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Von makelloser Schönheit ist der nackte Jüngling, der den Betrachtenden unerschrocken entgegenblickt. Seine helle Haut unterstreicht das leuchtend feuerrote Haar, das wiederum einen Komplementärkontrast zu dem stillen Seerosenteich bildet, in dem der junge Mann seine Füße badet. Der Werktitel verrät, dass es sich bei ihm um die mythologische Figur des Narziss handelt, Fini bezeichnet ihn sogar als „unvergleichlich“. Der antiken Legende zufolge war dieser so sehr in sein Spiegelbild verliebt, dass er alles andere vergaß und über dieser Liebe zugrunde ging. Indem Finis Narziss aus dem Bild direkt die Betrachter*innen anschaut, werden sie in diese Selbstreflexion einbezogen. Neben Narziss steht eine weitere Person, von der nur die Beine sichtbar sind. Ihr Spiegelbild im Wasser enthüllt die Umrisse einer weiblichen Gestalt, möglicherweise die Nymphe Echo. Ihre Liebe zu Narziss blieb unerwidert und führte schließlich zu ihrer Selbstaufgabe, sodass ihr Körper allmählich verschwand und nur noch ihre Stimme übrigblieb.
Ein Mädchen, das von einer knienden Frau eingekleidet wird, blickt durch ein Fenster auf fünf nackte oder nur teilweise bekleidete Frauen in fließenden Seidenstoffen und aufwendig geschmückten Kopfbedeckungen. Fini erklärte, dass das Mädchen sie selbst darstelle. Der Titel entstand während der Fertigstellung des Gemäldes, als sie sich an die Worte erinnerte, die sie als Kind benutzte, wenn sie ihrer deutschen Gouvernante entkommen wollte.
Als Kind kleidete Fini ihre Puppen in kostbare Stoffe. In diesem Gemälde sind aus den Puppen Frauen geworden, die auf sexuelle Begegnungen warten – jedoch selbstsicher und zu ihren eigenen Bedingungen. Die Frauen richten ihre Blicke teilweise direkt auf die Betrachtenden: Sie werden nicht nur beobachtet, sondern beobachten ihrerseits.
Die Darstellung erinnert an die Bordellszenen der französischen Maler Henri de Toulouse-Lautrec und Edgar Degas, unterscheidet sich jedoch entscheidend von deren Perspektive. Fini nähert sich der Welt der Bordelle und sexueller Übergriffe aus der Perspektive einer Frau, die ihre eigene Sexualität selbstbestimmt erlebt, anstatt die dargestellten Frauen als passive Opfer oder als Objekte männlichen Begehrens zu zeigen.
Die Figur des Meeresgottes Triton taucht in Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ während der rauschenden Szenen im Venusberg auf – einem mythischen, von der Göttin Venus beherrschten Ort, der für sinnliche Verführung, körperliche Lust und Fantasie steht. Während einer Festszene wird die Entführung der Europa gezeigt, die auf dem Rücken des weißen Stieres, von Tritonen und Nereiden geleitet, durch das blaue Meer fährt. Fini übersetzt diese mythologische Sphäre in eine körperlich erfahrbare Form: Überlappende, schuppenartige Elemente verwandeln die menschliche Gestalt in ein aquatisches, hybrides Wesen. Die holografischen blauen Kunststoffschuppen samt schillernder Kopfbedeckung erzeugen eine fremdartige und zugleich kostbare Wirkung.