---
title: "Wie kann Kunst gegen den Rechtsruck der KI aufbegehren?"
date: 2026-08-13
last_modified: 2026-08-13T14:14:20+02:00
generated_at: 2026-08-14T11:45:50Z
url: "https://www.schirn.de/schirnmag/wie-kann-kunst-gegen-den-rechtsruck-der-ki-aufbegehren/"
description: "Mit dem Aufkommen von KI gehen reaktionäre Geschlechterrollen und rassistische Weltanschauungen scheinbar nahtlos in beruhigende Bilder vom Landleben über, welche die Internet-Ästhetik des sogenannten cottagecore mit politischen Gehalt aufladen. Wie kann Kunst die KI-gestützte Verbreitung rechtsextremer Ideologien aufhalten und kritisch beleuchten?"
image: "https://www.schirn.de/wp-content/uploads/2026/07/groteLambers_cult_of_tradition_single-1920x1920.jpg"
language: "de"
---

# Wie kann Kunst gegen den Rechtsruck der KI aufbegehren?

# Wie kann Kunst gegen den Rechtsruck der KI aufbegehren?

![Zwei Mädchen in blumigen Kleidern stehen in einem Feld, mit dem Schriftzug "der Kult der Tradition".](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/groteLambers_cult_of_tradition_single.jpg)

Rahel grote Lambers, Metapolitics in Domestic Disguise, 2022, 5 Objekte, je 30 × 30 × 1cm, UVDruck auf Leinen, Bambus, Stickgarn

© Courtesy of the artist

1 min Lesezeit

Mit dem Aufkommen von KI gehen reaktionäre Geschlechterrollen und rassistische Weltanschauungen scheinbar nahtlos in beruhigende Bilder vom Landleben über, welche die Internet-Ästhetik des sogenannten cottagecore mit politischen Gehalt aufladen. Wie kann Kunst die KI-gestützte Verbreitung rechtsextremer Ideologien aufhalten und kritisch beleuchten?

Vielleicht seid ihr gerade im Netz unterwegs auf der Suche nach Wohlfühlbildern von idyllischem Landleben und landet dabei unversehens in der digitalen Ästhetik der Neuen Rechten. Rechtsextremer Content klebt beim Scrollen wie Sauerteig an den Fingern, und in den sozialen Medien kann man nur schwer einen Bogen um ihn machen. Reaktionäre Geschlechterrollen und rassistische Weltanschauungen verbinden sich scheinbar nahtlos mit beruhigenden Bildern vom Leben auf dem Land. Sie erfüllen die Internet-Ästhetik des *cottagecore* – ein Social-Media-Trend, der das Landleben romantisiert und von Tradwives und Influencer\*innen wie Nara Smith und Hannah Neeleman bereitwillig aufgegriffen wird – mit politischen Gehalt.

## Wenn digitale Öffentlichkeit auf rechtsextremes Gedankengut trifft

Auf dieses Phänomen stieß die in Berlin lebende Künstlerin Rahel grote Lambers, als sie während der Pandemie zum Begriff *Heimat* recherchierte. Dabei fiel ihr auf, wie schnell scheinbar harmlose Bilder zu rechtsextremen Inhalten führen. Dieses Phänomen öffnete Lambers die Augen dafür, inwieweit der digitale und vielfach KI-gestützte öffentliche Raum inzwischen zu einem Ort geworden ist, an dem sich die extreme Rechte etablierte visuelle Traditionen aneignet.

Lambers’ Arbeit „Metapolitics in Domestic Disguise“ (2022) stellt eine Reaktion hierauf dar. Auf Leinen gedruckte Bilder von Frauen im häuslichen Umfeld sind bestickt mit Aussagen, die Merkmale faschistischer Ideenlehre beschreiben, wie sie Umberto Eco in seinem Essay *[Urfaschismus](https://en.wikipedia.org/wiki/Ur-Fascism)* formuliert hat. Lambert reproduziert hier nicht die Botschaft dieser Bilderwelten, vielmehr deckt sie ihre oftmals subtile Verbindung zum Weltbild der Neuen Rechten auf.

Im Mittelpunkt des Workshops *Gegenöffentlichkeit generieren? – Kunst, KI und rechte Dynamiken*, auf dem Rahel grote Lambers ihre künstlerische Praxis vorstellte, standen entsprechend ambitionierte Fragen: Kann Kunst eine Rolle dabei spielen, die KI-gestützte Verbreitung rechtsextremer Ideologie zu stoppen? Wie kann sie den Beitrag, den die KI leistet, aufdecken und kritisch untersuchen? Die zweitägige Veranstaltung, durchgeführt vom Institut für Sozialforschung (IfS) und dem Netzwerk Terrorismusforschung e.V. (NTF), fand am 20. und 21. Juli in Frankfurt am Main statt und versammelte Künstler\*innen und Wissenschaftler\*innen zu einer interdisziplinären Diskussion über eines der dringlichsten Themen der digitalen Kultur der Gegenwart.

![Zwei Mädchen in blumigen Kleidern stehen in einem Feld, mit dem Schriftzug "der Kult der Tradition".](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/groteLambers_cult_of_tradition_single.jpg)

Rahel grote Lambers, Metapolitics in Domestic Disguise, 2022, 5 Objekte, je 30 × 30 × 1cm, UVDruck auf Leinen, Bambus, Stickgarn

© Courtesy of the artist

![Kreisförmiges Bild einer Person vor einer Steinmauer, mit dem Text "Angst vor Andersartigkeit" darauf.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/07/groteLambers_fear_of_difference_single.jpg)

Rahel grote Lambers, Metapolitics in Domestic Disguise, 2022, 5 Objekte, je 30 × 30 × 1cm, UVDruck auf Leinen, Bambus, Stickgarn

© Courtesy of the artist

## Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit

Die weltweite Zirkulation von massenhaft produzierten, KI-generierten Inhalten in den sozialen Medien – auch „Slopaganda“ oder „KI-Überflutung“ genannt – wird zunehmend zu einem wichtigen Instrument in den Händen autoritärer Mächte. Ausgehend von dem politischen Konzept der „Gegenöffentlichkeiten“ als alternative Orte zur vorherrschenden und öffentlichen Meinungsbildung untersuchte der Workshop, ob Kunst in einer Medienlandschaft, die durch digitale Plattformen und KI grundlegend verändert wurde, noch immer Räume für kritische Reflexion schaffen kann.

Unter den zahlreichen Beiträgen des Workshops ging eine Podiumsdiskussion mit Anne Simone Kiesel, Katrin Köppert und Antonio Somaini dieser Leitfrage aus unterschiedlichen Perspektiven nach. Somaini, der als Wissenschaftler wie auch als Kurator tätig ist, trat für eine neue Form von Bildkompetenz ein, die uns dazu befähigt, das zu verstehen, was er als „infrastrukturelle Bilder“ bezeichnet: hochmediatisierte Bilder, welche die infrastrukturellen, meist KI-geprägten Komponenten, aus denen sie bestehen, komprimiert offenlegen.

Zudem hielt Köppert einen spannenden Keynote-Vortrag zur Fragmentierung der digitalen Öffentlichkeit und stützte sich dabei auf das radikale Schwarze Denken, das unter anderem von Sylvia Wynter, Zakiyyah Iman Jackson und Rizvana Bradley vertreten wird. In diesem Zusammenhang betonte auch sie die zentrale Rolle der Infrastruktur zu einer Zeit, in der sich Prozesse der Faschisierung mit neoliberalem Individualismus überschneiden. Kunst solle die Bedingungen ihrer Entstehung nicht einfach reproduzieren, so Köppert, sondern im Zuge des Herstellungsprozesses alternative Infrastrukturen schaffen.

Als exemplarisch hierfür führte die Kunsthistorikerin und Kritikerin Anne Simone Kiesel den Film „Ground Truths“ (2025) von Mimi Ọnụọha an. Die 16-minütige Doku-Fiktion begleitet die Künstlerin bei ihren Bemühungen zur Entwicklung eines maschinellen Lernmodells, das in der Lage ist, mögliche Standorte von Massengräbern Schwarzer Menschen im gesamten US-Bundesstaat Texas ausfindig zu machen. Dabei stellte sich – wie Ọnụọha auf ihrer Website schreibt – die weiterführende Frage: „Was passiert, wenn die Werkzeuge, bei denen wir darauf vertrauen, dass sie die Wahrheit ans Licht bringen, auf der Grundlage derselben Systeme entwickelt werden, die doch für Ausradierung sorgen?“ „Ground Truths“ macht somit auf die Spannungen aufmerksam, die sich ergeben, wenn KI zur Generierung alternativer Formen von Wissen herangezogen wird.

![](https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/692f1808f9a01f48c2fa30ac/8c09a145-022b-4e17-bab1-682266e49fb3/01_GroundTruths_film-still_courtestyoftheartist.jpg?format=1000w)  Mimi Ọnụọha, Ground Truths, 2025

Image via [mimionuoha.com](https://www.mimionuoha.com/)

#### „Was passiert, wenn die Werkzeuge, bei denen wir darauf vertrauen, dass sie die Wahrheit ans Licht bringen, auf der Grundlage derselben Systeme entwickelt werden, die doch für Ausradierung sorgen?“

Mimi Ọnụọha

#### Eine Frage infrastruktureller (Un-)Abhängigkeit

In diesem Sinne bestehen Parallelen zwischen Ọnụọhas Film und der Arbeit „Reinscribing the Dondorf“ (2025), die aktuell in der Ausstellung „[The World Through AI](https://www.schirn.de/ausstellung/the-world-through-ai/)“ in der SCHIRN zu sehen ist. Auf die Einladung hin, sich mit der vielschichtigen, politisch umstrittenen Geschichte der Druckerei Dondorf auseinanderzusetzen, schuf die Künstlerin und Wissenschaftlerin Ania Szczepańska einen Film, der über die Möglichkeiten und Grenzen der KI reflektiert, wenn es um die Arbeit mit Archivmaterialien im Sinne einer (Neu-)Schreibung der Zeitgeschichte geht.

Wie Dominik Laute und ich bereits an [anderer Stelle](https://www.schirn.de/schirnmag/superform-und-supermeme-gedanken-zu-thomas-bayrles-kunst-und-meme-culture/) ausgeführt haben, verdecken Memes häufig bestimmte Perspektiven oder schreiben andere fort, indem sie diese als allgemeingültig darstellen. Die Zunahme von „Meme-Kriegen“ kommt daher wenig überraschend. Der Titel des Workshops verweist darauf, dass künstlerische Praktiken den hier beschriebenen Dynamiken einer digitalen Faschisierung nicht entgegenwirken können, indem sie sich auf die Oberfläche der Content-Erstellung konzentrieren. Stattdessen müssen sie die Aufmerksamkeit auf die infrastrukturellen Dimensionen richten, die hinter der heutigen KI-gesteuerten Bildproduktion stehen – und die affektiven Reaktionen, die ein solch beunruhigender Blick in die Tiefen der technologischen Abstraktion hervorrufen kann, dementsprechend anpassen.

Übersetzt aus dem Englischen.

[![Frau mit kurzem, blondem Haar lächelt leicht und steht mit verschränkten Armen neben einem Fenster im Raum.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/05/Schirn_Presse_Portraet_Ania-Szczepanska-©-Pawel-Sobczyk.jpg)

Ähnlicher Artikel

### 3 Fragen an Ania Szczepańska](https://www.schirn.de/schirnmag/3-fragen-an-ania-szczepanska/)

![Zwei Personen sitzen vor einem Projektor, der historische Aufnahmen einer Druckerei zeigt.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/06/Schirn_Presse_Ania-Szczepanska_Reinscribing-the-Dondorf_2026_c_Norbert-Miguletz.jpg)

The World Through AI, 2026, Ausstellungansicht, Ania Szczepańska „Reinscribing the Dondorf“ (2026)

© Schirn Kunsthalle Frankfurt 2026, Foto: Norbert Miguletz

![Industriegebäude mit hohem Schornstein, vorn eine Halle, im Hintergrund moderne Architektur und kahle Äste.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/06/VERSION_260506.STILLS_0000.jpg)

Ania Szczepańska, Reinscribing the Dondorf, 2026

© Courtesy of the artist

## Generating Counter-Publics? – Art, AI, and Right-Wing Dynamics
Workshop, 20./21. Juli, 2026

**Referent\*innen:**
Anne Simone Kiesel
Antoine Turillon
Antonio Somaini
Heiko Schmid
Katharina Weinstock
Katrin Köppert
Lara Metzenmacher
Lea Sascha Furbach
Mona Behfeld
Paula Muhr
Rahel grote Lambers
Viktoria Rochambeau
Yuliana Mosheeva

**Organisiert von:**
Franziska Wildt (Institut für Sozialforschung)
Isabelle Holz (Netzwerk Terrorismusforschung e.V.)