23. Januar 2013

Aufruf zur Blogparade: Das SCHIRN MAGAZIN fragt im Rahmen der Ausstellung „Privat“ nach den Vor- und Nachteilen des im Wandel begriffenen Privatsphäre-Begriffs unserer Gegenwart.

Von Fabian Famulok

Privatsphäre: Ein in unserer Zeit viel diskutierter Begriff. Dabei scheint er schon längst überholt und von der „Post-Privacy“ abgelöst worden zu sein. Wir bewegen uns ganz natürlich in sozialen Netzwerken, in denen wir unseren Beziehungsstatus, unsere Urlaubsfotos und unser Lieblingskochrezept freizügig mit jedem Menschen teilen. Ist also Privatsphäre mittlerweile nur noch eine Einstellung unseres Facebook-Profils?

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Der gewandelte Umgang mit unseren persönlichsten und intimsten Informationen ist auch an der zeitgenössischen Kunst nicht spurenlos vorübergegangen, wie sich in der Ausstellung „Privat“ eindrücklich nachvollziehen lässt. Den Schwerpunkt der Ausstellung bildet der Bereich „Post-Privacy“, in dem die aktuellsten Positionen zum Thema präsentiert werden. Der britische Künstler Mark Wallinger etwa zeigt in seiner Installation „The Unconscious“ Handyfotos von schlafenden Menschen, die er im Internet gefunden hat. Der US-amerikanische Künstler Evan Baden parodiert eine heute omnipräsente Selbstinszenierung mit seinen detailliert nachgestellten Fotografien. Allerdings hat die digitale Selbstdarstellung und Enthüllung auch politische Seiten: Der chinesische Künstler Ai Weiwei betreibt einen Blog, auf dem er vordergründig sein Leben und Arbeiten öffentlich macht – bei genauer Betrachtung aber deckt er damit auch gravierende Probleme seines Heimatlandes China auf.

Welchen Stellenwert besitzt also Privatsphäre in der heutigen Zeit? Während man noch vor einem Jahrzehnt sorgfältig darauf achtete, nicht zu viel von sich preiszugeben, scheint inzwischen die umgekehrte Prämisse zu gelten. Wer nichts von sich preisgibt, sich nicht präsentiert, wird im sozialen und digitalen Leben nicht wahrgenommen. Je lauter und greller der öffentliche Auftritt, umso größer die Chancen, über die traditionellen Grenzen der Privatsphäre hinaus Geltung und Bestätigung zu erlangen.

Doch entspricht die Post-Privacy wirklich unseren individuellen Vorstellungen? Wo verläuft die Grenze unserer Privatsphäre? Veröffentlichen wir unseren ersten Kuss als Foto auf Facebook? Beschleicht uns nicht die Sorge, dass der zukünftige Arbeitgeber unangemessene Informationen im Internet über uns entdeckt? Was sind die Vor- und die Nachteile, wenn internationale Großkonzerne unser Leben auf Schritt und Tritt verfolgen können? Gilt der Begriff der Post-Privacy nur in der virtuellen Welt, oder verhalten wir uns auch in der Realität anders als noch vor zehn Jahren?

Mit diesen orientierenden Fragestellungen möchten wir Anregungen geben, Euch ganz persönlich mit dem Thema der Privatsphäre und der Post-Privacy in ihren unterschiedlichen Facetten auseinanderzusetzen. Wir möchten herzlich dazu einladen, Euch an der Blogparade mit eigenen Beiträgen zu beteiligen. Die Blogparade soll ein Panorama der unterschiedlichsten Meinungen zu Privatsphäre zusammentragen, die nicht zwingend im Zusammenhang mit Kunst stehen müssen, sondern auch ganz andere Bereiche Eures Alltags beleuchten können. Informationen zu einzelnen künstlerischen Positionen zum Thema Privatsphäre findet Ihr hier auf dem SCHIRN MAG, Bilder zur Illustration findet Ihr im Downloadbereich der Presse.

Eure Beiträge werden auf dieser Seite des SCHIRN MAGAZINS gesammelt und verlinkt, zudem werden wir über unsere Social Media-Kanäle auf die Aktion und einzelne Beiträge hinweisen. Bitte nutzt die Kommentarfunktion des Magazins, um uns den Link zu Eurem Beitrag zuzusenden oder schickt den Link zu Eurem Beitrag per E-Mail an magazin@schirn.de. Bitte vermerkt gerne auch im Rahmen Eures Artikels die Teilnahme an der Blogparade, indem Ihr bei Euch auf diesen Artikel verlinkt. Der Hashtag der Blogparade lautet #PRIVATSPHÄRE. Die Blogparade endet am 27. Januar 2012.