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KUNST GEHT DURCH DEN MAGEN

03.04.2014

3 min Lesezeit

Wie schon in seinem Studio im Holzgraben hat Tobias Rehberger auch in seinem neuen Domizil im Osthafen eine KĂŒche mit einem großen Tisch, an dem sich zur Mittagszeit das ganze Team versammelt. Das SCHIRN MAG durfte einmal kosten.

Dreimal die Woche geht morgens um 9 Uhr jemand aus dem Rehberger-Team einkaufen. Seit ĂŒber vier Jahren ist dies im Studio Rehberger nun schon Praxis. In einem Interview der Zeitschrift „Essen & Trinken“ sprach Tobias Rehberger einmal darĂŒber wie schön es wĂ€re, wenn er und seine Mitarbeiter ein gutes selbstgekochtes Mittagessen hĂ€tten. Ein paar Monate spĂ€ter wurde diese Idee in die Tat umgesetzt.

WĂ€hrend der Umbauzeit der neuen StudiorĂ€ume gab es keine KĂŒche, doch seit ein paar Wochen wird endlich wieder gekocht und die Studio-Mitarbeiter sind sich einig: Es hat etwas gefehlt. Um 13 Uhr versammeln sich alle an der langen Tafel: Das Studioteam, die Mitarbeiter des Bio-KrĂ€uterteeherstellers "Tau von den Wiesen", dessen GeschĂ€ftsfĂŒhrer Rehberger ist und die Mitarbeiter des Einrichtungsunternehmens Morgen Interiors, die im selben GebĂ€ude residieren.

Zweimal im Jahr hat jeder, der regelmĂ€ĂŸig mittessen möchte, eine Woche KĂŒchendienst und kĂŒmmert sich um alles. Oft ist noch der eine oder andere Gast dabei, Journalisten, Galeristen oder Freunde des Hauses, so dass gelegentlich ĂŒber 20 Personen am Tisch sitzen. Aus frischen Produkten werden zwei GĂ€nge kreiert – entweder es gibt eine Vorspeise oder einen Nachtisch zum Hauptgericht. Heute gibt es Fisch und eine Creme zum Nachtisch. Wenn jemand Geburtstag hat, darf er sich seine Lieblingsspeise wĂŒnschen.

Die Rehberger-KĂŒche in den ehemaligen StudiorĂ€umen im Holzgraben könnte dem ein oder anderen bekannt sein: in ihr residierte auch der Club Michel von Ata Macias, der inzwischen ins Bahnhofsviertel umgezogen ist. Sein Konzept: wer sich in einen Newsletter eintrĂ€gt kann am Essen eines Gastkoches in quasi privater AtmosphĂ€re teilnehmen. Auch eine weitere Adresse in Frankfurt verbindet Kochen mit Kunst: die FreitagskĂŒche auf der Mainzer Landstraße, gegrĂŒndet u.a. vom StĂ€delabsolvent Michael Riedel. Inzwischen gibt es einen öffentlichen Mittagstisch, aber immer noch steht der Freitagabend – an dem ein Gast aus der Kunstszene fĂŒr alle kocht – im Mittelpunkt.

Die Verbindung von Kunst und Kochen hat in Frankfurt eine lange Tradition. 1978 kam Peter Kubelkaals Professor an die StĂ€delschule und unterrichtete eine erstmals eigens fĂŒr ihn geschaffenen FĂ€cherkombination: „Film und Kochen als Kunst“. Und auch nach seinem Weggang im Jahre 2000 bleibt seine Idee prĂ€sent. FĂŒr den StĂ€delabsolventen und mittlerweile StĂ€delprofessor Rehberger gehört das gemeinsame Mittagessen zu einem wichtigen Bestandteil seines Studioalltags. Das diese Praxis zu guter Kunst fĂŒhrt, kann dieser Tage in der Rehberger Ausstellung „Home and Away and Outside“ in der SCHIRN begutachtet werden.