14. Oktober 2016

Eine Rarität: Magritte kommt in großem Umfang nach Frankfurt. Kuratorin Martina Weinhart besuchte ihn vorab im Centre Pompidou in Paris.

Von Martina Weinhart

Magritte ist uns so vertraut wie uns seine irritierenden Bilder unvertraut sind. Seine ungewöhnlichen Bildideen sind heute so verbreitet, dass man Zitate davon als Re-enactment in Modemagazinen ebenso findet wie einzelne Motive auf Tassen, Schirmen oder Kissen. Im Gegensatz allerdings zu dieser wahnsinnigen Präsenz, die auch auf Heften und Kalenderblättern gerne zu finden ist, sind größere Ausstellungen, die viele seiner Werke versammeln, eine absolute Rarität. Kein Wunder, zählen sie doch zu den gefragtesten und begehrtesten, das die Museumswelt zu bieten hat. Das Zusammentragen von Leihgaben kann da leicht zu einer echten Syssiphusarbeit werden.

So ist es kaum zu glauben, aber tatsächlich zwanzig lange Jahre her, dass Magritte in größerem Rahmen in Deutschland zu sehen war – damals in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf im Dialog mit Konzeptkünstlern wie Brodthaers, Sturtevant, Bloom, Kosuth und Gober. In der SCHIRN hatten wir allerdings auch schon einmal die Ehre: 2008 haben wir Magrittes „periode vache“ ausgestellt, die Bilder, die er in bad painting-Manier malte, um die „hochnäsigen“ Pariser Surrealisten um André Breton zu provozieren. Das waren insofern für Magritte ungewöhnliche Bilder, auf den Magritt‘schen, den typischen Magritte mussten wir nochmal zehn Jahre warten.

In Bildern denken

Diesen typischen Magritte werden wir bald in Frankfurt besichtigen können, diesmal allerdings erneut unter einer Fragestellung, die uns unerwartete Aspekte aufzeigt.  „Magritte arbeitete sein Leben lang daran, der Malerei die gleiche Bedeutung zu geben wie Worten. Er wollte zeigen, dass man in Bildern denken kann“, formuliert es der Kurator Didier Ottinger, der die Themenausstellung „Magritte. Der Verrat der Bilder“ für das Centre Pompidou konzipiert hat. In abgewandelter Form, werden wir diese Ausstellung im Februar in die SCHIRN bringen.

Ceci n’est pas un retro­s­pec­tive

Magritte

Sie zeigt ihn als Künstler des „Surrealismus unter der prallen Sonne“, der weniger den erwartbaren Methoden des Surrealismus wie dem Traum und dem Zufall unterworfen ist. Und das helle Tageslicht beleuchtet den René Magritte als Denker, der im Dialog mit Philosophen stand, mit denen er die Problemstellungen seiner Kunst erörterte. Unter ihnen war kein geringerer als der große französische Poststrukturalist Michel Foucault. Nach einer Briefwechsel mit Magritte verfasste er die Schrift „Ceci n’est pas une pipe - Dies ist keine Pfeife“.

Das ist keine Restrospektive

Die Magritte-Ausstellung im Centre Pompidou wurde nun eröffnet. Gewartet hatten wir tatsächlich lange, nun dauert es nur noch bis Februar bis die Arbeiten auch in Frankfurt zu sehen sein werden. In den Medien kann man jetzt schon getreu dem Magritt’schen Dictum „Ceci n’est pas une pipe“ – „Dies ist keine Pfeife“ nachlesen: „Ceci n’est pas un surrealist“ oder auch „Ceci n’est pas un retrospective“.