05. September 2019

Pariser Luft und perlender Champagner… damit setzt man jeden Schachmatt! Unser letzter Sommerdrink mit einem Künstler, der alles auf den Kopf gestellt hat. Santé!

Von Antonia Lagemann (Text), Pauline Heyne (Illustration), Jens Seidl (Drink)

MATTHIAS ULRICH, SCHIRN KURATOR

Welche Künst­le­rin oder welchen Künst­ler würdest Du an einem lauen Sommer­abend gerne mal auf einen Drink tref­fen? 

Marcel Duchamp!

Und wo würde das Tref­fen statt­fin­den?

Beim Open-Air Schachspielplatz in der Lichtentaler Allee in Baden-Baden.

Welche Zutat dürfte in Eurem Drink auf keinen Fall fehlen?

„Pariser Luft“ (das Werk von Duchamp), Wodka Gorbatschow und eine Frucht mit 11 Buchstaben.

Copyright Pauline Heyne

PARIS AIR 

Jens Seidl ist Gast­bar­ten­der im Frank­fur­ter Seven Swans & The Tiny Cup und Spezia­list für verges­sene Klas­si­ker ebenso wie moderne Craft-Cock­tails. Für jedes Tref­fen kreiert er den passen­den Drink – so auch den „Paris Air“ mit Wodka und einer Frucht mit 11 Buchstaben zur Begeg­nung mit Marcel Duchamp:

ZUTATEN

4cl Wodka

2cl frischer Zitronensaft

2 Barlöffel Zucker

ca. 20 frische Heidelbeeren

Champagner

ZUBEREITUNG

Die Heidelbeeren mit dem Zucker und der Zitrone in einen Shaker geben und mit einem Stößel zerdrücken. Mindestens 1 Minute durchziehen lassen. Wodka und Eis dazugeben und kräftig schütteln. Einen guten Schuss Champagner in ein Champagner- oder Pfeifenglas geben und den Cocktail auf den Champagner fein abseihen. Mit den ätherischen Ölen einer Zitronenschale besprühen und lächeln.

Hier wurde mir eine bestens zu Duchamp passende Aufgabe gestellt – wer Mona Lisa einen Schnurrbart anmalt und durch ein Urinal weltberühmt wurde, der hat auch einen Drink mit Pariser Luft und einer Frucht mit 11 Buchstaben verdient! Weiterhin gewünscht wurde sich Wodka, eine Spirituose die bei vielen Bartendern wenig beliebt ist, da sie praktisch ohne Eigengeschmack daher kommt – was bei der sehr leichten Aromatik der Heidelbeere jedoch durchaus hilfreich ist. Duchamps Werk „Pariser Luft“ blieb für mich leider unerreichbar, aber die schönste Pariser Luft ist für mich ohnehin die, die aus einem Champagner perlt. Und weil es mich ein wenig an die Ampulle erinnert, in dem Duchamp seine Pariser Luft einfing, serviere ich diesen Drink in einem Pfeifenglas (das ursprünglich für den Genuss von Brandy oder Portwein bestimmt war).