WE NEVER SLEEP

Diese Ausstellung wird Sie noch lange verfolgen: Die Faszi­na­ti­ons­kraft der Spio­nage stellt auch immer eine Quelle künst­le­ri­scher Inspi­ra­tion dar. So glamou­rös Spio­nin­nen und Spione in der Popu­lär­kul­tur präsen­tiert werden, so gesell­schaft­lich brisant sind ihre in verdeck­ten Aktio­nen gewon­ne­nen Infor­ma­tio­nen. Die Ausstellung „We Never Sleep“ beleuchtet das Thema durch das Prisma zeitgenössischer Kunst – beginnend Anfang der 20. Jahrhunderts über den Kalten Krieg bis hin zur heutigen medialen Überwachung. „We Never Sleep“ wirft demnach Fragen auf, die heute virulenter scheinen denn je. Dabei setzt sich der Katalog mit vielseitigen, die Ausstellung ergänzenden Perspektiven rund um das Thema Spionage auseinander. Die Essays geben Einblicke in die Verwicklungen von Kunst und Politik im Kalten Krieg, decken filmische Spionagetechniken auf, setzen sich aus persönlicher Perspektive mit der Militarisierung US-amerikanischer Kultur auseinander und analysieren die (ästhetischen) Strukturen und Praktiken des Agententums.

TIPP Mitunter eigens für das Projekt entwickelte Arbeiten der Künstler Gabriel Lester, Simon Menner und Noam Toran sowie bereits erschienene Artikel aus unterschiedlichsten Medien verwandeln den Katalog in eine einzigartige Sammlung komplexer Ressourcen zum Thema Spionage. 

EITHER HE'S DEAD, OR MY WATCH HAS STOPPED

HAERIZADEH, HAERIZADEH, RAHMANIAN

Überbordend, humorvoll, exzentrisch und voller Anspielungen: Die raum­grei­fen­den Instal­la­tio­nen des irani­schen Künst­ler­kol­lek­tivs Ramin Haeri­z­a­deh, Rokni Haeri­z­a­deh und Hesam Rahma­nian entfüh­ren in eine eigene Welt. Die Schirn präsentiert nun die erste Einzelausstellung des Trios in Deutschland. Immer wieder kreist ihr Werk um die Krisen des Nahen Ostens, um Krieg, Exil und Migra­tion. Mit melan­cho­li­scher Poesie und beißen­dem Humor verwan­deln sie düstere Szenen in kari­ka­tur­hafte Grotes­ken, die die globa­li­sierte Welt spie­geln. Haeri­z­a­deh, Haeri­z­a­deh und Rahma­nian rich­ten die Aufmerk­sam­keit auf dring­li­che poli­ti­sche und soziale Konflikte der Gegen­wart und hinter­fra­gen Macht­me­cha­nis­men genauso wie norma­tive Geschlech­ter­rol­len oder die Kunst­welt. Die Publikation zur Ausstellung ist dementsprechend außergewöhnlich gestaltet: Ein Kosmos an Farben, symbolischen Referenzen und großformatigen Abbildungen sowie einem einführenden Text der Kuratorin Martina Weinhart und einer ausführlichen Biografie des Trios.

TIPP Die raumfüllenden Arbeiten werden in ihrer Entstehung und Fertigstellung nicht nur bildlich im Katalog dokumentiert. Eigens für die Publikation verfasste Texte der Künstler und befreundeten Autorinnen und Autoren geben Einblick in das (Kunst-)Universum von Ramin Haeri­z­a­deh, Rokni Haeri­z­a­deh und Hesam Rahma­nian.

FANTASTISCHE FRAUEN. SURREALE WELTEN VON MERET OPPENHEIM BIS FRIDA KAHLO

Die SCHIRN beleuchtet erst­mals in einer großen Über­blicks­aus­stel­lung den weib­li­chen Beitrag zum Surrea­lis­mus. Anders als ihre männ­li­chen Kolle­gen kehrten sie die Perspektive um: Durch Befra­gung des eige­nen Spie­gel­bilds und das Einneh­men verschie­de­ner Rollen suchten sie nach einem eigenen Iden­ti­täts­mo­dell. Hinzu kam die Auseinandersetzung mit politischen Themen, Literatur oder fremden Mythen. Neben bekann­ten Namen wie Louise Bour­geois, Claude Cahun, Leonora Carring­ton, Frida Kahlo oder Meret Oppen­heim sind zahl­rei­che unbe­kannte, aufre­gende Persön­lich­kei­ten wie Toyen, Alice Rahon oder Kay Sage zu entde­cken. Die Publikation zeigt nicht nur das beeindruckend aktuelle Œuvre der Surrealistinnen in großformatigen Bildern. Die große Bandbreite an Textbeiträgen unterschiedlicher Expertinnen illustriert die Diversität der Kunstbewegung und die begleitenden Biografien geben Einblicke in das facettenreiche Leben und Werk der Künstlerinnen.

TIPP Rund 260 Gemäl­de, Zeichnungen, Skulp­tu­ren, Foto­gra­fien und Filme von 34 Künst­le­rin­nen aus 11 Ländern ergänzen sich zu einem Gesamtbild des fantastischen Schaffens der surrealistischen Avantgarde. Der umfangreiche Katalog bietet die erste und einmalige Gelegenheit diesen exklusiven Überblick mit nach Hause zu nehmen.

KATALOG RICHARD JACKSON. UNEXPECTED UNEXPLAINED UNACCEPTED

Wie kein anderer Künstler seiner Zeit hat sich Richard Jackson der radikalen Erweiterung der Malerei verschrieben. Die Schirn präsentiert erstmals in einer Ausstellung fünf seiner insgesamt zwölf einnehmenden Rauminstallationen. In den Rooms werden comicartige Figuren, Tiere oder Gegenstände zu Akteuren eines einmaligen Prozesses: Luftkompressoren und Pumpen lassen satte Farbe durch Schläuche und Trichter, durch Ohren, Münder und andere Körperöffnungen fließen, um sie jeweils auf Boden, Wänden, Einrichtung und Figuren zu verteilen. Die Publikation nimmt Jacksons malerischen Prozess auf und führt die Leser durch die Räume mit immer wechselnden Perspektiven und leuchtenden Farbwechseln. Essays von Schriftsteller Chris Kidd, Kunsthistoriker Christian Janecke und dem Kurator Matthias Ulrich kontextualisieren die Werke des kalifornischen Künstlers und stellen wichtige Zusammenhänge zur Kunst, Politik und Geschichte her.

TIPP Mit den ausführlichen Werktexten zu den einzelnen Rauminstallationen und der umfassenden fotografischen Dokumentation lassen sich immer neue Details und Bezüge zur Kunstgeschichte und dem aktuellen Zeitgeschehen entdecken.

KARLA BLACK

Die raumgreifenden Skulpturen von Karla Black sind von einer mehrdeutigen, fragilen Schönheit. Zarte Pastelltöne und Folien, Licht und Reflexionen verleihen ihnen etwas Schwereloses. Ihre großformatigen Werke bewegen sich zwischen Installation, Malerei und Performance und haben den Anspruch, eigenständige Skulpturen zu sein. Black arbeitet mit klassischen skulpturalen Materialien ebenso wie mit Substanzen des täglichen Gebrauchs und der Kosmetik – mit Vaseline, Gipspulver, transparentem Klebeband oder Lippenstift. Die Textur, „das Anfühlen“, ist für ihre Auswahl ausschlaggebend. Für die Schirn Rotunde hat die schottische Künstlerin eigens neue Arbeiten entwickelt. Die Publikation fängt die filigranen Bestandteile der Installation auf beeindruckende Weise ein und führt den Betrachter durch das haptische Werk der Künstlerin.

TIPP Ein exklusives Interview mit Karla Black gibt einen aufschlussreichen Einblick in ihre Arbeitsweise und die zentralen Themen und Fragestellungen ihrer Arbeit.

HANNAH RYGGEN

Mit ihren monumentalen Wandteppichen schuf die norwegisch-schwedische Künstlerin Hannah Ryggen ein eindrucksvolles, politisch motiviertes Werk. Von einem klei­nen autar­ken Bauern­hof an der West­küste Norwe­gens aus lancierte sie bildliche Angriffe auf Hitler, Franco und Mussolini und setzte sich damit für die Opfer von Faschismus und Nationalsozialismus ein. Erstmals in Deutschland stellt die Schirn mit rund 25 Tapisserien das umfangreiche Œuvre der Künstlerin vor. Die Publikation gibt Einblick in das eindringliche und kraftvolle Werk Ryggens, das in einer Gegen­wart, die von zuneh­men­der Ungleich­heit, Natio­na­lis­mus und Popu­lis­mus geprägt ist, von erschüt­tern­der Aktua­li­tät zeugt. Die Textbeiträge von Marit Paasche und Marie Luise Knott geben vielseitige Einblicke in Hannah Ryggens bewegtes Leben und ihr eindrucksvolles Werk. Ein exklusives Interview von Esther Schlicht mit dem Künstler Ingar Dragset zeigt, wie Ryggen heute eine wichtige Vorbildfunktion innehat.

TIPP
Eine umfangreiche Chronologie und Biografie taucht tief in die Welt Hannah Ryggens ein und erzählt von ganz persönlichen Erlebnissen einer Künstlerin, die sich und ihre Familie zeitlebens selbst versorgte, wie auch von den einschneidenden Ereignissen der Weltpolitik, die sie konsequent und mit klarer Bildsprache kommentierte.

JOHN M ARMLEDER. CA.CA.

Seine Kunst verbindet Hochkultur und Alltag, Zufall und Planung, Tiefgründiges und Banales zu einem einzigartigen Erlebnis. Eigens für die SCHIRN hat John M Armleder neue, raumfüllende Installationen entwickelt. Unter anderem mit 20 Discokugeln verwandelt er die SCHIRN-Rotunde in ein öffentlich zugängliches Spiegelkabinett. Zentrale Anliegen sind die Verweigerung des Konkreten, Festlegbaren sowie eine Vorliebe für das Prozesshafte. Diese grundlegende Haltung spiegelt sich etwa auch im Titel „CA.CA.“ der Schirn-Ausstellung. John M Armleder nimmt die Betrachter mit auf eine Reise durch die Kunst und Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts und wird dabei nicht müde, bestehende Systeme und Strukturen der Kunstwelt zu befragen. Die Publikation führt die Leser auf anschauliche Art und Weise durch die außergewöhnliche Ausstellung und bietet mit einem Text zu Armleders Œuvre sowie einer ausführlichen Künstlerbiographie grundlegende Einsichten in sein Werk.

TIPP
Die detaillierten Werkansichten führen die Leser durch die raumfüllenden, visuell vielfältig ansprechenden Arbeiten Armleders und lassen so die Ausstellung bildlich nacherleben.

BIG ORCHESTRA

Zeitgenössische Musik hat ihren eigenen Sound. Und zwar buchstäblich: Musik­in­stru­mente, die gleich­sam Skulp­tu­ren sind, stehen für eine noch rela­tiv unbe­kannte, junge Entwick­lung in der Gegen­warts­kunst. In einer inter­na­tio­nal besetz­ten Grup­pen­aus­stel­lung zeigt die SCHIRN künst­le­ri­sche Arbei­ten, denen gleich­zei­tig die Funk­tion von Musik­in­stru­men­ten inne­wohnt. Das Spiel auf den skulp­tu­ra­len Werken bildet den Mittel­punkt der in stän­di­ger Verän­de­rung begrif­fe­nen Ausstel­lung. Während der Lauf­zeit wird die SCHIRN tempo­rär zu einem Konzert­saal, in dem die Arbei­ten akti­viert und zum Klin­gen gebracht werden. Auch die Publikation zur Ausstellung hat ihren eigenen Sound. Beiträge von Irene Noy, Marion Saxer, Matthias Ulrich und Salomé Voegelin geben einen außergewöhnlichen und differenzierten Einblick in die Welt des Sound: Zeitgenössische Kunst klingt nach sozialem Austausch, wenn andere Formen von Sprache versagen, nach neuen Formen der Kontaktaufnahme, und nach Fragen zur Identität und dem politischen Potential von Kunst.

TIPP
Musikinstrumente, die auch Kunstwerke sind – warum also nicht ein Katalog, der aussieht wie eine Schallplattenhülle? Mit ihrem besonderen Format passt diese außergewöhnliche Publikation in jedes Bücherregal und in jede Plattensammlung.

A JOURNEY THROUGH MUD AND CONFUSION WITH SMALL GLIMPSES OF AIR

Nathalie Djurberg & Hans Berg

Erstmals stellt die Schirn Kunsthalle Frankfurt das Werk des schwedischen Künstlerpaars Nathalie Djurberg und Hans Berg in einer umfangreichen Überblicksausstellung in Deutschland vor. Zu sehen sind rund 40 Video- und Soundarbeiten der letzten zwei Jahrzehnte sowie ihre erste Virtual Reality-Arbeit aus dem letzten Jahr. Die Begegnung mit den Filmen von Nathalie Djurberg und Hans Berg hat etwas von einer Verführung – eindrucksvoll und unmittelbar ziehen sie die Betrachter an, hinein in farbenprächtige, von hypnotischer Musik begleitete, suggestive Welten.Die Künstler nehmen die Besucher mit auf eine Reise ins Innere des Menschen. Ihre Filme gleichen absurden Träumen und verdrängten Erinnerungen, sie ergründen atmosphärisch verdichtet die Grenzen des menschlich Erträglichen. Kuratorin Lena Essling, Philosophin Patricia MacCormack, Musiker David Toop und Kurator Massimiliano Gioni dechiffrieren das Werk Djurbergs Berg hinsichtlich der Schauplätze, des Sounds und der zentralen Themen.

TIPP
Mit einer Fülle an großformatigen Farbabbildungen und Bilderreihen gibt der Katalog einen vielseitigen Einblick in das komplexe Werk von Djurberg Berg.

BRUNO GIRONCOLI: PROTOTYPEN EINER NEUEN SPEZIES

Der Österreicher Bruno Gironcoli (1936–2010) gilt als einer der wichtigsten Bildhauer seiner Generation. Mit einer persönlich gefärbten, individuellen Bildsprache schuf er ab den frühen 1960er-Jahren in einer schier nicht enden wollenden erfinderischen Unersättlichkeit ein singuläres Œuvre. Die eindringliche Ausstellung der Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert Ausschnitte aus Gironcolis monumentalem Spätwerk. Als seien sie einer surrealen Traumwelt entsprungen, erscheinen die gigantischen Objekte wie „Prototypen einer neuen Spezies“, getaucht in glänzende, verführerische Oberflächen aus Gold, Silber und Kupfer. Der Ausstellungskatalog führt den Leser durch Detailaufnahmen und Totalansichten der monumentalen Skulpturen ein in Gironcolis Theater des Absurden. Darüber hinaus beleuchtet Kuratorin Martina Weinhart ausführlich Gironcolis umfangreiches Schaffen und die vielfachen Einflüsse auf seine ganz eigene Figurensprache.

TIPP
Mit historischen Archivaufnahmen ermöglicht der Katalog außergewöhnliche Einblicke in Bruno Gironcolis Leben und Wirken sowie in die Wiener Kunstszene seiner Zeit.

IDYL IN AN ELECTRONICS FACTORY

Maria Loboda

Die Skulpturen und Installationen von Maria Loboda sind rätselhaft und voller Geheimnisse. Zwei parallel angeordnete Hecken aus portugiesischem Lorbeer, eingefasst in Betonbottiche, reichen bis ins erste Obergeschoss der SCHIRN-Rotunde hinauf und verwandeln den Raum in einen Labyrinth-artigen Skulpturengarten. Aus den Hecken ragen organische Betonkörper, die zusammen den Buchstaben R ergeben. „Tout te**iblement“ ist auf den Betoneinfassungen der Pflanzen zu lesen, ein von Yves St. Laurents bekannter Ausspruch. Mit dem Ausstellungstitel „Idyl in an Electronics Factory“ nimmt Loboda Bezug auf eine Rezension unter demselben Titel, die 1963 in dem US-amerikanischen Designmagazin Interiors erschien. Der darin besprochene ganzheitliche Ansatz des Landschaftsarchitekten James C. Rose ist zugleich Ausgangspunkt und Gegenstand von Lobodas Arbeit. In Form eines doppelseitig bedruckten Leporellos schlängelt sich der aufwendig gestaltete Ausstellungskatalog durch Lobodas Rotundenlabyrinth und führt mit einem ausführlichen Text in ihre Arbeit und Vita ein.

TIPP

Publikation und Kunstwerk in einem. Dank der besonderen Form des Leporellos kann sich Maria Lobodas Skulpturengarten als visuelles Narrativ wortwörtlich entfalten.

WILDNIS

Ein unberührter Naturzustand ist kaum noch existent, die weißen Flecken auf den Landkarten nahezu verschwunden. Zugleich hält die Faszination für das Phänomen „Wildnis“ in der Kunst an. Dieser widmet die SCHIRN eine umfassende Themenausstellung. Über 100 Kunstwerken von 34 internationalen Künstlerinnen und Künstlern – von 1900 bis zur Gegenwart – werden in der Ausstellung gezeigt, u.a. von Henri Rousseau, Tacita Dean, Max Ernst, Gerhard Richter, Georgia O’Keeffe und vielen weiteren bedeutenden Positionen.  Die Suche nach den letzten freien Plätzen, die Expedition als künstlerisches Medium und Visionen einer posthumanen Welt prägen die ausgestellten Werke ebenso wie die Neuverhandlung des Verhältnisses von Mensch und Tier. Gleichzeitig dient Wildnis seit jeher auch als Projektionsfläche für das Andere und das Fremde, für Gegenbilder und Sehnsuchtsfantasien. Der aufwendig gestaltete Katalog beleuchtet die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Wildnis aus vielfältiger Perspektive und enthält eindrucksvolle Abbildungen der gezeigten Werke.

TIPP
Ausgewählte Künstlerstatements, historische und literarische Texte kontextualisieren neben den Essays die Werke und geben tiefgreifende Einblick in die Kulturhistorische Entwicklung des Wildnis Begriffs. 

KÖNIG DER TIERE WILHELM KUHNERT UND DAS BILD VON AFRIKA

Eine ausführliche Chronologie im Katalog gibt Einblick in die deutsche Kolonialgeschichte und liefert die zentralen Hintergrundinformationen zu Kuhnerts Leben und Werk.

Als einer der ersten europäischen Künstler bereiste der Berliner Maler Wilhelm Kuhnert zur Jahrhundertwende die damals noch weitgehend unerforschte ehemalige Kolonie Deutsch-Ostafrika. Die auf seinen Reisen entstandenen Zeichnungen und Ölskizzen der dortigen Flora und Fauna dienten ihm als Vorlagen für monumentale Gemälde, die er nach der Rückkehr in seinem Atelier anfertigte. Kuhnert stellte seinerzeit international mit großem Erfolg aus und wurde zum führenden Interpreten der afrikanischen Tierwelt. Wie kein anderer Maler seiner Zeit hat er die westliche Vorstellung von Afrika geprägt. Die SCHIRN präsentiert die erste große Retrospektive zum Leben und Werk des Künstlers. Der begleitende Katalog beleuchtet Kuhnerts Werk und Schaffen sowohl vor dem Hintergrund der Kunst- und Naturwissenschaftsgeschichte als auch der deutschen Kolonialgeschichte und enthält großformatige Abbildungen der monumentalen Tiermalerei.

POWER TO THE PEOPLE

Populistische Führer, Fake News und totalitäre Propaganda. Die Demokratie scheint in der Krise. Gleichzeitig macht sich eine spürbare Repolitisierung breit. Auch die Künstler erheben nun ihre Stimme und schaffen Werke, die sie als Einspruch am bestehenden System, als Aufruf zum politischen Handeln und als Instrumente der Kritik verstehen. In ihren Videos, Installationen, Fotografien, Skulpturen und Gemälden stellen sie politische Haltun­gen infrage, analysieren Herrschaftsdiskurse und entwerfen einfallsreiche Formen einer neuen Protestkultur. Eine Ausstellung zur politischen Kunst braucht eine Zeitung, in der diese Stimmen laut werden: in den Werken der Künstler, wie auch in ihren Statements und Interviews, die hier zu lesen sind. 

Tipp. Der Zeitung liegt ein Code zugrunde: Hinter der unterschiedlichen Dicke der Striche unter jedem Künstlernamen verbirgt sich die Höhe des Bruttosozialproduktes pro Kopf aus dem Land, in dem die Künstler jeweils geboren wurden.

DIORAMA

Erfindung einer Illusion

Ein Schaukasten aus Glas. Dahinter eine Bühne mit volks- oder naturkundlichen Szenerien, bestückt mit verschiedensten Materialien, Tierpräparaten oder gar menschlichen Figuren. So die klassische Assoziation des Dioramas. Und was hat das mit Kunst zu tun? Die Ausstellung in der Schirn Kunsthalle geht dieser Frage erstmals kritisch nach. Sie beginnt noch vor der Entwicklung von Louis Daguerres Schaubühne in der Pariser Oper mit den frühen religiösen Andachtsszenerien aus dem 18. Jahrhundert, sie reflektiert den wissenschaftlichen Einsatz von Dioramen in Naturkundemuseen und reicht bis ins 21. Jahrhundert, zur Dekonstruktion des Dioramas in zeitgenössischen Fotografien, Filmen und Installationen. Die zahlreichen Texte im begleitenden Katalog reichen von minutiösen technischen Anleitungen, über Künstlertexte bis hin zu theoretischen Analysen aus der Kunst- und Kulturgeschichte. Sie spiegeln die Interdisziplinarität dieses besonderen Mediums wider und geben vielschichtige Einblicke in die Kulturgeschichte des Ausstellens, in die Entwicklung des Dioramas als Vorläufer der virtuellen Welt

TIPP. Neben der großen Bandbreite an abgebildeten Dioramen, ist die Diversität der Katalogtexte kaum zu übertreffen: Sie reicht von detaillierten Analysen Carl Akeleys, Urheber der Dioramen im American Museum of Natural History, über einen Brief Anselm Kiefers an den Kurator bis hin zu Donna Haraways berühmten Text zum „Teddybärpatriarchat“

30 JAHRE SCHIRN

DAS MAGAZIN ZUM JUBILÄUM

Aller guten Dinge sind dreißig! In dreißig unterhaltsamen Kapiteln versammelt das Magazin alles, was die SCHIRN zu einer der angesehensten und beliebtesten Kunstinstitutionen Europas macht. Opulent bis amüsant präsentiert das Magazin ausgewählte Ausstellungen, Meinungen und virulente Themen, die Freunde und Community, Zahlen und Fakten, die Höhepunkte und Aufreger aus dreißig Jahren SCHIRN. Ein Magazin von und für all jene, die die SCHIRN lieben und zu dem machen, was sie ist.

LENA HENKE

Sand in den Augen

Lena Henkes Inspirationsquellen reichen von der Architektur fantastischer Landschaftsgärten aus dem 16. Jahrhundert bis hin zu den leuchtenden Farben von Luis Barragáns Bauten in Mexiko-Stadt, Mitte des 20. Jahrhunderts. In der raumgreifenden Installation „Schrei mich nicht an, Krieger!“ verarbeitet die Künstlerin ihre ganz eigene Erfahrung von Architektur, öffentlichem Raum und Stadtplanungskonzepten und entwickelt daraus eine individuelle Formensprache. Die Säulen der Schirn Rotunde, in knalliges Gelb, Pink und Blau gehüllt, spiegeln sich in der kühlen, metallischen Aluminiumoberfläche der zwei Skulpturen an den Eingängen der Rotunde. Erst von oben erkennt man deren Form: Überdimensioniert große Augen in geschwungener Form. Durch ein Rollgitter rieselt aus der ersten Etage der Schirn feiner Sand in die Augen, sobald ein Windstoß oder eine Fußbewegung die Körnchen nach draußen wehen lässt

TIPP. Durch den Perspektivwechsel - von unten, von oben, von der Seite - eröffnet sich in Lena Henkes Arbeit ein immer wieder neues, überraschendes Zusammenspiel verschiedener Formen, Farben, Materialien, Lichtsituationen und Spiegelungen.

BLIND VOLUMES. ROSA BARBA

Katalog

Mit Blind Volumes präsentiert die Schirn eine neue Arbeit der international bekannten Künstlerin Rosa Barba (*1972 in Agrigent, Italien, lebt in Berlin). In der eigens für die Rotunde der SCHIRN konzipierten Installation transferiert Rosa Barba das filmische Prinzip der Montage in eine räumlich-architektonische Dimension. Aus rund 80 identischen Stahlrahmen errichtet sie eine geometrisch verschachtelte Konstruktion, die ebenso an ein Depot oder Archiv wie an die konstruktivistischen Visionen des frühen 20. Jahrhunderts erinnert. Die 12 Meter in die Höhe ragende Struktur wird zur Bühne für eine dynamische Choreografie aus Bild, Licht und Klang. Auf verschiedenen Ebenen hat die Künstlerin eigene filmisch-skulpturale Arbeiten installiert, die sich zu einem performativen Zusammenspiel verbinden.

PETER HALLEY. THE SCHIRN RING

Katalog

Ausgehend von den räumlichen Gegebenheiten der Rotunde hat Halley eine mehrteilige Installation entwickelt, die im Außenraum beginnt und sich im Inneren über beide Etagen der Rotunde sowie einen angrenzenden Ausstellungsraum erstreckt. Auf einer Fläche von rund 450 m² entwirft Halley eine räumlich komplexe, codierte Installation mit sowohl aktuellen als auch älteren Elementen seines Werkes. Peter Halleys Installationen gründen stets in seinem Verständnis des kulturellen und architektonischen Kontexts, in dem sie entstehen. So ging auch der Entwicklung von The Schirn Ring eine intensive konzeptionelle und architektonische Auseinandersetzung mit der Rotunde der Schirn voraus.

JOAN MIRÓ. WANDBILDER, WELTENBILDER

Ein halbes Jahrhundert Malerei

Joan Miró hatte eine Vorliebe für große Formate und eine Faszination für die Wand. Sie stellt den Ausgangspunkt seiner Malerei dar – als Objekt, das abgebildet wird und das zugleich die physische und haptische Qualität seiner Werke bestimmt. Miró löste sich von einer einfachen Wiedergabe der Wirklichkeit und setzte die Bildfläche mit der Wand gleich. Sein besonderes Verhältnis zur Wand erklärt die Sorgfalt, mit der er seine Materialien und Bildgründe auswählte und vorbereitete. Mit weißgrundierten Leinwänden, roher Jute, Faserplatten, Sandpapier oder Teerpappe ließ der Künstler einmalige Bildwelten von herausragender Materialität entstehen.
Tipp:
In seinem Essay widmet sich Joan Punyet Miró, der Enkel des Künstlers, der künstlerischen Bedeutung der Wand im Gesamtwerk seines Großvaters und verdeutlicht deren besonderen Einfluss auf dessen Malerei.

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Das Selbst als Politikum

Das traditionelle Selbstbildnis ist inzwischen Geschichte, seine früher üblichen Merkmale und Attribute fehlen in neueren Arbeiten. Vor allem das Gesicht erscheint heute verdächtig. Der Ausstellungskatalog "Ich" führt die ikonoklastischen Verfahren, die das Genre des Selbstporträts heute durchläuft, umfassend zusammen und präsentiert Wege der künstlerischen Subversion: Witz, Ironie, Dezentralisierung, Fragmentierung, Blindheit und Versperrung. Die Subjektivität des Künstlers ist dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, ein Leitmotiv der zeitgenössischen Kunst geblieben, sie ist jedoch nicht mehr ausschließlich mit dem Abbild des Künstlers verbunden. Das Subjekt changiert, deshalb ist es schwer in einem Bild zu fassen.

PAPARAZZI! PHOTOGRAPHERS, STARS, ARTISTS

Phänomen Paparazzi-Fotografie

Die Publikation untersucht die Faszination für Starfotografie und spiegelt ihren Einfluss auf die Bildende Kunst und die Modefotografie wider. Vorgestellt werden „Ikonen“ der Paparazzi-Fotografie, darunter Jackie Kennedy-Onassis beim scheinbar ungezwungenen Spaziergang durch Manhattan, Lady Di auf der Flucht vor dem Blitzlichtgewitter oder die jüngeren „Lieblinge“ der Paparazzi wie Paris Hilton oder Britney Spears. Neben Arbeiten der berühmtesten Vertreter der Paparazzi-Fotografie wie Ron Galella, Pascal Rostain und Bruno Mouron oder Tazio Secchiaroli werden künstlerische Positionen u. a. von Cindy Sherman, Gerhard Richter, Andy Warhol, Barbara Kruger, Paul McCarthy und Richard Avedon vorgestellt, die in kritischer Auseinandersetzung die spezifischen Charakteristika der Paparazzi-Ästhetik ausgelotet und ergründet haben. Erzählt werden Geschichten aus über 50 Jahren Paparazzi-Fotografie. Der Paparazzo wird dabei selbst ins Visier genommen als bewunderte wie gefürchtete Berufsgruppe, die durch das zumeist heimliche Verfolgen und Belauern berühmter Persönlichkeiten ihre Existenz sichert und die Boulevardmedien zu einem der umsatzstärksten Bereiche im Pressesektor gemacht haben – immer auf der Suche und mit dem Ziel, Ungeahntes, vermeintlich Vertrauliches und Privates exklusiv zu veröffentlichen. Die Publikation analysiert die komplexen Beziehungen und Abhängigkeiten, die sich mitunter zwischen Star und Fotograf entwickeln.

POESIE DER GROSSSTADT. DIE AFFICHISTEN

Urbane Beutestücke

Ob frühe Pop-Künstler, Wegbereiter der Street-Art oder Vermittler einer „natürlichen Poesie“ der Wirklichkeit: In den 1950er Jahren traten die „Affichisten“ mit einem völlig neuen Begriff des Tafelbildes hervor. Auf Streifzügen durch das Paris der Nachkriegszeit sammelten sie Teile der in den Straßen der Stadt allgegenwärtigen, oft verwitterten und zerfetzten, sich in Schichten überlagernden Plakatwände und erhoben die urbane Alltagswelt selbst zum Gemälde. Ihr ebenso subversiver wie poetischer Zugriff auf die Wirklichkeit machte sie zu Pionieren eines „Neuen Realismus“.
Vorgestellte Künstler: François Dufrêne, Raymond Hains, Jacques Villeglé sowie Mimmo Rotella und Wolf Vostell.