliche Rollen schlüpfte, um Facetten ihrer expressiven Persönlichkeit auszudrücken. Fini bezog sich dabei häufig auf Mythen und lehnte sich motivisch stark an Traditionen der europäischen Kunstgeschichte an. In ihren Werken sind immer wieder Tierwesen zu finden, so in „Autoportrait au hibou“ („Selbstporträt mit Eule“, 1936), eines ihrer frühesten Selbstbildnisse, in dem sie sich mit der Eule als Zeichen der Weisheit und der Alchemie darstellt. Mit „Autoportrait au scorpion (Selbstporträt mit Skorpion)“ war Fini 1938 auf der 21. Biennale in Venedig vertreten. Aber auch Mischwesen und insbesondere die Figur der Sphinx als das Alter Ego der Künstlerin stellte sie in zahlreichen Werken dar, beispielsweise in „La Bergère des sphinx“ („Die Hirtin der Sphinxe“, 1941) oder auch „Stryges Amaouri“ (1947). Als autonomes weibliches Subjekt verkörpert sie Macht, Erkenntnis und Selbstbestimmung. Wiederholt drehte Fini die Machtverhältnisse um und malte starke Frauen, die über schlafende, nackte Männer wachen oder ihnen den Weg weisen.

In Finis OEuvre erscheinen immer wieder weise Frauen, als Schicksalsweberinnen, Alchemistinnen oder auch als spirituelle Führerinnen oder Seherinnen. Innerhalb der von der Künstlerin entworfenen imaginären Bildwelten nehmen diese Darstellungen eine zentrale Position ein: Als Trägerinnen schöpferischer und transformativer Kräfte scheinen die Frauenfiguren die Zyklen der Natur – und damit auch jene von Leben und Tod – zu lenken. Einige führen geheimnisvolle Rituale aus wie in „Les Fileuses (Die Spinnerinnen)“ oder tragen alchemistische Symbole wie das Ei in „La Gardienne des phénix (Die Hüterin der Phönixe)“, beide aus dem Jahr 1954.

Tod und Vergänglichkeit in Gestalt von Skeletten und Gebeinen, aber auch schlafenden Körpern, sowie Rückgriffe auf die Tradition des Memento mori und des Totentanzes durchziehen zahlreiche Werke Finis. Das androgyne Skelettwesen in „L’Ange de l’anatomie“ („Der Engel der Anatomie“, 1949) zeugt von Finis anhaltender Faszination für Anatomie und ist zugleich als elegante Erscheinung mit Umhang und Flügeln im altmeisterlichen Malstil inszeniert. „Sphinx Regina / Sphinx reine“ („Sphinx-Königin“, 1943) stellt eine sich zersetzende Sphinx in einer geheimnisvollen, morbiden Landschaft zwischen Zerstörung und Erneuerung dar. Der Tod wird Teil einer persönlichen Mythologie, in der er nicht abschreckend, sondern als faszinierende Metamorphose oder als Freund und mächtiger Verbündeter erscheint.

Eine Ausstellung der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT in Kooperation mit dem Musée d‘Art Moderne de Paris – Paris Musées.

  • Kuratorin

    Ingrid Pfeiffer

  • Kuratorische Assistenz

    Cornelia Eisendle

  • Gefördert durch

    Dr. Marschner Stiftung
    Art Mentor Foundation Lucerne

  • Zusätzliche Unterstützung durch

    SCHIRN FREUNDE
    Georg und Franziska Speyer`sche Hochschulstiftung
    Fontana Stiftung

  • Medienpartner

    ARTE
    Frankfurter Allgemeine Zeitung