06. September 2017

Mythische Landschaften und skandinavische Märchen – Das Duo The Ghost of Helags präsentiert melancholische Synthieklänge mit einer guten Prise Pop-Tunes. Ein Interview anlässlich ihres Konzerts am 13. September beim SCHIRN SUMMER HANGOUT.

Von Teresa Köster

Wie es klingt, wenn Stockholm und Berlin in den musikalischen Dialog gehen, führt das Zweiergespann aus Produzent John Alexander Ericson und Sängerin Teresa Woischiski mit „The Ghost Of Helags“ vor. Und bereits der Bandname ruft Bilder von mythischen Landschaften und Märchen Skandinaviens hervor, die ihr Äquivalent in der Musik in atmosphärischen, zuweilen verträumten Synthiewolken und verschleppten Beats finden – doch obacht: Diese Wolken und Beats berlinern, allerdings im übertragenen Sinne. Und: Sie suchen immer wieder die Nähe zu meist auch melancholischen, aber immer mitschwingenden Pop-Tönen. Denn das Duo ist mittlerweile fest in Berlin beheimatet, was dieser ersten Idee vom signifikant Schwedischen neue Klänge und Interpretationen schenkt und sie mehr sein lässt als „das Eine“, das Festgelegte.

Bevor The Ghost of Helags beim SCHIRN SUMMER HANGOUT am 13. September aus ihrer ersten gemeinsamen EP „Shibuya“ live spielen werden, stellt das SCHIRN MAG den Produzenten John Alexander Ericson und die Sängerin Teresa Woischiski im Interview vor.

Bevor wir über eure Musik sprechen: Was hat es mit Eurem Namen auf sich?

The Ghost of Helags stammt vom schwedischen Berg Helags. Alex ist aus Uppsala und er verbindet sehr schöne, ruhige Momente mit diesem Berg. Er ist ein Zeichen von Güte, Stärke, Ruhe, hat aber auch etwas Geheimnisvolles. 

Musik – als Zuhörer ebenso wie als Schöpfer eigener Songs – bedeutet jedem etwas anderes. Was hat euch rauf auf die Bühne geführt? Was bedeutet Musik in eurem Leben?

Musik verbindet über Gefühle: Sie dient als Ausdruck, ist aber auch stark mit den eigenen Emotionen verbunden. Und manchmal tut es auch weh, wenn man seine eigenen Songs singt, denn sie erinnern einen an Momente, die man lieber verdrängen würde. Doch gleichzeitig weiß man, dass es auch etwas Heilendes, sehr Wundervolles hat, wenn man es schafft, diese Gefühle in Songs zu verpacken und sie in die Welt zu senden.

Auf der Bühne zu stehen, heißt für uns, das, was uns ausmacht, zu zeigen. Es ist beängstigend und zugleich gewaltig, da oben zu stehen, schutzlos aber doch irgendwie auch mächtig, da das Publikum dir und deinem Chaos, das du zu Musik gemacht hast, zuhört.

The Ghost of Helags, Foto Ines Liebich

Teresa, Du hast sowohl solo als auch in unterschiedlichen Bands gespielt. Zum Beispiel in anderer Zweier-Konstellation bei „Sweatshirt“ – einer Band, deren Sound wesentlich pop-melodischer war. Ist ein neuer Sound gleichbedeutend mit einer neuen Phase?

Ja. Irgendwie war das auch ein persönlicher Prozess, mehr hin zu mir selbst – und damit zu unserer elektronischen Musik, die zeitgleich zerbrechlich und gewaltig scheint, sinnlich und hart, jedoch immer in Verbindung mit mir und meinen Gefühlen steht.

Am Anfang waren das Klavier, meine Träume, die ich morgens aufschrieb und sie dann in Melodien packte. Daraufhin entstand meine erste Solo-EP. Es war mir egal, welche Art von Musik es ist, es kam einfach so heraus. Erst danach checkte ich, dass es sehr folkig war. Hier liegt also mein Ursprung des Musikmachens und ich kehre gerne dahin zurück: Mit Alex an der Gitarre oder am Klavier, am besten abends, wenn alles ruhig ist, lassen sich wundervolle Songs schreiben, die man danach auch in elektronische Songs umwandeln kann.

Sweatshirt war eine wilde Phase des Ausprobierens, des Pop, und ich versuchte mich als Rampensau. Doch das war nicht ich; das fühlte sich irgendwann nicht mehr richtig an. Ich tat da etwas, hatte mir etwas angeeignet, eine Künstlerrolle, die mit mir reichlich wenig zu tun hatte. Dennoch bin ich froh über diese Erfahrung auf der Bühne und beim Songschreiben. Es sind dabei auch sehr schöne Songs entstanden.

Und wie habt ihr zusammengefunden?

Alex hat bei Craigslist eine anonyme Annonce geschaltet: „Schwedischer Produzent sucht Sängerin“. Ich habe mich darauf gemeldet. Eher ein leiser, unspektakulärer Start.

Wie entstehen bei The Ghost of Helags neue Songs?

Entweder bei Kaffee mit Gitarre und Klavier, oder bei Rotwein mit Gitarre und Klavier, wenn wir zusammen schreiben. Oder gerade jetzt im Sommer auf der Terrasse am Wohnwagen. Abends, wenn der Campingplatz schläft und die Moskitos rauskommen. Dann ist die Stimmung besonders. Alex macht neue Loops auf dem Computer, die danach zu Songs werden, oder wir nehmen die Gitarre. Eine ganz einfache Gitarre, Plastikstühle, Jogginghose, Wein aus Pappbechern, Kerzen, Zigaretten und Stevie, unser Studiohund.

Wie beschreibt ihr die Musik, die daraus entsteht?

Ethereal, dunkel und hell zugleich, zerbrechlich, aber nicht brechbar, leicht und melodisch, sinnlich und gewaltig.

The Ghost of Helags, Foto Ines Liebich

Im Studio aufzunehmen ist das Eine, live zu spielen das Andere. Welche ist Eure schönste Erinnerung?

Am schönsten war bisher unsere Show in München, denn das war das erste Mal, dass wirklich alles still war und nur die elektronischen Klänge da waren. Kein Flüstern, kein Smalltalk, kein Huster, nur Musik. Und Kerzen. Das war die reinste Form des Ausdrucks, die wir bisher hatten. Die Zuschauer haben unsere Songs wirklich aufgesaugt und es hat etwas mit ihnen gemacht, sie haben inne gehalten.

Am 13. September werdet ihr in der SCHIRN ein Konzert spielen. Welchen Song spielt ihr zurzeit am liebsten?

Ich mag „Le Storm“ sehr gerne. Er hat eine Gewalt, mit der er auf die Bühne und ins Publikum rollt; ich habe Respekt vor diesem Song. Er braucht nichts, keine Bewegung, keine Mimik. Er steht einfach da: alleine und mit sehr viel Ausdruck.

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