20. März 2014

Ein Jahr nach Yoko Onos "Half A Wind Show" in der SCHIRN besuchte Kuratorin Ingrid Pfeiffer die Eröffnung der weitergereisten Ausstellung im Guggenheim Museum Bilbao. Dort gab es, neben Kunst, noch anderes zu entdecken.

Von INGRID PFEIFFER

Nachdem vor über einem Jahr die #Yoko Ono-Retrospektive in Frankfurt eröffnet wurde, findet die Tournee nun im #Guggenheim Bilbao mit der vierten Station (nach dem Louisiana Museum in Dänemark und der Kunsthalle Krems in Österreich) ihr gelungenes Ende. Als Kuratorin einer solchen Ausstellung begleitet man natürlich das „Produkt" und schaut kritisch, ob die Kollegen in den anderen Museen die Themen und roten Fäden der Ausstellung adäquat präsentieren, ob alles auch in anderen Räumen und im veränderten Kontext noch das zeigt und aussagt, was man selber unter großen Mühen jahrelang erarbeitet hat.

Aber man muss auch loslassen können und akzeptieren, dass sich andere Interpretationen ergeben, oft ausgelöst durch eine ganz andere Umgebung, eine andere Abfolge der Räume. Auch Wandfarben, Fußböden und Licht erzeugen plötzlich nicht nur andere Wirkungen, sondern tragen tatsächlich zum veränderten Erscheinungsbild und Verständnis des Künstlers bei. Was dann herauskommt, ist oft eine ganz andere Ausstellung.

Zum Glück ist dies in Bilbao nicht passiert -- im Gegenteil, die Eleganz und Großzügigkeit der Räume im Guggenheim trägt dazu bei, Onos Werk so zu präsentieren, wie es sein sollte. Der dort zuständige Guggenheim-Kurator hat sich in der Struktur sehr an der Präsentation in Frankfurt orientiert und darüber hinaus hat man dort viel mehr Platz, so dass beispielsweise die Filme Onos noch viel besser zur Geltung kommen können als dies in der Schirn möglich war. Man kann sagen, dass jeder, der die Ausstellung in Frankfurt verpasst hat, sie dort unbedingt noch anschauen sollte!

Im Moment lohnt ein Besuch in Bilbao nicht nur deswegen: Das Museum zeigt parallel eine großartige Schau des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto sowie gerade auch den Film „The Clock" von Christian Marclay, der letztes Jahr auf der Biennale in Venedig zu sehen war und dort den Goldenen Löwen erhielt.

Außerdem ist das Guggenheim Museum in Bilbao wahrscheinlich eines der am besten geführten in Europa: Obwohl schon 1997 eröffnet, sieht man keinerlei Abnutzungserscheinungen, alles wirkt enorm gepflegt und gut in Schuss. Die Details stimmen, von den Wänden, Böden und Decken bis zur grafischen Gestaltung der Schriften -- es ist eine Freude, das zu sehen. Dieses Museum, das sich sehr gut einfügt zwischen Fluss-Promenade und Altstadt, ist Genuss pur, sinnlich wie intellektuell! Das dazugehörige Restaurant hat sogar einen Michelin-Stern. Ohnehin ist Bilbao eine Stadt, deren Wohlstand auffällt im krisengeschüttelten Spanien. Neue Bürobauten und modische Geschäfte sowie die große Sauberkeit überall zeugen von einer guten Konjunktur.

Nicht weit entfernt befindet sich ein weiteres Highlight des Baskenlandes, das wunderschöne San Sebastián oder Donostia, wie es auf Baskisch heißt. Die Stadt war das Seebad der spanischen Könige und verläuft um eine geschwungene Bucht herum -- genannt „Muschelbucht" -- darüber ein Berg mit einer Jesusfigur: Wie eine Miniaturversion von Rio de Janeiro!

Wenn man nicht nur sehr gute Tapas (baskisch Pinxos) in der Altstadt isst, sondern die Bucht entlangläuft bis zum Ende, wird man belohnt durch zwei große Skulpturen von Eduardo Chillida (sogenannte „Windkämme"), die auf Felsen über dem Meer Kunst und Natur in idealer Weise vereinen. Bis vor wenigen Jahren konnte man das Chillida-Museum und den Skulpturengarten in der Nähe des Dorfes Hernani südlich von San Sebastián besuchen, doch leider ist das Gelände nicht mehr öffentlich zugänglich, der Stiftung ist wohl das Geld ausgegangen.

Die Yoko Ono-Ausstellung läuft noch bis zum 1. September 2014 und ist ein guter Anlass, das Guggenheim Bilbao und die wunderschöne Umgebung zu entdecken.