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title: "Werk ohne Autor, Kunst ohne Mensch"
date: 2026-08-13
last_modified: 2026-08-13T14:19:42+02:00
generated_at: 2026-08-14T11:43:35Z
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# Werk ohne Autor, Kunst ohne Mensch

# Werk ohne Autor, Kunst ohne Mensch

![Gemälde eines roten und grünen Apfels mit großem weißen Schild: "Das ist kein Apfel".](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/04/Schirn_Presse_WTAI_Trevor-Paglen_The-Treachery-of-Object-Recognition_2019-©-Trevor-Paglen.jpg)

Trevor Paglen, The Treachery of Object Recognition, 2019, Farbsublimationsdruck auf Aluminium, 38,10 × 31,75 cm, 39,69 × 33,34 × 3,81 cm (gerahmt)

© Trevor Paglen, Courtesy of the Artist, Altman Siegel, San Francisco, and the Pace Gallery

1 min Lesezeit

Kann KI jetzt auch Kunst? Philosophin Eugenia Stamboliev seziert unterschiedliche Narrative rund um Kunst und generative KI. Es geht um nicht weniger als um die Schöpfung – um den Mythos des Autorengenies und die Destabilisierung patriarchaler Machtsysteme.

## Von der künstlerischen und der künstlichen Kunst

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein zunehmend mächtiges künstlerisches Medium, aber nicht neu. Bereits 1952 schrieb der Mathematiker und Informatiker Christopher Strachey ein Gedicht mit einem Computer. „Hey Honey“ war eine künstlerische Kooperation zwischen ihm und dem *Ferranti Mark I* (der zweite Universalcomputer nach dem *Zuse Z4*) und bestand aus einer Kombination von 70 vorgegebenen Wörtern, die der Computer zu einem überraschend lyrischen Werk zusammenmixte. War der Computer nun Autor dieses Werks? Für Strachey, nein. Seine Position war, dass ein Zusammenfügen von Wörtern nach Regeln keine\*n Autor\*in ausmacht.

Obwohl „Kunst“ und „künstlich“ verwandte Begriffe sind, werden sie unterschiedlich bewertet. Künstliches wird eher negativ gesehen, während Künstlerisches nur geschätzt wird, wenn es von Menschen und von Hand gemacht wirkt. Aber eine Unterscheidung zwischen künstlich und künstlerisch war historisch nie so eindeutig, wie es scheint. Kreativität wurde immer auch technisch vermittelt, sei es durch neue Materialien, Werkzeuge oder Medien. KI verschärft diese Spannung lediglich und macht sie sichtbarer, denn sie verbirgt nun noch mehr Ebenen in einem Medium: Künstler\*in, Struktur, Prozess, Werk und nun auch Unternehmen.

Eines wird zunehmend klar: Das Aufkommen der KI fordert ein Umdenken von Kreativität und der Bedeutung von menschlicher Handschrift. Was ist nur künstlich, was schon künstlerisch? Das ist nicht neu. Diese Frage stellte sich bereits beim Aufkommen der Fotografie Ende des 19. Jahrhunderts und dann erneut beim Siegeszug digitaler Medien und Strukturen in der Kunstproduktion. Aber wird die KI nun die letzte Bastion der Autor\*innenschaft einnehmen und Künstler\*innen selbst zu Werkzeugen degradieren? Kann KI jetzt auch Kunst?

Die sogenannte KI ist weder künstlich, noch ist es ein technischer Begriff, sondern eher ein Narrativ mit vielen Ebenen, die keiner ganz versteht oder sieht. Gemeint sind damit oft Technologien, algorithmische Systeme, maschinelles Lernen oder neuronale Netzwerke, die alle enorm viele Daten verarbeiten können. Problematisch ist dabei weniger die Technik als solche, sondern ihre (programmierte) Macht, denn KI triff t undurchsichtige Entscheidungen – von Musikempfehlungen bis zu diskriminierenden Klassifikationen.

Was auch immer *artificial intelligence* (AI) ist oder vorgibt zu sein, das Konzept erschien offiziell Anfang der 1950er Jahre in den USA. Es verband Hoffnung mit Kontrollfantasien, sollte aber auch die Vorstellungskraft von Investoren und die Träume des US-Verteidigungsministeriums (DARPA) befeuern.

Im Gegensatz zu prädiktiver oder analytischer KI erzeugt die generative KI (GenAI) mehr oder weniger eigenständig neue Inhalte nach menschlichen Anweisungen. Diese KI-Systeme können Texte schreiben, Bilder kreieren oder Klangwelten erzeugen. Nun haben viele die berechtigte Sorge, dass diese allumfassende KI menschliche Autor\*innen verdrängt, insbesondere in kreativen Berufen. Bereits bei der Veröffentlichung von DALL-E, einer bildgenerierenden KI, kamen Befürchtungen auf, dass generative Modelle kreative Arbeitsfelder verändern und Künstler\*innen unter Druck setzen, um nicht zu sagen, ersetzen werden. Solche Prognosen folgen zwar einer ökonomischen Logik, die Kreativität als ersetzbare Tätigkeit versteht, jedoch zeigen sich bereits Verschiebungen in bestimmten Arbeitsfeldern. Allein der Datendiebstahl für das Training dieser neuen KI-Modelle ließ viele Kreative und Künstler\*innen verzweifeln.

Was also könnte eine neue Autor\*innenschaft in Zeiten von KI ausmachen, wenn Mensch und Maschine um das Künstlergenie konkurrieren?

#### „Aber eine Unterscheidung zwischen künstlich und künstlerisch war historisch nie so eindeutig, wie es scheint. Kreativität wurde immer auch technisch vermittelt, sei es durch neue Materialien, Werkzeuge oder Medien. KI verschärft diese Spannung lediglich.“

## The one and only: Der menschliche Autor

Der Autor im Sinne des Schöpfers ist ein Genie, ein Mensch, aber auch ein Mythos, selten eine Frau. Künstler sind historisch männlich. Als Ernst Gombrich 1950 sein bis heute einflussreiches Werk *The Story of Art* veröffentlichte, fiel jahrzehntelang kaum auf, dass Frauen darin praktisch nicht vorkamen. Spät darauf angesprochen, soll Gombrich geantwortet haben, dass nicht jeder ein Genie sein könne. Erst in der 16. Auflage wird *eine* Frau genannt: Käthe Kollwitz. Frauen waren offenbar nie Genies. Diese Logik offenbart, wie stark Autor\*innenschaft historisch mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen verknüpft ist. Männer erscheinen in der Kunstgeschichte als Autoren und Macher, Frauen dagegen häufig als Musen und Stütze. Als die Kunsthistorikerin Katy Hessel 2022 *The Story of Art Without Men* schreibt, macht sie das als Intervention zu Gombrich. Darin zeigt sie, nicht erstmalig, dass auch Frauen Kunst machten, aber nicht gesehen, nicht gesammelt oder nicht kanonisiert wurden. Genies wurden nie geboren, sondern gemacht.

Autor\*innen konkurrieren heute nicht nur mit der KI, sondern auch mit ihrem eigenen Werk. Michel Foucault und Roland Barthes beschäftigten sich Ende der 1960er Jahre intensiv mit der Autor\*innenfrage. Während Barthes in seinem Aufsatz „Der Tod des Autors“ das Werk stärker in den Mittelpunkt stellte und Bedeutung in Rezeption, Struktur und Kontext verortete, untersuchte Foucault in seinem Vortrag „Was ist ein Autor?“ die Autorenfunktion als Form der Subjektwerdung. Der oft dramatisierte Gegensatz zwischen beiden Positionen verdeckt jedoch, dass es weder um die Abschaffung der Autor\*innen noch um deren Destabilisierung ging. Trotz dieser theoretischen Provokationen bleibt der (männliche) Autorenmythos erstaunlich stabil. Die Vorstellung vom individuellen Genie prägt weiterhin den Kunstbetrieb und die Wahrnehmung von Kunst. Doch diese Verknüpfung gerät zunehmend ins Wanken – nicht nur durch feministische Kritik, sondern auch durch neue Technologien.

#### „Wenn wir Kunsterzeugnisse als ein Zusammenspiel aus menschlicher Arbeit, technologischen Infrastrukturen und institutionellen Bedingungen begreifen, könnten wir mehr sehen. Beides, Kunst und KI, sind komplexe Netzwerke aus „entangled authorships“ und ein Ineinandergreifen von Menschen, Maschinen und Ressourcen, was komplex ist, aber nicht neu.“

## Don’t Do it Yourself: Was und wie viele sind Autor\*in?

KI stellt vieles in der Gesellschaft in Frage, unter anderem das Künstler\*innengenie. Dieser Angriff auf das Genietum muss nicht unbedingt nur als Verlust verstanden werden. Er könnte eine Umdeutung und Erweiterung bedeuten, damit wir uns von männlich geprägten Vorstellungen der Autorenschaft lösen und vielfältigere Formen kreativer Praxis sichtbar machen. Denn Kunst ist und war nie wirklich isoliert von ihren Kontexten oder Bedingungen, entgegen allen Künstler\*innenmythen. Wenn wir Kunsterzeugnisse als ein Zusammenspiel aus menschlicher Arbeit, technologischen Infrastrukturen und institutionellen Bedingungen begreifen, könnten wir mehr sehen. Beides, Kunst und KI, sind komplexe Netzwerke aus „entangled authorships“ und ein Ineinandergreifen von Menschen, Maschinen und Ressourcen, was komplex ist, aber nicht neu. Der Soziologe Bruno Latour beschrieb mit der Akteur\*in-Netzwerk-Theorie schon ähnliche Geflechte aus menschlichen und nicht-menschlichen Akteur\*innen, die relational zueinanderstehen, aber nicht hierarchisch. Diese Perspektive ist wissenschaftlich und künstlerisch spannend, aber greift dort zu kurz, wo wir die Hierarchien verstehen wollen.

Denn KI ist nie ein neutrales Netzwerk oder Werkzeug gewesen. Heute ist sie nicht mehr nur ein neues Ausdrucksmittel, sondern eine Machtstruktur. In der Ausstellung „The World Through AI“ werden diese komplexen Zusammenhänge besonders im Werk „Anatomy of an A.I. System“ von Kate Crawford und Vladan Joler sichtbar, das die globalen und materiellen Voraussetzungen von KI visualisiert.

![Grafik, die die Quantifizierung des menschlichen Körpers und diverse Datenquellen für Profile zeigt.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/04/Schirn-Presse_WTAI_-Kate-Crawford_Vladan-Joler_Anatomy_Quantification-of-Human-Body_2018_Detail.jpg)

Kate Crawford &amp; Vladan Joler, Anatomy of an AI System: An Anatomical Case Study of the Amazon Echo as an Artificial Intelligence System Made of Labor, 2018, Druck auf Papier

© Courtesy of the artists

![Grafische Darstellung komplexer Systeme und Prozesse an einer Wand, daneben ein offenes Buch auf einem Tisch.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/06/Schirn_Presse_Kate-Crawford_Vladan-Joler_Anatomy-of-an-AI-System_2018_c_Norbert-Miguletz.jpg)

The World Through AI, 2026, Ausstellungansicht, Kate Crawford &amp; Vladan Joler „Calculating Empires: A Genealogy of Technology and Power Since 1500“ (2023)

© Schirn Kunsthalle Frankfurt 2026, Foto: Norbert Miguletz

## Von der Freiheit, Künstler\*in zu sein

Kunst als frei zu verstehen kann heißen, traditionelle Hierarchien infrage zu stellen, aber auch, Ausdrucksformen neu zu überdenken. Der Computerwissenschaftler und Mathematiker Joseph Weizenbaum formulierte bereits vor mehr als fünfzig Jahren zur Anwendung früher KI-Systeme in der Kunst: „Der Künstler möchte etwas sagen, was in der üblichen Sprache unsagbar ist. Und um herauszubekommen, was ihn so drängt, versucht er die Grenzen der üblichen Sprache zu überwinden mittels seiner Werkzeuge; also, die Grenzen zu sprengen.“

Künstler\*innen haben die Freiheit, bewusst etwas hervorzuheben und zu experimentieren. Aber künstlerische Freiheit kann nie auf vollständiger Kontrolle über die Technologie beruhen, sondern nur auf der Fähigkeit, Strukturen zu verstehen, zu unterbrechen oder umzudeuten. Dabei verstehen sich viele als Kollaborateur\*innen mit der Technologie. Diese Grenze zwischen Werkzeug, Kollaboration und eigenständigem System ist immer dynamisch, offen und sagt nichts über den Einfluss aus, sondern über die Selbstzuschreibung in diesem Prozess.

Ein Beispiel: Die Künstlerin Nouf Aljowaysir sah am Anfang ihres Arbeitens mit KI diese als Kollaborateurin, holte sich aber im Laufe der Zeit bewusst die Autor\*innenschaft zurück. Ihre Entscheidung, KI als Werkzeug zu begreifen, hieß nicht, ihre Komplexität zu reduzieren, sondern war eine bewusste Kontrolle und Reflexion der Nutzung. Das greift Aljowaysir in ihrer Arbeit „Salaf“ auf, womit sie koloniale und imperiale Bildwelten in historischen Online-Archiven aufzeigt, und zwar mithilfe von KI. Ihre Kontextualisierung zwischen Welt und Kunst wird erst durch den bewusst hergestellten und neuen Standpunkt zur Kritik. Diese Form von Freiheit leisten sich Autor\*innen und Künstler\*innen als denkende und eingebettete Wesen.

Der Medienphilosoph Vilém Flusser beschrieb künstlerische Freiheit gegenüber der Technik als eine Notwendigkeit bereits bei den Anfängen der digitalen Fotografie. Künstlerische Freiheit begann für ihn dort, wo der „Apparatus“ nicht nur bedient wird, sondern gegen seine eigene Logik verwendet werden kann.

Nehmen wir ein historisches Beispiel von Freiheit, das uns erlaubt, den künstlerischen Kontext zu betrachten und nicht nur die oft gestellte Frage: Wer hat das gemalt? Menschgemalte Quadrate allein machen keine Kunst. Andererseits könnte KI endlos viele schwarze Quadrate malen und dennoch nie denen von Kasimir Malewitsch nahekommen. Warum? Weil die Originale mehr Wert sind? Auch. Aber Malewitsch hat mit seiner Interpretation von Gegenstandslosigkeit die Ikonenmalerei und Hängung, bildlich und strukturell, neu definiert und sich dadurch mit der Kirche und der Kunstwelt angelegt. Autor\*innenschaft heißt eben auch, bewusste Entscheidungen zu treffen. Vieles, was wir heute Kunst nennen, liegt in der konzeptionellen Umdeutung, nicht im sichtbaren Werk.

Der Wert von KI im künstlerischen Prozess wird oft am Ergebnis diskutiert. Das ist problematisch, denn das assoziiert Kreativität zu stark mit Effizienz oder Output. Aber das wäre ein reduktionistisches Verständnis von Kunst. Denn generative KI könnte sehr wohl schwarze Quadrate malen – möglicherweise mehr, schneller und präziser als Malewitsch. Doch daraus folgt nicht automatisch eine gleichwertige künstlerische Bedeutung derselben.

Autor\*innen sind keine ausführenden Produzent\*innen von Kunst, sondern Autoritäten über ihre Prozesse, Intentionen und Handlungen. Diese Autorität muss keine Frage von Kontrolle oder perfekter Arbeitsteilung zwischen Menschen und KI sein, sondern eher eine bewusste Gestaltung von Freiheiten und Welten, mit oder ohne KI. Wenn der Künstler Trevor Paglen für die Ausstellung „The World Through AI“ analytische KI nutzt und testet, wie bei „The Treachery of Object Recognition“, dann tut er das, um maschinelles Sehen in den Kontext von menschlicher Wahrnehmung zu stellen und dessen algorithmische Vorurteile hervorzuheben. Ähnlich arbeitet der Künstler Grégory Chatonsky, der in „The Fourth Memory“ aufzeigt, dass die KI eine neue Form von Erinnerungskultur eröffnet, die uns Menschen fremd ist, uns aber beeinflusst. Künstler\*innen greifen im besten Fall auf, was das Medium nicht offen zeigen oder hergeben will – sie nutzen ihre Medien nicht nur, sie deuten sie innerhalb des Werkes um.

Weder kann die Handschrift des Menschen noch die Komplexität der KI dabei komplett sichtbar werden. Das muss sie auch nicht. Die künstlerische Auseinandersetzung kann jedoch ermöglichen, Bedingungen mitzugestalten, unter denen Werke entstehen, sowie über technologische und institutionelle Strukturen zu reflektieren – was Künstler\*innen in ihrer Autor\*innenrolle häufig leisten. Hier kann Kunst durch KI deren eigene Schwachstellen aufzeigen, etwas, das in der alltäglichen Nutzung verborgen bleibt und untergeht zwischen den Interfaces, Daten und algorithmischen Beziehungen.

![Ein unscharfes, historisches Porträt einer Person in traditioneller Kleidung vor einem orientalischen Hintergrund.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/04/Schirn-Presse_WTAI_Nouf-Aljowaysir_Man-in-Arab-Costume_2020_©-Nouf-Aljowaysir.jpg)

Nouf Aljowaysir, Salaf #74: Man in Arab Costume, 2020

© Nouf Aljowaysir

![Gemälde eines roten und grünen Apfels mit großem weißen Schild: "Das ist kein Apfel".](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/04/Schirn_Presse_WTAI_Trevor-Paglen_The-Treachery-of-Object-Recognition_2019-©-Trevor-Paglen.jpg)

Trevor Paglen, The Treachery of Object Recognition, 2019, Farbsublimationsdruck auf Aluminium, 38,10 × 31,75 cm, 39,69 × 33,34 × 3,81 cm (gerahmt)

© Trevor Paglen, Courtesy of the Artist, Altman Siegel, San Francisco, and the Pace Gallery

![Junger Mann sitzt unter Wasser, umgeben von grünlichem Licht und silhouettierten Tauchgeräten.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/04/Schirn-Presse_WTAI_Gregory-Chatonsky_La-Quatrieme-Memoire_2025_©-Gregory-Chatonsky.jpg)

Grégory Chatonsky, The Fourth Memory, 2025, Installation, generativer Film, 3D-Drucke, Digitaldrucke, Roboter, Aluminium, Steine

© Grégory Chatonsky

## Von der Kunst, Autor\*in zu werden

Auch in einer Welt durch KI ergibt Kunst nur für uns Menschen Sinn. Für die KI ist Kunst komplett sinnlos, da zweck- und ziellos. Wir dagegen erkennen uns in Kunstwerken und im Kunstprozess wieder. Hier kann KI selbst einen neuen Zweck oder Sinn geben. Sie kann uns auffordern, mehr Fragen zu stellen – danach, wer das kunstmachende Subjekt ist, aber auch nach den ästhetischen, sozialen, ökonomischen und technologischen Machtstrukturen dahinter.

KI prägt zunehmend unsere Welt. Es kann damit schwerer werden, gesellschaftliche Strukturen zu sehen, zu verstehen oder gar zu kritisieren, die bestehende Ungleichheiten sichtbar machen oder verstärken können. Künstlerische Praktiken zeigen, dass es um neue Formen der Wahrnehmung, Handlungsmöglichkeiten und (fehlende) Freiheiten geht. KI mag kein\*e Autor\*in sein, aber sie erlaubt uns, neue Zuschreibungen zu finden und auszuhandeln. Dabei können wir neue und vernetzte Formen von Kreativität anerkennen, die nicht das Ende menschlicher Autor\*innen bedeuten, sondern idealerweise neue und mehrere sichtbar machen.

Es geht hier weniger um ein Duell Mensch gegen KI, sondern eher darum, uns zu fragen: Wessen Geste wird als Kunst erkennbar? Wie nutzen wir KI, ohne von ihr benutzt zu werden? KI wird menschliche Schaffensprozesse, Bedeutungen oder Kontexte nicht ersetzen. Genau dort, wo KI sich unserer menschlichen Erfahrung teilweise entzieht, kann Kunst alternative Welten vorschlagen, in denen wir nicht nur Datensätze, sondern denkende und handelnde Autor\*innen sein können.

## SCHIRN PAPER

Dieser Artikel erschien erstmalig im SCHIRN PAPER #3. Das SCHIRN PAPER ist unser Print-Format, das Kunst, Kultur und gesellschaftliche Themen vertieft und die Inhalte des SCHIRN MAG ergänzt. Es erscheinen drei Ausgaben im Jahr, die auch im Abo erhältlich sind.

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