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Britta Thie. Translantics

19.06.2015

2 min Lesezeit

Translantics, ein digitales Kammerspiel eingebettet ins Netz, erzĂ€hlt die Geschichte von drei jungen Frauen in Form einer Web–Serie.

Translantics handelt vom Vorspulen, Umschalten zwischen StĂ€dten, LĂ€ndern, Sprachen, Jobs, Lebensphasen, GefĂŒhlen und Partnern. Die drei Freundinnen bewegen sich in einem Freundeskreis aus internationalen Expats, ĂŒberdreht und euphorisch, irgendwie alle gemeinsam globalisiert und doch gefangen in ihrem eigenen kulturellen System.

Die Expat-Kids schwanken zwischen Heimweh und EroberungsgefĂŒhlen, spielen sich selbst oder vielleicht auch nur eine der vielen Versionen ihrer selbst. Man trifft sich nachts und im Netz, man schlĂ€gt sich irgendwie durch mit obskuren Jobs und Ibuprofen, schlĂ€gt sich ein Knie auf bei einem existenziellen Foto Shooting oder sich gegenseitig die Brille von der Nase. Man bricht sich tagtĂ€glich das Herz in der ĂŒbererregten Beziehungswelt von sozialen Netzwerken und Auto-Updates.

Aber was passiert mit echter IntimitĂ€t, wenn Emotionen, Zuneigung und Ideen zu Produkten auf einem unersĂ€ttlichen Marktplatz werden? Beziehungen entwickeln sich in einer pastellfarbenen Shopping Mall in Neukölln; auf dem Weg in die heimatlichen KleinstĂ€dte in der Provinz, in semi-erfolgreichen Galerien mit New Yorker Import-Kunst, zwischen den Wolkenkratzern im Frankfurter Bankenviertel oder auf der anderen Straßenseite in #Berlin: Diese Stadt, die transnationale Entdecker und Kreative magnetisch anzieht, die sich aber trotzdem weigert, den Sprung von der Peripherie zu einer echten Metropole zu machen. Every throwback is a throw-forward.

Generation '89

Translantics kann man als Portrait der Generation '89 verstehen, plus-minus. Eine Generation in der Beta Phase, sie testet sich selbst und einander. Die Gegenwart: durchsichtig, temporĂ€r, im Dazwischen, zwischen hier und da, ihr und ihm, hier und jetzt. Bildauflösungen ĂŒbertreffen sich auf dem SmartTV, Pixel reiben aneinander und werden dabei so scharf, dass der Gartenteich auf dem Handyvideo wie eine 3D Animation aussieht, der Hyper-Realismus lĂ€sst die RealitĂ€t kĂŒnstlich erscheinen. Geschichten fassen sich schneller in Bilder als in Worte, Skype-Fenster öffnen sich fĂŒr Job Interviews, Kameras werden zu den Kontaktlinsen des inneren Auges, unserer mentalen UnschĂ€rfe.

Die SCHIRN zeigt in Zusammenarbeit mit Arte Creative die Web-Serie "Translantics" der Berliner KĂŒnstlerin Britta Thie auf SCHIRN.DE/TRANSLANTICS