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title: "The Uncanny is not dead – 5 Kunstwerke, in denen KI das Unheimliche neu erfindet"
date: 2026-08-26
last_modified: 2026-08-26T11:00:42+02:00
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# The Uncanny is not dead – 5 Kunstwerke, in denen KI das Unheimliche neu erfindet

![](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/08/MemoriesOfPassersbyI_Sothebys.webp)

Mario Klingemann, Memories Of Passersby I, 2018.

Image via sothebys.com

# The Uncanny is not dead –
5 Kunstwerke, in denen KI das Unheimliche neu erfindet

1 min Lesezeit

Was passiert, wenn Gesichter ohne Biografie auftauchen, Maschinen sich erinnern und das eigene Ich als digitales Gegenüber weiterlebt? Fünf künstlerische Positionen erkunden, wie KI unsere Vorstellungen von Identität, Erinnerung und Wirklichkeit verschiebt. Und zeigen: Das Uncanny Valley ist längst größer als gedacht.

Das Unheimliche kommt nicht von außen. Es ist nichts, das irgendwann höflich anklopft, sich vorstellt und sagt: „Guten Tag, ich bin übrigens das Fremde“. Es bewohnt bereits das Vertraute. Das Unheimliche beginnt vermutlich dort, wo das Gefühl schneller ist als der Begriff. Etwas irritiert uns, was wir längst verdrängt und entsorgt glaubten und plötzlich steht es wieder vor uns. Freud hat diese Heimkehr des Vertrauten 1919 in dem Aufsatz „[Das Unheimliche](https://archive.org/details/Imago-ZeitschriftFuumlrAnwendungDerPsychoanalyseAufDie_464/page/n1/mode/2up)“ beschrieben, Lacan hat das eigene Spiegelbild in seinem Text zum *[Spiegelstadium](http://www.lamarre-mediaken.com/Site/EAST_527_files/Lacan_Mirror_Stage.pdf)* von 1949 verdächtig gemacht, und Masahiro Mori hat dem Ganzen 1970 mit dem [*Uncanny Valley*](https://spectrum.ieee.org/the-uncanny-valley) eine technische Kurve verpasst. Seither wissen wir: Je ähnlicher uns eine Maschine wird, desto eher kippt Nähe in Abwehr. KI verschärft diese alte Irritation noch einmal. Sie produziert Gesichter, Stimmen, Erinnerungen, Bilder, ja sogar Ersatzmenschen. Das Unheimliche lebt und hat nun seine Oberfläche gewechselt.

1

## Pierre Huyghe:
UUmwelt (2018)

Für „UUmwelt“ stellen sich Menschen bestimmte Motive vor, während ihre Gehirnaktivität per funktioneller Magnetresonanztomographie aufgezeichnet wird. Ein neuronales Netzwerk rekonstruiert daraus Bilder. Auf den Screens ploppen flüchtige, instabile Formen auf: nicht das Erdachte selbst, sondern das, was die Maschine für das Erdachte hält. So entsteht eine unheimliche Interferenz. Das Innere wird sichtbar, ohne wirklich greifbar zu werden. Die Gedankentätigkeit bekommt einen mitarbeitenden Doppelgänger, welcher dem Ursprung verwandt genug ist, um eine Irritation hervorzurufen; fremd genug, um ihn uns wieder zu entziehen.

![](https://www.crousel.com/media/uploads/artists/PierreHuyghe/exhibitions/PierreHuyghe%2CUUmwelt-SerpentineGallery/web/0871-Pierre-Serpentine.jpg)  Pierre Huyghe, UUmwelt, 2018

Image via [crousel.com](https://www.crousel.com/media/uploads/artists/PierreHuyghe/exhibitions/PierreHuyghe%2CUUmwelt-SerpentineGallery/web/0871-Pierre-Serpentine.jpg)

2

## Mario Klingemann:
Memories of Passersby I (2018)

In Mario Klingemanns „Memories of Passersby I“ erscheinen Gesichter, die aussehen, als müsste man sie kennen. Vielleicht aus einem alten Familienalbum, vielleicht aus einem Museum, vielleicht von irgendwoher, wo man schon einmal vorbeigegangen ist. Nur: Diese Menschen haben nie existiert. Eine KI erzeugt in Echtzeit unablässig neue Porträts, gespeist aus historischen Bildwelten, aber ohne reales Gegenüber. Die Gesichter tauchen auf, verändern sich, verschwinden wieder. Sie sind vertraut, ohne bekannt zu sein; intim, ohne biografisch zu werden. Genau hier sitzt das neue Unheimliche der KI. Sie fälscht nicht einfach Wirklichkeit, sie erzeugt Vertrautheit ohne Ursprung. Gespenster aus Daten, könnte man sagen, oder Ahnen ohne Familie. Man blickt in Gesichter und merkt plötzlich: Das Wiedererkennbare braucht offenbar kein Original mehr.

![](https://sothebys-com.brightspotcdn.com/dims4/default/0d5dece/2147483647/strip/true/crop/1904x2000+0+0/resize/2880x3024!/format/webp/quality/90/?url=http%3A%2F%2Fsothebys-brightspot.s3.amazonaws.com%2Fdotcom%2F5b%2Ff5%2F23%2Ff7a4441878f9b1d4b56f5a7c91fef167964996a51694103c195e24029d%2F678l19021-b4nhf-2.jpg)  Mario Klingemann, Memories Of Passersby I, 2018

Image via [sothebys-com](https://sothebys-com.brightspotcdn.com/dims4/default/0d5dece/2147483647/strip/true/crop/1904x2000+0+0/resize/2880x3024!/format/webp/quality/90/?url=http%3A%2F%2Fsothebys-brightspot.s3.amazonaws.com%2Fdotcom%2F5b%2Ff5%2F23%2Ff7a4441878f9b1d4b56f5a7c91fef167964996a51694103c195e24029d%2F678l19021-b4nhf-2.jpg)

3

## Louisa Clement:
Repräsentantinnen (2021)

Louisa Clements „Repräsentantinnen“ sind lebensgroße, nach ihrem Körper gefertigte Real Dolls, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz. Mehr als 2.000 Fragen hat Clement beantwortet, damit diese Doubles sie nicht nur optisch erreichen, sondern sich auch artikulieren, reagieren, dazulernen können. Der klassische Doppelgänger, einst ein Fall für Schauergeschichten, bekommt hier eine Aktualisierung. Bei Clement geht es nicht mehr bloß um Gleichartigkeit, sondern um Delegation: Ihr eigener Körper wird auslagerbar, ihre Persönlichkeit zu einer Art Interface. Unheimlich wird dies dort, wo der Ersatz nicht bloß ein Abbild bleibt, sondern als Gegenüber auftritt. Man steht nicht vor einer Puppe, sondern vor einer Möglichkeit seiner selbst. Und die antwortet womöglich anders, als man es selbst getan hätte.

![](https://casino-luxembourg.lu/sites/default/files/2022-05/Repr%C3%A4sentantinnen-Casino-LT-20_rsz.jpg)  Louisa Clement, Repräsentantinnen, 2021

Image via [casino-luxembourg.lu](https://casino-luxembourg.lu/sites/default/files/2022-05/Repr%C3%A4sentantinnen-Casino-LT-20_rsz.jpg)

4

## Holly Herndon &amp; Mat Dryhurst:
xhairymutantx (2024)

Holly Herndon und Mat Dryhurst lassen eine Figur entstehen, die Person, Meme, Mutation und Mythos zugleich ist. Für „xhairymutantx“ trainierten sie ein Bildmodell mit verfremdeten Bildern Herndons. Das Ergebnis sind immer neue Varianten einer Figur, die sich um „Holly“ herum organisiert und sich doch ständig von ihr entfernt: rothaarig, haarig, menschlich, tierisch, sirenenhaft, avatarisch. Das digitale Ich ist hier kein Spiegel mehr, sondern ein Biotop. Es wuchert, es franst aus, es produziert sich weiter. Und wie so oft im Netz bleibt es nicht bei diesem einen Werk: Die erzeugten Bilder zirkulieren, werden geteilt, gespeichert, möglicherweise wieder zum Trainingsmaterial anderer Systeme. Identität wird damit nicht einfach dargestellt, sondern in Echtzeit umgeschrieben. Das Unheimliche liegt in dieser eigentümlichen Lage: Da ist noch eine Person, aber längst auch etwas, das sie überholt, übermalt, weiterverwendet.

![Eine Person mit langen, orangefarbenen Zöpfen sitzt auf einem Felsen, während eine schimmernde grüne Figur schwebt.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/04/Schirn_Presse_WTAI_Holly-Herndon-_Mat-Dryhurst_xhairymutantx_2_2024.jpg)

Holly Herndon &amp; Mat Dryhurst, xhairymutantx, 2024–2025, Video aus Bildern, die von einem individuell angepassten KI-Modell generiert wurden, Prompter und interaktives Video

© Holly Herndon &amp; Mat Dryhurst

5

## Grégory Chatonsky:
The Fourth Memory (2025)

Erinnerung galt einmal als Rückblick. Das war bequem, weil man zumindest behaupten konnte, es habe einen festen Bezug zur Vergangenheit. Grégory Chatonskys „The Fourth Memory“ macht mit dieser Behaglichkeit Schluss. Generative KI entwirft alternative Vergangenheiten, bringt unterschiedliche Versionen des Künstlers hervor und installiert Erinnerung als etwas, das nicht mehr bloß bewahrt, sondern produziert wird. Die Arbeit erscheint wie ein Grabmal auf einer menschenleeren Erde und ist doch alles andere als still. Ständig kehrt etwas wieder, allerdings nicht als Gesichertes, sondern als Simulation. Freud interessierte, wie Verdrängtes zurückkommt; Chatonsky zeigt, wie das Nie-Gewesene sich einnistet, als hätte es längst zu uns gehört. Die KI erinnert sich hier an Dinge, an die sich niemand erinnern kann. Und gerade deshalb wirken sie so gespenstisch plausibel.

![Junger Mann sitzt unter Wasser, umgeben von grünlichem Licht und silhouettierten Tauchgeräten.](https://schirn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/04/Schirn-Presse_WTAI_Gregory-Chatonsky_La-Quatrieme-Memoire_2025_©-Gregory-Chatonsky.jpg)

Grégory Chatonsky, The Fourth Memory, 2025, Installation, generativer Film, 3D-Drucke, Digitaldrucke, Roboter, Aluminium, Steine

© Grégory Chatonsky