Rosemary Mayer / Estate of Rosemary Mayer, Dokumentation von „Connections (Los Angeles)“ , 1978 / 2023, Luftballons, Helium, Tusche, Bänder, Seide, Chiffon, Schnur, Metallic-Luftschlangen, 11.11.2023
Foto: Courtesy of the Estate of Rosemary Mayer

10 Ballons, 40 Jahre SCHIRN

16.04.2026

5 min Lesezeit

Rosemary Mayer
Frau mit langen Haaren und Brille bereitet einen großen Ballon auf einem Feld vor. Schwarz-Weiß-Foto.

Was wäre ein Geburtstag ohne Ballons? Anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums werden am 9. und 10. Mai über der SCHIRN in Bockenheim zehn weiße, auffällig geschmückte Ballons installiert. Hinter dieser Aktion steckt eine ephemere partizipative Skulptur von Rosemary Mayer, die den neuen Standort mit Bockenheimer Communities verbindet.

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Das 40-jährige Jubiläum der SCHIRN steht ganz im Zeichen von Kunst und Community. Davon zeugt bereits das allgemeine Programm zum Jubiläumswochenende, doch noch eindrücklicher belegt dies die künstlerische Arbeit von Rosemary Mayer. Mit „Connections (Frankfurt)“ zeigt die SCHIRN am 9. und 10. Mai eine Kunstaktion, die den titelgebenden Verbindungen zwischen Kunst, Menschen und Orten gewidmet ist.

Entwickelt wurde das partizipative Projekt bereits 1978 von der US-amerikanischen Künstlerin Rosemary Mayer. 1943 in New York geboren, begann sie ihre Laufbahn in den 1960er-Jahren – einer Zeit intensiver Umbrüche, in der sich künstlerische Ausdrucksformen wie etwa Minimalismus, Konzeptkunst und Performance etablierten und weiterentwickelten. Zu den Zeitgenoss*innen, in deren Umfeld Mayer arbeitete, zählten bekannte Namen wie Sol LeWitt, Adrian Piper oder Richard Serra. Auch war sie zeitweise mit dem Architekten und Installationskünstler Vito Acconci verheiratet. Inmitten dieser dynamischen Szene entwickelte Mayer früh einen eigenständigen künstlerischen Ansatz.

Porträt Rosemary Mayer in ihrem Studio, ca. 1975

Die Schönheit des Augenblicks – Rosemary Mayers Temporary Monuments

Während sie sich in den 1970er-Jahren wandbasierten Werken aus mehrlagigen drapierten Stoffbahnen widmete, wandte sich Mayer rasch einer zunehmend performativen und konzeptuellen Arbeitsweise zu. Besonders hatten es ihr dabei Aspekte der Vergänglichkeit und Zeitlichkeit angetan: So zeichnen sich ihre späteren Projekte häufig durch ihren flüchtigen Charakter und den Gebrauch vergänglicher Materialien aus – beispielsweise Schnee, Wachs oder Heliumballons. Ebenso verlagerte sie ihre Arbeiten ab Mitte der 1970er-Jahre zunehmend in den öffentlichen Raum, wo Witterung und die Interaktion mit den Betrachtenden unmittelbar auf das Werk einwirkten. Für Mayer hatten diese Projekte dennoch weiterhin skulpturalen Charakter, auch wenn sie nicht dauerhaft im Raum bestanden. Sie bezeichnete sie als „Temporary Monuments“ und erweiterte so die damals vorherrschenden Formen der Installationskunst – etwa die Earthworks und postminimalistischen Arbeiten – um eine zeitbasierte, ephemere Ebene.

Zudem begann Mayer, sich stärker für die Verbindungen zwischen Menschen, Orten und ihren Geschichten zu interessieren. Statt bleibende Objekte zu schaffen, ging es ihr zunehmend darum, Beziehungen sichtbar zu machen – zwischen persönlichen Erfahrungen und kollektiven Erinnerungen, zwischen Raum und Zeit. Es war ihr Wunsch, durch ihre Kunst Begegnungen zu ermöglichen und Gemeinschaft als etwas Offenes und Prozesshaftes erfahrbar zu machen. „Connections“ verbindet Mayers ephemere Arbeitsweise mit ihrem Interesse für Gemeinschaft und Begegnungen durch und mit Kunst.

Rosemary Mayer, Galla Placidia, 1973; Ways of Attaching, Installation view at Ludwig Forum, Aachen, 2022;
©Courtesy of the Estate of Rosemary Mayer & ChertLüdde, Berlin, Image via chertluedde.com
Rosemary Mayer, „Snow People“, 1979
Image via chertluedde.com

Verbindungen zwischen Zeit und Raum, Himmel und Erde

Wie bei vielen ihrer ephemeren und partizipativen Arbeiten entwickelte Mayer das Konzept 1978 zunächst auf Papier; eine Art Projektskizze bestehend aus Text und Zeichnungen. Doch zu einer Umsetzung dieser Arbeit kam es vor ihrem Tod 2014 nicht. Erst 2023 in LA konnte sie basierend auf Mayers Archivmaterial realisiert werden.

Anlässlich des 40-jährigen SCHIRN-Jubiläums wird „Connections“ nun erstmals auch in Deutschland umgesetzt. Dafür hat sich die SCHIRN an ihrem Interimsstandort in Bockenheim mit zehn Frankfurter Institutionen und Vereinen aus der Nachbarschaft zusammengetan. Zehn mit Helium gefüllte und bunt geschmückte Luftballons werden am 9. Mai im Innenhof der SCHIRN installiert und in einen Schwebezustand (ca. 3 Meter Höhe) versetzt. Sie stehen für das Knüpfen von Verbindungen – zu Ort, Zeit und Geschichte – und für die Feier von Individuen und Gemeinschaften. Die Kooperationspartner – darunter viele lokale Initiativen und Kulturvereine – widmen jeweils einer Person einen Ballon und beschriften ihn mit deren Namen, einem für diese Person bedeutsamen Datum, einem Stern und einer in Hessen heimischen Blume. Auf diese Weise verbindet „Connections (Frankfurt)“ die SCHIRN nicht nur mit lokalen Gemeinschaften und Einzelpersonen, sie führt zugleich ihre Verbindung zum Kosmos und zur lokalen Flora vor Augen. So entsteht ein konzeptuell dichtes Netzwerk um die SCHIRN herum, das ihre Beziehungen zu menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen auf neue Weise erfahrbar macht. Interessierte Besucher*innen sind zur Aktivierung der Arbeit am 9. Mai eingeladen und können somit auch selbst ein Teil von „Connections (Frankfurt)“ werden.

Frau mit langen Haaren und Brille bereitet einen großen Ballon auf einem Feld vor. Schwarz-Weiß-Foto.
Rosemary Mayer bei der Installation von „Some Days in April“, 1978
Property of Bruce Kurtz, Hartwick, New York Photo by Bruce Kurtz, courtesy of the Estate of Rosemary Mayer
Rosemary Mayer, „Connections“, 1978
Image via thewallis.org
Rosemary Mayer, „Some Days in April“, 1978
© Henne / Ordnung, 1996
Weiße Luftballons mit großen schwarzen Buchstaben schweben vor einem klaren blauen Himmel über einem Gebäude.
Rosemary Mayer / Estate of Rosemary Mayer, Dokumentation von „Connections (Los Angeles)“ , 1978 / 2023, Luftballons, Helium, Tusche, Bänder, Seide, Chiffon, Schnur, Metallic-Luftschlangen, 11.11.2023
Foto: Courtesy of the Estate of Rosemary Mayer

SCHIRN-Jubiläum

Das SCHIRN-Jubiläum findet vom 8. bis 10. Mai statt.
Am Sonntag, dem 10. Mai, findet um 16 Uhr zur Arbeit ein Talk mit Marie Warsh, der Co-Direktorin des Estate of Rosemary Mayer, in Englischer Sprache statt.